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Thai Dye - Artist Talk mit Munzaa

Thai Dye - Artist-Talk mit Munzaa

Am 14. September, zwei Tage nach ihrem Auftritt bei der MQ Vienna Fashion Week, sitzt die Thailänderin Munzaa alias Arunlak Suits Sapa zusammen mit ihrer Tochter Ajaya vor drei Dutzend interessiert dreinblickenden Schülern und Schülerinnen der Modeschulen Herbstraße und Michelbeuern im Raum D, um über sich und ihr Label „Munzaa“ zu sprechen. Arunlak wurde von der Q21 Institution Combinat als Artist-in-Residence vorgeschlagen, nachdem sie ihr Label bereits letztes Jahr erfolgreich auf der MQ Vienna Fashion Week vorgestellt hatte, und bewohnt nun den ganzen September eines der Künstlerstudios im MuseumsQuartier. „Sehr schön“ findet Arunlak das Studio, und man merkt, dass sie sichtlich selbst erfreut darüber ist, wie gut ihr Label in Wien ankommt. „Munzaa“, das bedeutet so viel wie “Urban Craft”, bei der Kunst auf Handwerk, Intellektuelles auf Design und Mode auf Nachhaltigkeit trifft. „You feel happy when you wear this brand“, ist die Philosophie hinter Munzaa. Jedes Stück soll die Vorzüge der Person, die es trägt, betonen.

 

Zur Präsentation im Raum D des MuseumsQuartier hat Arunlak Proben ihrer Arbeit mitgebracht, ihre Tochter Ajaya verteilt T-Shirts, Blusen, Blazer und Hüte an die SchülerInnen, die von Hand zu Hand gereicht werden. Mutter und Tochter – die eine redet, die andere übersetzt – arbeiten auch beruflich eng zusammen. Die Tochter weiß über jeden Handgriff bei der Herstellung der Kleidungsstücke Bescheid und klärt über den zeitintensiven Herstellungsprozess auf.

Arunlak arbeitet fast ausschließlich mit der Farbe Blau. Die Farbe wird in einem langwierigen Prozess selbst hergestellt und stammt von der Indigopflanze, die von dem kleinen Familienbetrieb rund um das Label „Munzaa“ selbst angebaut und geschnitten wird. Auch das Nachbardorf ist bei der Ernte und im Herstellungsprozess der Paste involviert, wodurch die lokale Community gestärkt und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Indigopflanze gilt auch als Heilmittel, sie ist antibakteriell und soll sogar beim Einschlafen helfen. Bis die Pflanzen geschnitten und eingeweicht wurden und durch Trocknen eine Indigopaste entstanden ist, kann es mehrere Monate dauern. Bei der Verarbeitung der Pflanze greift man auf lokale Traditionen zurück, so werden die Blätter mit einem speziell angefertigten Holzstab in die großen Bottiche gepresst, um dort ihre Farbe an das Wasser abzugeben. Je nach Intensität des Blaus müssen die Textilien ein bis mehrere Male in die großen Bottiche mit Indigofarbe getaucht werden. Die Art des Blaus ist je nach Textur unterschiedlich, bei Munzaa wird jedoch darauf geachtet, dass nur natürliche Materialien wie Leinen, Viskose oder Wolle verwendet werden.

Da die Farbe selbst hergestellt wird und keine Chemikalien zum Einsatz kommen, ist der Herstellungsprozess für Mensch und Umwelt unbedenklich. Ajaya zeigt den SchülerInnen ihre Hände: „Keine Spuren von Farbe. Ihr könnt beruhigt sein“. Mutter und Tochter werden in den darauffolgenden Tagen einen praktischen Workshop mit den SchülerInnen der beiden Modeschulen durchführen, bei dem jede und jeder selbst sein eigenes Kleidungsstück färben kann. Die blaue Farbe entsteht erst durch den Kontakt mit Sauerstoff, zunächst nimmt das Indigo nämlich einen gelb-grünlichen Farbton an. Zum Waschen wird Geschirrspülmittel verwendet, weil es weniger aggressiv als herkömmliche Waschmittel ist. Viele kleine durchdachte Schritte, um später das gewünschte Endprodukt zu erhalten.

Dass Arunlak Suits Sapa jetzt im Fashionbereich arbeitet, sei nicht immer klar gewesen, so ihre Tochter Ajaya. Sie beschreibt ihre Mutter als Frau, die mit ihrem ausgefallenen Kleidungsstil bereits bei ihren Freunden für Aufsehen sorgen konnte. Bevor Arunlak Designerin wurde, arbeitete sie 10 Jahre in einem Krankenhaus im Bereich der Medizintechnik, später begann sie damit, Uniformen für Firmen und die Regierung zu entwerfen. Seit 20 Jahren ist sie nun im Modebusiness, das Label Munzaa existiert seit etwa 4 Jahren. Design, Schnitt, Färbung und Muster entwirft Arunlak selbst, genäht werden die Kleidungsstücke dann aber von einer Schneiderei.

Ihre Inspiration holt sich die 60-jährige Thailänderin von Reisen; neue Kollektionen entstehen immer dann, wenn sie sich mit Unbekanntem umgibt. Heraus kommen dabei weite Schnitte in blau und weiß, ungewöhnliche Muster mit lokalem Einfluss und neu interpretierte Batiktechniken. Der Betrieb umfasst mittlerweile 20 Angestellte, trotzdem kann Munzaa als Familienbetrieb bezeichnet werden. Von der Idee bis zum fertigen Kleidungsstück ist es ein langer Weg, aber das endgültige Produkt ist ein regional produziertes, das mit viel Liebe zum Detail und in respektvollem Umgang mit der Natur entstanden ist.

Mehr Infos zu Munzaa auf Facebook: https://de-de.facebook.com/munsanaturalfabric/

Text: Julia Stattin
Bilder: Eva Puella

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