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„Das MuseumsQuartier ist mehr als die Summe seiner Institutionen“

Interview

„Das MuseumsQuartier ist mehr als die Summe seiner Institutionen“

Bettina Leidl ist die neue Geschäftsführerin der MuseumsQuartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft. Sie hat Kultur- und Politikwissenschaft studiert. Sie war Geschäftsführerin der Kunsthalle im MQ, der KÖR/Kunst im öffentlichen Raum und der Kreativagentur der Stadt Wien departure. Bis Februar 2022 leitete sie das Kunst Haus Wien.

Interview mit Michael Freund, freier Journalist
Foto: © Stefan Oláh

 

Michael Freund: Das MuseumsQuartier ist eine komplexe Konstruktion mit rund 60 beteiligten Institutionen. Was sind für Sie als Geschäftsführerin die wichtigsten Aufgaben? 

Bettina Leidl: Eine zentrale Aufgabe von Kultur ist, gesellschaftsrelevante Themen und Entwicklungen aufzugreifen und an die Herausforderungen der Zukunft zu knüpfen. Unsere Aufgabe ist es, Mehrwert auf unterschiedlichen Ebenen zu schaffen, um damit gemeinsam mit den Institutionen im MQ mehr Wirkung zu erzielen. Das MuseumsQuartier ist mehr als die Summe seiner Institutionen. Es ist eine große Agora, ein öffentlicher Kommunikationsraum, der sich demokratisch für alle Bevölkerungsschichten öffnet.

Manche Betreiber*innen wünschen sich bessere Instandhaltung des Bestehenden, andere hätten gerne Neues, Erweiterung. Wo sind für Sie jetzt die Prioritäten?

Meine Vorgänger – es waren ja bisher nur Männer – haben das MuseumsQuartier zu einem der erfolgreichsten Kulturareale Europas mit hochkarätigen, erfolgreichen Institutionen gemacht. Dafür gebührt ihnen Respekt. Mit dem Slogan „MQ goes green“ gilt es, das MQ auf den Weg zum klimaneutralen Kulturstandort zu führen. Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbarer Energie. Das MQ kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen - MQ klimaneutral bis 2030! Das ist eine große Chance.

Das Kunst Haus Wien, das Sie bis vor kurzem geleitet haben, hat als erstes Museum Österreichs das Umweltzeichen bekommen. Was muss das MQ dafür in den nächsten acht Jahren tun?

Die Erlangung des Österreichischen Umweltzeichens für das MQ und all seiner Institutionen ist ein erster Schritt und ein Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit und ressourcenschonender Kulturbetrieb. Zunächst wollen wir feststellen, wo es Verbesserungspotenziale im Betrieb und in der Infrastruktur gibt, wobei jede der Institutionen viele Maßnahmen selber setzen kann. Auf dem Weg zum „grünen“ und nachhaltigen MQ werden wir verschiedene Projekte in Angriff nehmen und neben der Umstellung auf eine effizientere Haustechnik, einer energetischen Verbesserung der Bausubstanz auch die Begrünung der Fassaden und des Areals vorantreiben.

Welche gestalterischen Möglichkeiten haben Sie außerdem, was die Ausstrahlung des Quartiers betrifft?

Die Öffnung hin zum siebten Bezirk hat sicher noch Potenzial. Auch die Zugänge ins MQ könnten architektonisch stärker akzentuiert werden. Das MQ wirkt ja noch immer ein wenig wie eine Festung. In den sogenannten Spangen, den Räumen links und rechts vom Haupteingang, gibt es Möglichkeiten, neue Akzente zu setzen, was Ausstellungen, Kooperationen, Vermietungen anbelangt. Ebenso der Vorplatz Richtung Zweierlinie und Kunst- und Naturhistorisches Museum wartet noch auf eine innovative, künstlerische Bespielung.

Wohin kann sich das MQ entwickeln?

Das Interessante ist ja, dass das Quartier bei der Eröffnung 2001 nicht fertig gestaltet war, sondern Freiflächen und Potenziale enthielt, die man weiterdenken kann. Die „MQ Libelle“ auf dem Dach des Leopold Museums ist ein schönes Beispiel für so ein Weiterdenken.

Alle reden von digitaler Präsenz. Wie können die Institutionen des Quartiers am besten mitspielen, vielleicht unter der übergreifenden Marke MQ?

Die Digitalisierung hat mit Corona in allen Kunst- und Kultursparten nochmals an Fahrt aufgenommen, virtuelle Rundgänge, Streaming usw. wurden in den letzten zwei Jahren zum Standard. Im digitalen Raum wird es für einzelne Kultureinrichtungen aber immer schwieriger durchzudringen und neue Öffentlichkeit zu generieren, insbesondere dann, wenn sie nicht über die Aufmerksamkeit, finanzielle Ausstattung und Markenstärke großer internationaler Institutionen verfügen. Auffindbarkeit auf digitalen Plattformen ist das Nonplusultra. Es bietet sich an, hier Ressourcen zu bündeln, um mehr Sichtbarkeit zu erreichen und den Resonanzrahmen ins Digitale zu erweitern.

Schließlich eine leider immer noch aktuelle Frage, sie betrifft Corona: Was tun?

Corona raubt den Kulturbetrieben viel Kraft – wobei gerade diese gezeigt haben, wie kreativ und innovativ sie mit den Einschränkungen umgehen, immer mit dem Ziel den Betrieb offenhalten zu können. Es gab bereits so viele unterschiedliche Covid-Regeln, die wir umgesetzt haben – you name it, we make it. Wichtig war und ist den Besucher*innen zu kommunizieren - ein Kulturbesuch ist  ein sicherer Besuch. Und wenn’s gar nicht mehr geht, bleibt uns der öffentliche und digitale Raum, um Begegnungen mit der Kunst zu ermöglichen.

Im kurzen Videointerview spricht Bettina Leidl über ihre Visionen für das Kunst- und Kulturareal und darüber, worauf sich Besucher*innen 2022 freuen können.

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