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Stéphanie Lagarde: Déploiements (Deployments)

Stéphanie Lagarde: Deploiements (Deployments)

In Déploiements (Einsätze/Aufstellungen) zeigt Stéphanie Lagarde Inszenierungen staatlicher Kontrollsysteme im öffentlichen Raum und zwei damit in Zusammenhang stehende Simulationsprozesse, die von einer potenziellen Zukunft aus, Einsätze in der Gegenwart durchspielen.
Wir sehen Piloten der französischen Luftwaffe, die einen Kunstflugeinsatz für den französischen Nationalfeiertag proben. Mit Gesten, Handbewegungen und einer codierten Sprache simulieren sie die Choreografie der bevorstehenden Flugshow. Kombiniert werden diese Bilder mit einer Trainingssoftware für die Polizei, die zur Überwachung von Demonstrationen und Menschenmengen eingesetzt wird. Hier wird ein Protestszenario simuliert und polizeitaktische Strategien, wie beispielsweise das Einkesseln, durchgespielt. Beide Szenen antizipieren zukünftige Abläufe/Aufstellungen von Einsätzen, einmal als gedankliche und körperliche und einmal als algorithmische Simulation. Einerseits werden Bewegungsabläufe und Vorgehensweisen nach bestimmten Mustern trainiert und automatisiert, andererseits werden über Mustererkennung zukünftige Verhaltensweisen sowohl informiert als auch kontrolliert, um Entscheidungs-  bzw. Handlungsrahmen direkt als auch indirekt einzuschränken. Mit der Trainings-Software wird Autorität simuliert, wobei es in der Simulation weder zu körperlichem Kontakt noch zu Gewalt kommt. Die Demonstration nationalstaatlicher Macht wird über die eingeübte Ordnung der Formationen, Beherrschung von Technologie und über Symbole (wie dem in den Nationalfarben gefärbten Rauch der Flugzeuge) vermittelt. Demonstrationen hingegen werden als Unordnung (Chaos) dargestellt.

Stéphanie Lagarde interessiert sich für das Verhältnis von BürgerInnen und Staat, sie untersucht Identifikation und Identität von BürgerInnen als Patrioten bei der nationalen Flugshow oder als Protestierende bei Demonstrationen.
Die zunehmende Identifikation mit dem Nationalen oder Überbewertung nationaler Identität bis hin zum Nationalismus scheint in vielen Ländern Europas und der USA parallel mit dem wachsenden Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen zu verlaufen. Wenn Aufgaben des Staates auf das Mandat der inneren und äußeren Sicherheit konzentriert werden, wie das neoliberale Agenden beförderten, tritt das Nationale (von Nationalstaat) als kulturelle Identifikation in den Vordergrund und wird autoritär eingefordert.
Der Überwachungsstaat hingegen simuliert Sicherheit.

www.lagardestephanie.com

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