11.02.2026 bis 11.02.2026 - MQ Raum D
MQ Artist-in-Residence Ausstellung: Artistic Gathering
FREIER EINTRITT, KUNST
Artistic Gathering
MQ Artists-in-Residence
Eröffnung Mi 11.02., 18–22h l MQ Raum D l Eintritt frei
In den MQ Schauräumen finden zeitgleich weitere Eröffnungen statt:
MQ Artist-in-Residence Selbi Jumayeva l Steppe Synanthropies: Data Tapestry
artVideoLoop: Ursula Maria Probst & Raashish India - PEACE STARTS WITH A SMILE
Martin Markeli: Open Atelier – Back from Miami candy
Artistic Gathering ist eine Ausstellung, die Künstler:innen aus unterschiedlichen Ländern und institutionellen Kontexten zusammenbringt. Arbeiten, die während der Residency entstanden sind oder weiterentwickelt wurden, treffen hier aufeinander und machen individuelle künstlerische Prozesse sichtbar. Die Gruppenausstellung versteht sich als Ort der Begegnung, des Austauschs und der gemeinsamen Reflexion.
Die Veranstaltung wird in Kooperation mit BMEIA, BMWKMS und tranzit.org/ERSTE Stiftung durchgeführt.
Teilnehmende MQ Artists-in-Residence:
EtchingRoom1, Serge Bulat, Seshile Manzini, Slobodan Šnajder & Zarina Mingazova
MQ AiR EtchingRoom1: Just one more day
Empfehlende Institution: tranzit.org/ERSTE Stiftung
etchingroom1.com
instagram.com/etching.room1
Künstler:innen Statement:
In diesem Projekt Just one more day werden Fragmente des Alltags zusammengeführt – Tage, die sich wiederholen und zugleich beständig von dem abweichen, was geplant war. Die Serien sind nicht durch ein gemeinsames Thema verbunden, sondern durch die gemeinsame Aufmerksamkeit für subtile Veränderungen, die unsere Wahrnehmung still prägen.
Die im Raum D im MuseumsQuartier gezeigten Arbeiten enthalten keine großen Ereignisse: nur vertraute Momente, die sich wiederholen und den Rhythmus eines Tages strukturieren. Wir erwarten ständig Veränderung – eine neue Gewohnheit „ab Montag“, ein frischer Anfang „nach diesem Kaffee“, ein idealer Tagesablauf, von dem wir glauben, dass wir ihn diesmal einhalten werden. Doch selbst kleine Abweichungen können dieses innere Gefüge stören: Pläne verschieben sich, Erwartungen lösen sich auf, und der Tag nimmt eine andere Konfiguration an.
Diese Arbeiten fangen diese Instabilität ein – den Raum zwischen Absicht und Zufall, zwischen dem erwarteten Szenario und dem tatsächlichen Verlauf der Ereignisse. In diesem Raum entsteht der alltägliche Akt des Gleichgewichts, immer wieder neu vollzogen.
EtchingRoom1 ist ein Künstlerinnenkollektiv, das 2016 von Kristina Yarosh und Anna Khodkova in Kiew, Ukraine, gegründet wurde. Die Arbeit der beiden Künstlerinnen ist in der bildenden Kunst verwurzelt und umfasst mehrere Medien wie Papier, Porzellan, Mosaik und Installation, die sie innerhalb eines Projekts häufig kombinieren, um einen stärkeren und intensiveren visuellen Ausdruck zu erzielen. EtchingRoom1 hat derzeit seinen Sitz in Berlin.
MQ AiR Serge Bulat: Idle Labor. Artist / Product
Empfehlende Institution: BMWKMS
sergebulat.com/
www.instagram.com/sergebulat/
Künstler Statement:
Idle Labor: Artist / Product ist eine durative performative Installation, die den Künstler als funktionale Komponente innerhalb eines Systems von Maschinen neu konfiguriert. Umgeben von obsoleten Computern und Geräten interagiert der Künstler nur minimal mit einem Laptop, der als „artist“ gekennzeichnet ist, während sein eigener Körper als „product“ markiert wird. Diese Umkehrung verschiebt die Autorschaft vom menschlichen Subjekt hin zur technologischen Infrastruktur und positioniert den Künstler als Form von Infrastruktur statt als schöpferischen Ursprung.
Die Arbeit inszeniert einen Zustand, in dem Arbeit fortbesteht, ohne ein sichtbares Ergebnis hervorzubringen. Präsenz selbst wird zur Produktionsform und macht Produktivität als kontinuierlichen, verkörperten Prozess erfahrbar. Durch das Auflösen der Grenzen zwischen Schöpfer, Werkzeug und Ware legt die Installation künstlerische Praxis als Arbeit offen, die von digitalen Umgebungen, institutionellen Rahmenbedingungen und Sichtbarkeitsökonomien geprägt ist.
Eine klangliche Ebene, basierend auf Aufnahmen aus Thomas Feuersteins METABOLICA, entstanden im MQ Freiraum, entfaltet sich als zeitliche Struktur innerhalb der Arbeit. Der Sound kann im Ausstellungsraum oder über Kopfhörer erlebt werden und wird zu bestimmten Momenten durch kurze, intime Hörsituationen aktiviert. Klang fungiert als Spur ansonsten unsichtbarer Prozesse und verdichtet die Spannung zwischen menschlicher Handlungsmacht und technologischer Automatisierung.
In dieser Konstellation reflektiert Idle Labor: Artist / Product, wie künstlerische Praxis zunehmend vermittelt, extrahiert und innerhalb von Systemen performt wird, in denen menschliche Intention und technologische Operation untrennbar miteinander verflochten sind.
Serge Bulat ist ein multidisziplinärer Künstler, der an der Schnittstelle von Klang, Performance und Installation arbeitet. Geboren in Moldau und heute in den Vereinigten Staaten ansässig, untersucht seine künstlerische Praxis, wie Identität, Technologie und Wahrnehmung durch Zuhören, Präsenz und Produktionssysteme geprägt werden.
Zwischen Komposition, performativen Situationen und räumlichen Arbeiten wechselnd, begreift er Klang nicht nur als Material, sondern als soziale und politische Bedingung. In Projekten wie Cornershop, Inkblot und Phonomundi entwickelt Bulat experimentelle Formate, die die Grenzen zwischen Künstler und Publikum, Maschine und Körper sowie Fiktion und Dokumentation auflösen.
Serge Bulat ist Stipendiat des Programms „Fokus International“, das in Kooperation mit dem Österreichischen Kulturministerium (BMWKMS) 2023 ins Leben gerufen wurde. Während seiner Residency im MQ wird Bulat das Team von mica – mica – music austria unterstützen.
MQ AiR Sesihle Manzini: PALIMPSEST. INSCRIPTIONS ON MEMORY
A collaborative work by the filmmaker Sesihle Manzini and the photographer Zach Stewart
Empfehlende Institution: BMWKMS
https://www.annodominimag.africa/
https://www.instagram.com/annodominimag/
Künstlerin Statement:
Die multimediale Installation PALIMPSEST. INSCRIPTIONS ON MEMORY untersucht, wie Geschichte geschrieben, überschrieben und wiedergewonnen wird, ausgehend von den Stadsaal-Höhlen in Südafrika — einem Ort, an dem Architekten der Apartheid ihre Namen in Felswände einschrieben, die bereits mit jahrtausendealter San-Felskunst bedeckt waren. Mithilfe von Archivmaterial, Klang, Film und partizipativen Elementen begreift die Arbeit Erinnerung als einen Schauplatz von Gewalt, Widerstand und Neuvorstellung.
Die Stadsaal-Höhlen liegen in den Cederberg Mountains, etwa drei Autostunden nördlich von Kapstadt. Die Region ist eine raue, felsige Landschaft, bekannt für Wildnis-Wanderungen, Landwirtschaft und ihre bedeutende San-Felskunst. Der Name „Stadsaal“, was „Rathaus“ bedeutet, verweist sowohl auf die weiten Höhlenräume als auch auf ihre historische Funktion als Treffpunkt der Architekten der Apartheid vor deren offizieller Einführung. Viele der dort versammelten Anführer hinterließen ihre Unterschriften an den Höhlenwänden. Besonders hervorstechend sind die Signaturen von Dr. D. F. Malan, Geistlicher und Vorsitzender der National Party, sowie mehrerer Mitglieder der Familie Niewoudt, die große Teile des umliegenden Landes als Farmer kolonisierten und deren Nachfahren dieses Land bis heute bewohnen.
Ein zentraler Grund für die Wahl dieses Bildes als visuelle Synthese für das Filmplakat liegt in seiner Eindrücklichkeit als Akt der Imagination, der dem Land aufgezwungen wurde. Diese Anführer entschieden sich bewusst für eine Höhle als Versammlungsort und schrieben sich damit buchstäblich in die Landschaft ein. Dieser Akt war theologischer und imaginativer Natur und stellt eine verzerrte Form prophetischen Handelns dar. Den Signaturen der Apartheid-Anführer direkt gegenüber befindet sich ein monumentales Wandbild der San-Felskunst, gemalt unter einem Felsüberhang, das Elefanten und menschliche Figuren zeigt, die in die weite Landschaft blicken. Das Einschreiben der Namen erscheint somit als Gegenposition — als Herausforderung an die Vorstellungskraft und Weltanschauung, die an diesem Ort bereits existierte.
Diese Ausstellung engagiert sich für kollaborative Arbeitsweisen, indem sie mehreren südafrikanischen Künstler:innen eine Plattform bietet und Raum für kollektive Reflexion schafft.
Sesihle Manzini ist eine südafrikanische Dokumentarfilmerin und Kulturkuratorin, die an der Schnittstelle von Geschichte, Erinnerung und räumlicher Gerechtigkeit arbeitet. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Archivforschung, filmischem Erzählen und öffentlichem Dialog und schafft Filme, die als Werkzeuge kollektiver Reflexion verstanden werden können, statt als abgeschlossene Texte.
Anstelle klassischer Filmvorführungen entwickelt sie erfahrungsbasierte Programme, die Dokumentarfilm mit moderierten Gesprächen, Ortsbesuchen und Community-Arbeit verbinden. Diese Arbeiten wurden an Universitäten, Museen, Botschaften sowie in zivilgesellschaftlichen Räumen in Südafrika, Europa und den USA präsentiert.
Sesihle Manzini ist Stipendiatin des Programms „Fokus International“, das in Kooperation mit dem Österreichischen Kulturministerium (BMWKMS) 2023 ins Leben gerufen wurde. Während ihrer Residency im MQ wird Manzini das Team von Tricky Women / Tricky Realities unterstützen.
Zach Stewart
Zach Stewart ist ein in Kapstadt lebender Multimedia-Künstler und Gastgeber einer lokalen Lebensmittelkooperative. Er hat einen BAFA-Abschluss der University of Cape Town. In seiner künstlerischen Praxis arbeitet er mit Skulptur, Animation, Videoinstallation, Illustration und Performance und untersucht queere Identitäten sowie Weißsein in der südafrikanischen Landschaft.
Zuletzt widmet er sich verstärkt der Herstellung von Objekten und Kuriositäten. Obwohl seine Themen oft von intensiven historischen Zusammenhängen geprägt sind, nähert er sich ihnen mit Humor und einem starken Sinn für Materialität sowie Haptik und lädt das Publikum dazu ein, sich schwierigen Inhalten über eine intime, körperliche Erfahrung zu nähern, statt aus didaktischer Distanz.
MQ Writer-in-Residence Slobodan Šnajder
Empfehlende Institution: BMEIA
Slobodan Šnajder (geb. 1948) ist ein kroatischer Schriftsteller, der Philosophie und Anglistik in Zagreb studierte. Bis zum Ende des ersten Jahrzehnts seiner Karriere schrieb er vor allem Theaterstücke – etwa 30 an der Zahl –, war in der Theaterpraxis aktiv, gab eine Theaterzeitschrift heraus und prägte die kroatische Theaterszene nachhaltig. Sein dramatisches Werk wurde international aufgeführt, darunter das Stück Der kroatische Faust (1994, Burgtheater Wien).
In den letzten Jahren hat Šnajder seinen Schwerpunkt auf Prosa gelegt. Sein Roman Reparatur der Welt (2018, Zsolnay Verlag, Wien) wurde in 13 Sprachen übersetzt. Der zweite Roman, Engel des Verschwindens, erschien 2025.
Derzeit arbeitet er an einem dritten Roman, der eng mit der österreichischen Geschichte verbunden ist – sowohl dem glücklichen als auch dem schwierigen Österreich nach den Weltkriegen – und Parallelen zum Zerfall Jugoslawiens zieht. Während seiner zweimonatigen Residency am MQ sammelt er Eindrücke, recherchiert historische Quellen und besucht Museen wie das Heeresgeschichtliche Museum sowie das Konzentrationslager Mauthausen. Dabei erkundet er Themen wie das Ende der Doppelmonarchie, die Rolle der SS-Wachen und historische Parallelen zu Verbrechen in Kroatien. Der Roman befindet sich noch in Arbeit und wird voraussichtlich in etwa einem Jahr fertiggestellt.
MQ AiR Zarina Mingazova: Flowergatherers / Blumensammler
Empfehlende Institution: KABINETTcomicpassage
Künstler:innen Statement:
“When the noise is too loud, we gather flowers “
Zarina Saidova (geb. 1992) ist eine Künstlerin, Illustratorin und Comic-Schaffende aus Kasachstan, derzeit mit Sitz in Oslo. Sie hat einen Master-Abschluss von der Oslo National Academy of the Arts und ist Mitbegründerin des unabhängigen Verlags Træsh. Ihre Arbeit erforscht visuelles Erzählen durch Comics, Bücher und Ausstellungen und verbindet dabei häufig spielerische und symbolische Elemente.
Während ihrer Residency im MuseumsQuartier präsentiert Zarina Saidova Mingazova Conversation with the Sun, eine visuelle Erzählung, die sich mit den Themen Identität, Zugehörigkeit und Transformation auseinandersetzt. Die Künstlerin lädt das Publikum in eine poetische Bildwelt ein, in der persönliche und kollektive Geschichten miteinander verschmelzen. Die Ausstellungseröffnung und Heftpräsentation finden am Donnerstag, 26. Februar 2026, um 18:30 Uhr in der KABINETT comic passage statt, und die Werke sind bis zum 10. Juni 2026 zu sehen.






