11.02.2026 bis 15.04.2026 - MQ Schauräume
MQ Artist-in-Residence Edwin Adokwei Boye: After Fashion, Life!
FREIER EINTRITT, KUNST
Installation
MQ Artist-in-Residence Edwin Adokwei Boye: After Fashion, Life!
12.02. – 15.04.2026
MQ Schauraum Anita Fuchs| MQ Schauräume, Eintritt frei
Eröffnung: Mi 11.02.2026, 18h - zeitgleich finden Eröffnungen in weiteren Schauräumen und in der eSeL Rezeption statt sowie künstlerische Präsentationen der aktuellen MQ Artists-in-Residence im MQ Raum D:
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MQ Artist-in-Residence Ausstellung: Artistic Gathering
MQ Artist-in-Residence Edwin Adokwei Boye, der von Jänner bis Februar 2026 im Rahmen des MQ-Schwerpunkts Art & Ecology im MuseumsQuartier lebt und arbeitet, zeigt im Schauraum von Anita Fuchs eine Installation, die während seiner Residency entstanden ist. Sie besteht aus ausgemusterten Kleidungsstücken, die er in Accra, der Hauptstadt Ghanas, und in Wien gesammelt hat. Seine Arbeit steht in einem direkten Dialog mit Anita Fuchs’ künstlerischem Projekt Versuchsfeld1 sowie dem Nachhaltigkeitsprogramm MQ Goes Green, das ökologische Themen als Teil eines umfassenden Transformationsprozesses versteht.
Die textile Arbeit des ghanaischen Künstlers macht die ökologischen Folgen der Überproduktion der Fast-Fashion-Industrie im Globalen Süden sichtbar. Allein der Kantamanto-Markt in Accra, einer der größten Secondhand-Kleidungsknotenpunkte der Welt, erhält jede Woche mehr als 10 Millionen gebrauchte Kleidungsstücke, viele davon sind unbrauchbar. Etwa 160 Tonnen Textilabfall landen täglich auf den illegalen Mülldeponien Ghanas. Sie verunreinigen Land und Gewässer und setzen beim Verbrennen toxische Schadstoffe frei. Eine massive gesundheitliche Belastung für die Bevölkerung und eine ernsthafte Bedrohung für die lokale Artenvielfalt sind die Folge. Während Anita Fuchs die einstige Rasenfläche am Vorplatz des MuseumsQuartiers in den letzten beiden Jahren bewusst kultiviert und in eine artenreiche Wildpflanzenwiese verwandelt hat, zeigt Boyes Installation ein „Versuchsfeld“, das auf die globale Modeindustrie, westliches Konsumverhalten und „Abfallkolonialismus“ verweist.
In seiner Installation ersetzt der Künstler organische Materialien und biologische Prozesse durch ein auf Textilien basierendes künstliches Environment und erschafft ein paralleles künstliches Ökosystem. So deutet die textile Sonne nicht auf die Umwandlung von Licht in Materie im Sinne der Fotosynthese hin, sondern auf die anthropozentrische Transformation des Planeten. Die Erde ist nicht länger der Stoff, der kultiviert wird und aus dem Leben entsteht. Stattdessen werden ausrangierte Textilien, die zusammengefügt und bemalt wurden, zu artifiziellen Pflanzen und Gräsern. Textile Restprodukte dienen als künstliche Materie, um Landschaften zu formen und Leben zu simulieren: After Fashion, Life!
Kuratorin: Elisabeth Hajek
Edwin Adokwei Boye (*1997 in Accra, Ghana) ist ein autodidaktischer bildender Künstler, der in den Bereichen Afro-Surrealismus, Nachhaltigkeit und kulturelles Storytelling arbeitet. Seine Leidenschaft für die Kunst entwickelte er durch intensive Recherchen während seines Marketingstudiums an der University of Professional Studies in Accra. 2023 wurde seine Einzelausstellung Science of My Untamed Thoughts am Goethe-Institut Ghana in Accra gezeigt. Im Jahr 2025 arbeitete er mit der österreichischen Künstlerin Zoe Köbrunner für eine öffentliche Intervention zusammen, die einen Dialog über textile Transformation anregte. 2023 wurde Boye vom Goethe-Institut gefördert. Seine Werke befinden sich in privaten und institutionellen Sammlungen. Seit 2025 ist er Manager der Berj Gallery in Accra, wo er zuvor vier Jahre als Mitarbeiter tätig war.
Foto © Maria Hernanglez






