26.02.2026 bis 31.05.2026 - MQ Freiraum
Ausstellung: "THE ROOTS OF SMALL FIRES" – Milica Živković
KUNST
Ausstellung:
"THE ROOTS OF SMALL FIRES"
Milica Živković
26.02.26 – 31.05.2026
MQ Freiraum
In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Wien präsentiert Milica Živković eine raumgreifende Installation aus neu geschaffenen Arbeiten. Motive von The Roots of Small Fires (Die Wurzeln kleiner Feuer) begleiten die Künstlerin bereits seit einigen Jahren; hier werden sie jedoch in eine neue Phase ihrer künstlerischen Praxis überführt.
Živkovićs Arbeiten entstehen aus dem komplexen Zusammenspiel persönlicher Erfahrungen und der politischen Realität des Balkans nach dem Ende der Kriege. Nach Jahren der familiären Migration und Studienaufenthalten im Ausland kehrte sie in ihre Heimatstadt Belgrad zurück. Als Kind hatte sie die Bombardierung der Stadt miterlebt – heute ist die serbische Hauptstadt von Widerstand durch die Zivilgesellschaft und massiven Protesten gegen Korruption geprägt.
Mehrere Motive der hier präsentierten Installation verweisen in abstrahierter Form auf die Erfahrung der Rückkehr an einen Ort, der mit ambivalenten Gefühlen, aber auch mit Widerstandsfähigkeit verbunden ist. Die silbern schimmernden Stoffe, die als Malunterlage dienen, spielen auf die pompöse Ästhetik des Turbo-Folks an. Dieser Musikstil, der häufig mit Nationalismus und den Jugoslawienkriegen in Verbindung gebracht wird, prägt als eine Art Hintergrundgeräusch Živkovićs Erinnerung an ihre Kindheit. Auf den Stoffen finden sich abstrakte, wurzelähnliche Formen, die wie Gesten der Ver- und Entwurzelung anmuten. Die Malereien auf den Stoffen bleiben dabei nicht in konventioneller Weise flach und in einem abgegrenzten Rahmen, vielmehr weiten sie sich in den Raum aus – wie Wurzeln, die sich nicht unlösbar im Boden festkrallen, sondern vorwärtsstreben. Während diese Elemente bereits in früheren Werken der Künstlerin auftauchten, finden sich in der hier präsentierten Variante Metallelemente, die die Malerei ebenfalls in die Dreidimensionalität erweitern. Wie eine Art schützende Applikation scheinen die Metallblättchen die Erinnerungen im Zaum zu halten; dabei wirken sie ebenso fragmentiert und fragil wie diese.
Das verbindende Element der gesamten Rauminstallation ist das Licht, das sich in den Oberflächen der Malereien und den Lampen-Skulpturen bricht. Das Licht der im Titel genannten kleinen Feuer („small fires“) erscheint als Spiegelung vieler kleiner Brennpunkte – Symbol einer Region wie einer Welt im Aufruhr. Die über den Raum verteilten Lampen tragen sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Bedeutungen: „Wie eine Lampe aussehen“ ist in Živkovićs Muttersprache eine abwertende Metapher für eine Frau, die als übermäßig herausgeputzt wahrgenommen und zum Objekt der Begierde degradiert wird. Die Künstlerin eignet sich diesen Ausdruck an und setzt ihm eine zärtliche Erinnerung entgegen: In den Jahren nach dem Krieg half sie als Kind ihrem Vater beim Schneiden von Metallfüßen für Lampen.
Die Besucher:innen bewegen sich in The Roots of Small Fires über eine Bühne des Erinnerns, einen Ort an der Schwelle von Vergangenheit und Zukunft – ein Wechselspiel aus Licht und dessen Abwesenheit.
Die Ausstellung wurde durch das UNIQA SEE FUTURE Foundation: Mentorship Program for Visual Artists in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Mentorin Šejla Kamerić, Nomad — Croatian Office for Contemporary Art, Nomarts — Kunstverein zur Schaffung von Kunstsammlungen sowie dem MuseumsQuartier Wien realisiert.Ein Großteil der präsentierten Arbeiten entstand während Milica Živkovićs zweimonatigem Aufenthalt als MQ Artist-in-Residence in Wien.
Milica Živković (geb. 1993 in Belgrad) ist eine multidisziplinäre Künstlerin. Sie studierte Malerei an der Fakultät für bildende Künste in Cetinje und schloss 2020 ihr Masterstudium an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag ab. Ihre Arbeit ist geprägt von Erfahrungen im postjugoslawischen Raum, von familiärer Migration, erinnerungspolitischen Fragen und einer weiblichen Perspektive. Živković hatte Ausstellungen in mehreren europäischen Städten und den USA. 2023 erhielt sie den Milčik-Preis für junge zeitgenössische Künstler:innen. Sie lebt und arbeitet in Belgrad.
Kostenlose Führungen finden jeden 3. Donnerstag im Monat (19.03., 16.04., 21.05.) um 17h statt. In Kombination mit der Austellung "THE MATERIAL SHOW".
Bild © MuseumsQuartier, Foto: Simon Veres
Artist Statement:
There is a shape that keeps returning to me - a claw, a flare, a flicker of light breaking through something dark. I have painted these shapes obsessively on shiny fabrics - synthetic silk, organza and iridescent artificial satin, that once belonged to the world of turbo-folk: the background noise of my childhood, that strange theatre of glitter and decay. Those fabrics shimmer like the nights in my hometown; wounded, ecstatic, pretending to be eternal. I think I paint them to understand what beauty means in a place that has seen too much of it, too easily, within the context that was very often everything but beautiful.
The shape first came to me as a wound, a small rebellion against the inside noise, and now it began to grow roots. Not roots that settle, but ones that wander. They stretch through metal, through paper and fabrics, through the faint memory of making things by hand when there was nothing else to do but survive. These forms reappear across paintings and objects, each time carrying new traces—scratches, seams, and layered gestures that echo the persistence of memory. With each new series of these objects and paintings comes new re-interpretation.
When I returned home after years of migrations, my hometown seemed heavier, as if its bones had turned to glass, metal and dust. Corruption had found its rhythm, and the spectacle was no longer pretending to be temporary. The past was everywhere, seductive, broken and familiar. I began to see the same root, the same claw, in the streets, in the gestures of people waiting for something unnamed to finally be resolved.
And there comes the lamp. Which, for me, represents a body that remembers.
In Balkan slang, to say a woman “looks like a lamp” is to objectify her beauty. I took that phrase and made it mine because it exposes the same distorted values my work confronts. I build lamps that hold the same paper shades from my childhood, but their stands now twist and turn into root-like forms, half organic, half industrial. They are remnants of both tenderness and resistance. They remember the factories, the hands of my father, the dust of metal, and the quiet laughter of trying to make something shine in the darkness.
In these new series, paintings mimic that transformation: monochrome gestures on shiny fabric, the same material worn by turbo-folk singers, representing a glittering backdrop to a society in collapse. They hold the tension between surface and depth, between the shine of spectacle and the dull ache of what lies beneath. I think of them as small altars to contradiction, to the way light can come from exhaustion, and how pain, when it finally roots itself, can grow into something luminous.
In the MQ Freiraum space, I imagine these works breathe in the light. The fabrics shift as the viewer moves, the lamps cast intimate and uneven shadows, and the gallery becomes a kind of stage for remembering. What was once private becomes spatial, a sort of dialogue between reflection and residue.
I no longer separate the personal from the political. They share the same pulse, the same soil. My work is that soil, tangled, reflective, and quietly alive. It begins with the claw, the claw transforms into the root, the leaf, the lamp; and ends somewhere between collapse and grace, where memory stops being history and finally overcomes it.
Öffnungszeiten
Di – So, 10 – 18h
Anfahrt:
Öffentlich: U-Bahn U2 (MuseumsQuartier),U3 (Volkstheater), Straßenbahn 49 (Volkstheater), Bus 48A (Volkstheater)
Auto: Contipark-Tiefgarage am MuseumsQuartier
Google Maps
Eintritt frei
Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren, Menschen mit Behinderung + 1 Assistenzperson, Berufsvereinigung Bildender Künstler:innen, IG Bildende Kunst, International Association of Art, Hunger auf Kunst und Kultur, MuseumsQuartier Card, Verband österreichischer Kunsthistoriker:innen, ICOM






