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David Lechner

David Lechner

Bereich: Theorie

Key Facts

Nationalität

Österreich

Bereich

Theorie

Wohnort

Linz

Empfehlende Institution

A9-forum transeuropa

Zeitraum

Mai 2003 - Mai 2003

David Lechner
geb. in 1975 Ried im Innkreis;
1995 Matura an der HTBLA Wels für chemische Betriebstechnik;
1995-1996 Zivildienst;
seit 1996 Studium der Soziologie an der J.-K.-Universität Linz, (Abschluss Herbst 2003)
seit 1997 Studienrichtungsvertretung Soziologie an der J.-K.-Universität Linz
seit 1999 Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS)
Seit 2000 Vorstand und Mitbegründer des Linzer Instituts für qualitative Analysen (>LIquA<)
Seit 2002 Mitarbeiter der Oberösterreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik
April 2002: Vienna Conference „New European and Local Governance”; Europaforum Wien;
Mai 2002: Workshop: „Conceiving "Urban Form" in the Post-Fordist Networked Economy” IFK/Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien,
November 2002: Stadtregion und Wissen - Plädoyers für eine neue Stadtpolitik“; IRS/Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung Berlin/Erkner; Fachtagung:  

Forschungsschwerpunkte:
Diskurstheorie und –analyse, Stadtforschung, Gesellschafts- und Sozialpolitik

Forschungsprojekte
Forschungsprojekte: Forschungsprojekt: "Jugend/Politik. Ansätze für eine moderne Jugendpolitik"
Status: abgeschlossen/ Projektanfang: Februar 2001/ Projektende: November 2001

Forschungsprojekt: "Nulldefizit. Eine kunstpolitische Intervention im öffentlichen Raum"

Status: abgeschlossen/ Projektanfang: Mai 2001/ Projektende: Dezember 2001

Forschungsprojekt: „Sozialraumanalyse Steyr“

Status: Laufend/ Projektanfang: Jänner 2003/ Projektende: September 2003

Forschungsprojekt: „Raumeffekte“
Status: laufend/ Projektanfang: März 2003/ Projektende: Oktober 2003

Projektinfo

Raumeffekte

David Lechner
Version 1.5

A) Ausgangslage: Stadt- Raum- Gesellschaft

Der aktuelle gesellschaftliche, ökonomische und technologische Strukturwandel ist umfassend und tief greifend. Das unter dem Schlagwort „Globalisierung“ subsumierte Programm der ökonomischen Umstrukturierung und deren politischen Regulation hat vielfältige Konsequenzen. Sie betreffen nicht nur einzelne soziale Gruppen, sondern die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit.

Die aktuellen gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse verändern den räumlichen Zusammenhang gesellschaftlicher Ereignisse grundlegend und lassen das gewohnte räumliche Gefüge unsicher werden.

Es herrscht Unruhe im Raumgefüge und neue Produktions- und Regulationssysteme sind im entstehen:

# Die Gesellschaft >enträumlicht< sich in dem Sinne, dass sich die ökonomischen Beziehungen und Verflechtungen gegenüber den herkömmlichen Lebenswelten zunehmend verselbständigen. Ökonomisch privilegierte Räume werden abgeschottet und es kommt zu einer neuen sozialräumlichen Disparitätenbildung: Zwischen den >gentrifizierten< Wohn- und Arbeitsräumen der >manageriellen<, technischen und politischen Elite, den Resten traditioneller ArbeiterInnenquatiere und neuen Immigrationsghettos liegen oft nur wenige Meter, aber soziale Welten. [räumlich-kulturelle Fragmentierung]

# Die Bedeutung des Raumes und damit des Städtischen oder des Lokalen wird dadurch nicht aufgelöst. Vielmehr handelt es sich um eine Wechselwirkung, die lokale Prozesse und Strategien an den globalen Wettbewerb rückbindet und globalen Verflechtungen die notwendige Flexibilität bietet. [>Glokalisierungseffekte[1]<]

# Tradierte und dauerhaft erscheinende Formen der sozialräumlichen Integration, wie sie unter dem Typus der europäischen Stadt phasenweise eigen waren, geraten dabei unter Druck. Neue stadtstrukturelle Räume und Milieus entstehen, die einerseits zwischen Entwurzelung und Exklusion, sowie andererseits zwischen Wiedereinbettung und innovativer, hochproduktiver Raumnutzung pendeln. [Raum- und Milieubildungseffekte]

# Städtische Räume werden zunehmend zu, nach vorherrschender Ästhetik gestalteten, Konsum- und Erlebnisräumen. Zahlreiche Schlagwörter und Programme - >Eventisierung<, >Festivalisierung<, >Standortfaktoren - politik<, >Wachstumskoalition<, >Creative Industries<, >Urban Political Economy< - skizzieren diesen Wandel und lassen ihn wirksam werden.

# Stadtentwicklung wird zum Resultat des Machtkampfs/Konflikts, um die Verwertung städtischer Räume zwischen tauschwert-orientierten InvestorInnen und gebrauchswert-orientierten StadtbewohnerInnen. Der Ausgang des Konflikts wird aber nicht von vornherein aufgrund der ungleichen Verteilung ökonomischen Kapitals determiniert, sondern ist auch durch die Fähigkeit der BewohnerInnen, ihre Plätze und Räume mit kulturellen Inhalten zu besetzen, mitbestimmt. Diese Merkzeichen kontrollieren die StadtbewohnerInnen, geben ihnen Orientierung und Identifikationsmöglichkeiten. Städtische Zeichen haben dabei die Funktion, die Räume sozial zu kategorisieren und die städtische Kultur liefert solche Zeichen.

# Die fundamentale Wechselwirkung zwischen der Produktion kultureller Symbole und der Produktion städtischer Räume spiegelt sich nicht nur in einer Ökonomisierung kultureller Symbole wider, sondern auch und insbesondere in einer kulturellen Symbolisierung ökonomisch wahrgenommener Produkte.

# Durch symbolische Raumaneignung wird öffentlicher Raum privatisiert. Privatisierung meint hier zunächst nicht die Übergabe von formalen Eigentumsrechten, sondern die Übergabe von Kontrollrechten, die Macht der Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten. Eine Imagegestaltung städtischer Räume durch symbolische Raumaneignung wird nicht mehr nur durch das Aufstellen oder Restaurieren hochkultureller Symbole vorgenommen. Eine große Pallete von Gebäuden, Parks und Straßenräumen, auch Einkaufzentren oder Bahnhöfen werden kulturell eingeräumt, also ästhetisch verkleidet und als Erlebnisprodukt konsumfähig umgestaltet, kommerzialisiert. Die Stadt wird zum parzellierten Aktionsraum zielgruppenspezifischer KonsumentInnen.

# Unmittelbare Folge der symbolischen Raumaneignung ist die Schaffung von symbolischen Schwellen, also die Separierung städtischer Räume. Mit der symbolischen Raumaneignung werden territoriale Zeichen installiert, durch die bestimmte Bevölkerungsgruppen sich angezogen und andere sich abgestoßen fühlen. Somit kommt es zur marktgerechten Separierung der NutzerInnengruppen städtischer Räume. Die städtischen Räume werden zielgruppengerecht als kommerzielle Freizeit- und Kulturflächen aufgearbeitet.

# Es besteht ein wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen der „Ökonomie der Symbole“, der „symbolischen Raumaneignung“ und der „Ausgrenzung von NutzerInnen“ städtischer Räume durch kulturelle Symbole. Mit der räumlichen Zugehörigkeit wird neue Urbanität inszeniert. Die „offene“ Stadt wird ersetzt durch die „geschlossene“ Stadt der Ausgrenzung von interessenskonträren Gruppen und der Einbindung ausgesuchter Zielgruppen auf bestimmte, durch die Unternehmen der >Ökonomie der Symbole< kommerzialisierter Räume.


B) Untersuchungsansatz

Ziel der Forschungsarbeit soll eine sozialraumorientierte Analyse dieser skizzierten stadträumlichen und -strukturellen Umbrüche am Beispiel des Wiener Museumsbezirkes (MQ) sein.

Die Vorgehensweise der Sozialraumanalyse baut auf dem Konzept von Pierre Bourdieu auf. Bourdieu zielt in seinen sozialraumorientierten Arbeiten vor allem auf ein gesellschaftliches Verständnis von sozialen Räumen ab: Es " ... deutet alles darauf hin, dass das Wesentliche, des vor Ort zu Erlebende und zu Sehende, d.h. die erstaunlichsten Einblicke und überraschendsten Erfahrungen, ihren Kern ganz woanders haben." (Bourdieu 1997: 159)
Die in konkreten abgrenzbaren Sozialräumen erkennbaren Sozialstrukturen, Lebensverhältnisse, Nutzungs- und Wahrnehmungsmuster konstituieren sich nicht im >Nahraum< selbst, sie sind vielmehr Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheits- und Machtverhältnisse, der Positionierung von Personen und Gruppen im gesellschaftlichen Raum.
Nach Martina Löw stellt Bourdieu "... zwei Räume gegenüber: den metaforisch gemeinten sozialen Raum und den sozial angeeigneten geografische Raum. Während also der Begriff des sozialen Raums nur als Bild verwendet wird, um soziale Prozesse zu verdeutlichen, folgen die Ausführungen zu dem angeeigneten physischen Raum der Logik eines starren Raums, in den sich soziale Prozesse einschreiben (Löw 2001, S182) Im physisch-geografisch lokalisierbaren Sozialraum bilden sich Bewegungs-, Nutzungs-, und Wahrnehmungsmuster ab, die im gesellschaftlichen Sozialraum konstituiert werden und zwar auf der Grundlage von Kapitalbesitz in seinen verschiedenen Varianten: ökonomisches, soziales, kulturelles Kapital. Gesellschaftliche Teilnahme - in positiven wie negativen Ausprägungen (Ausgrenzungen) - verdichten sich an Orten und sind in diese eingeschrieben; sie werden grundlegend, aber im gesellschaftlichen Sozialraum gebildet und sind auch nur dort beeinflussbar. "In einer hierarchisierten Gesellschaft gibt es keinen Raum, der nicht hierarchisiert wäre und nicht Hierarchien und soziale Abstände zum Ausdruck brächte." (Bourdieu 1997, S160)

Diese Orientierung auf die komplexen Beziehungen zwischen Gesellschaft, Raum und Sozialem, führt zu Fragen nach sozial unterschiedlichen Raumwirkungen und –nutzungen. Wenn räumliche Erfahrungen und räumliches Handeln sozialen Gesetzmäßigkeiten folgen, dann kommen in ihnen auch die sozialstrukturellen unterschiedlichen Wahrnehmungen und Aneignungsmuster zum Ausdruck.

Das komplexe Überschneidungsfeld von stadt-raum-strukturellen (objektiver Raum), kreativ/innovativmilieu-orientierten (subjektiver Raum/interaktiver Raum) und policy-governance-orientierten (Regulationsformen) Forschungsbereichen, soll durch die Doppelfrage nach den wechselseitigen Bezügen von Raum- und Gesellschaftsentwicklung, von Stadtstruktur- und Milieuentwicklung strukturiert werden.

Mittels einer differenzierten Sozialraumanalyse, - die soziale und räumliche Verhältnisse integriert beschreibt – sollen einerseits die komplexen Vermittlungsformen und Bezüge thematisiert, sowie die sozialwirksamen Raumstrukturen untersucht werden und daher die sich veränderten Stadt-Raum-Strukturen auf „neue Raumwirkungen“ hin befragt werden. Andererseits sollen raumwirksame Sozialstrukturen untersucht werden, die mit Milieuformationen verbunden sind und es soll von dort aus ein neuer „Raumbedarf“ erkundet werden.

Der sozialräumliche Untersuchungsansatz differenziert einen städtischen Teilraum nach innen, bei dem sich das Interesse auf die inneren Strukturen und Qualitäten eines in der Stadt ausgewählten Teilraumes richtet. Der Sozialraum soll damit tiefenscharf bishin zur Lebenswelt und Aktionsräumen der AkteurInnen/Milieus durchdrungen werden.

Die Untersuchung wird sich auf mehrere Ebenen (Mehrebenenanalyse) beziehen, indem die strukturelle Raumebene mit personalen Handlungsebenen und global-lokalen (Glokal) Kontexten verknüpft wird.

·  Strukturelle Raumebene: Mittels physischer Raumabgrenzungen und darauf aufbauender physischer Raumdefinitionen und –funktionen werden die sozialräumlichen Rahmenbedingungen rekonstruiert, die den alltäglichen Erfahrungsraum grundsätzlich strukturieren. (materielle Erscheinungsform)
·  Personale Handlungsebene: Die qualitative Betrachtung von Raumstrukturen eröffnet ein Verständnis vom räumlichen Verhalten der AkteurInnen/Milieus und ihren alltäglichen Nutzungsmuster im konkreten Aktionsraum. (Wahrnehmungsräume, sozialräumliche Nutzung, Interaktions- und Handlungsstrukturen). Alle raumbezogenen Verhaltensweisen der AkteurInnen sind eine wesentliche Grundlage der gesellschaftlichen Produktion des Raumes.
·  Institutionalisiertes und normatives Regulationssystem: Die Vermittlung zwischen dem materiellen Substrat des Raumes und der gesellschaftlichen Praxis seiner Produktion und Nutzung wird dadurch geleistet. Es besteht aus Eigentumsformen, Macht- und Kontrollbeziehungen, rechtlichen Regelungen, Planungsrichtlinien und Planungsfestlegungen, sozialen und ästhetischen Normen.
·  Räumliches Zeichen-, Symbol- und Repräsentationssystem: Die raumstrukturierenden Artefakte repräsentieren durch ihre funktionale oder ästhetische Gestaltung, sowie als Träger von gesellschaftlichen Kommunikationssymbolen die „sichtbare Oberfläche von Gesellschaft“. Über dieses räumliche Symbolsystem werden die gesellschaftlichen Verhältnisse vermittelt und kommuniziert, sodass das räumliche Verhalten der Menschen vorstrukturiert wird.


C) Forschungsleitende Dimensionen

# Materielle Dimension:
·  Das „materielle-physische Substrat gesellschaftlicher Räume“: d.h. die von Menschen geschaffene materielle Ausstattung;

# Politische Dimension: ein institutionalisiertes und normatives Regulationssystem, das durch Verrechtlichung regelt, wie und durch wen Raum hergestellt und genutzt wird
·  Die Produktion des Raumes: Wer stellte ihn her, finanziert den Bau, die Einrichtung etc.? Wessen und welche Gestaltungsvorstellungen werden wirksam?
·  Die eigentumsrechtliche Zuordnung: Wer hat Rechte an dem Raum, wer ist EigentümerIn, wer verfügt? Wer entscheidet damit letztlich auch über die (weiteren) Geschicke des Raumes?
·  Die Regulierung der Nutzung: Wer bestimmt de facto die Nutzbarkeit, zieht Grenzen, schafft/schließt Zugänge, selektiert NutzerInnen, kontrolliert, gewährleistet Sicherheit etc.?

# Soziale Dimension: die gesellschaftlichen Handlungs- und Interaktionsstrukturen, die Art und Weise wie Individuen und Gruppen den Raum herstellen und nutzen
·  Die Nutzbarkeit, der Sozialcharakter eines Raumes. Hier geht es um Nutzungshinweise und Gestaltungswirkungen und um das, was die MilieuakteurInnen daraus machen — wie sie die Nutzbarkeit des Raumes wahrnehmen und in eigenes Verhalten umsetzen. Milieuspezifische Raumaneigungen, –nutzungen, Raumdefizite, Ressourcen und Potenziale des Raumes.
·  Die Milieuformationen: Netzwerke/Cluster, Interaktion-Kommunikation, Raumaneigung, -bedarf. – erfordernisse, lokale Verortung, Institutionalisierung (Vereine, Gruppen, Initiativen) Lebensstile/Konsumption, Werte, Normen, milieuspezifische Vergesellschaftung,

# Symbolische Dimension: „Zeichen-, Symbol- und Repräsentationssystem, das Bilder, Bedeutungen, Handlungsanweisungen und auch Identität durch spezifische Gestaltung vermittelt.


D) Vorgehensweise:

In einem ersten Schritt wird das Forschungsfeld bis hin zu seiner lokalen Einbettung im Stadtgefüge erweitert und strukturiert. (Innen- und Aussenbetrachtung). Im Anschluss an die „Erweiterung und Strukturierung“ wird Forschungsfeld durch eine zunehmende Fokussierung auf selektive/ausgewählte Orte und Milieu-Aktionsräume vertieft.

Die Erweiterung des Forschungsfeldes erfolgt konkret über zwei Betrachtungsweisen:

·  Innenbetrachtungen
Konkrete Installation/Club/Lounge im q21
Q21 (Freiraum Transeuropaforum, electric avenue,….)
MQ
·  Außenbetrachtungen
MQ
Stadtteil + Kulturbezirk

Im Anschluss an die „Erweiterung und Strukturierung“ soll das Forschungsfeld durch eine zunehmende Fokussierung auf selektive/ausgewählte Orte und subjektive Milieu-Aktionsräume vertieft werden.

Ein Teil der Datenerhebung wird vor Beginn der >Installation< „the world of …“ erfolgen um bereits ein Kategoriensystem im Sinne der „Grounded Theory“ entwickeln zu können, welches konkret am Beginn der >Installation< in Form eines semantischen Netzwerkes graphische dargestellt wird. Im Laufe der >Installation< wird das Kategoriensystem sukzessive verfeinert/erweitert/vertieft, mit Datenmaterial „gefüllt“ und interpretiert.

Am Ende der Installationsdauer soll dieses umfassende Kategoriensystem präsentiert und diskutiert werden und so im Sinne des zirkulären Forschungsprozesses wieder an die empirische Realität herangetragen und entsprechend adaptiert werden.

Das Resultat dieses Forschungsvorhaben soll ein Sozialraumprofil sein, das detaillierte Auskunft über die Nutzung, Wahrnehmung und Bewertung dieses städtischen Teilraumes aus der Sicht der raumrelvanter Milieu-AkteurInnen geben soll.


E) Werkzeugkiste:

a) Streifzüge und Begehungen: Vor-Ort und Stadtteil-Erkundungen

Grundlegend für die Raumanalyse ist eine umfassende Begehung des Stadtteilraumes ­(Straßen, Plätze, Wege, usw.). Ziel ist es, die Qualität und die internen Abstufungen der physisch-baulichen Strukturen (z.B. Qualität der Gebäude und der lokalen Infrastrukturen, zentrale Lage, Randlage usw.), die physischen Raumbestimmungen und -funktionen zu ermitteln.

Eingesetztes Instrumente:
·  Foto-/Video-/Audiodokumentationen
·  Kartierung

Mit diesem Instrument gelingt es, ein genaues Bild vom physischen und baulichen Kontext des städtischen Teilgebietes zu gewinnen. Die physischen Raumabgrenzungen und Raumdefinitionen sind ein wesentliches Merkmal, um Wechselbeziehungen zwischen örtlichen Gegebenheiten und sozialen Verhaltenstrukturen zu erkennen.

b) Systematische Beobachtungen und Erhebungen im Nutzungsraum

Zur Abbildung von Nutzungsstrukturen eines Sozialraums eignen sich die Methoden der offenen und verdeckten teilnehmenden Beobachtung. Generell müssen Beobachtungen in Form einer systematischen Erfassungsstruktur angelegt werden. Dazu wird zwischen Verbal-, Nominal- und Strukturalsystem unterschieden. Unter Verbal- und Nominalsysteme werden Beobachtungen verstanden, die das Augenmerk auf gesprochene und geschriebene Sprache, sowie auf von Menschen geschaffene Symbole richten. (Street Reading und teilnehmende Beobachtungen bei Veranstaltungen). Strukturalsysteme lenken die Aufmerksamkeit der Beobachtung auf Verhaltenssequenzen und ihre Entstehungsstrukturen im öffentlichen Raum (Foto und Videodokumentation).

Um die Bedeutung der Beobachtungen erfassen zu können und um sie im sozialräumlichen Kontext verorten bzw. beziehen zu können sind ergänzende Methoden erforderlich:

1) Street Reading

Die konkreten Zeichen des Stadtraumes ersetzen die traditionelle Bedeutung der materiellen Struktur von Architektur und Städtebau. Die Menschen verschmelzen sozialräumlich mit den Zeichen, indem sie bspw durch die Präsentation von Warenzeichen, Firmen- und Designerlogos auf der Kleidung, selbst zu ZeichenträgerInnen (kommerzialisierter) Lebensstile werden. Aber die Texte des Stadtraumes dokumentieren nicht nur die Omnipräsenz der Medien- und Kommerzkultur, sondern symbolisieren in der Form von Protestplakaten oder Graffitis auch Widersprüche und Widerstände.

Die methodische Vorgehensweise: Zunächst werden „Straßentexte erfasst, dokumentiert  und als die Gesamtheit des im Raum befindlichen Lesematerials definiert. Notiert wird alles was verschriftlicht ist wie z.B. Graffiti, Sprayparolen, textliche Markierungen, (sub)kulturelle Zeichen, Beschriftungen, Aufkleber, individualisierte Strassenmedien (T-Shirts, Anstecknadeln, Buttons), lokal und überörtlich orientierte Werbemedien, Medien der Erinnerung (Statuen, Monumente,....), Zeichen der städtischen Logistik, Orientierungszeichen des städtischen Transitraumes, Autoaufschriften,…… Mit Hilfe von Fotos sollen die Straßentexte in seiner kontextuellen Einbettung  abgebildet werden.

Diese Methode zielt auf die Erfassung und Analyse verschiedener Symbolschichten des Raumes ab.

2) Teilnehmende Beobachtungen des Raumlebens

Teilnehmende Beobachtung ist eine Feldstrategie, die gleichzeitig Dokumentanalyse, Interviews mit InterviewpartnerInnen und Informanten, direkte Teilnahme und Beobachtung und Introspektion kombiniert. Hierbei ist das Eintauchen des Forschers in das untersuchende Feld, seine Beobachtungen aus der Perspektive des Teilnehmers, aber auch seine Teilnahme wesentliche Kennzeichen.

Der primäre Fokus der Beobachtung liegt auf der konkreten Installation „the world of ….“  im q21. Sie kann und soll aber im Sinne der Erweiterung des Forschungsfeldes auf andere Orte ausgedehnt werden.

Das Beobachtungsinstrumentarium soll induktiv aufgrund der tatsächlichen Beobachtungen entwickelt werden. Die Beobachtungen werden anschließend anhand theoretischer Begriffe verbunden und auf Grundlage dieser Leitbegriffe erfolgen weitere Beobachtungen.

Auf Basis des erstellten Beobachtungsplans/Auswahlplans für Beobachtungssituationen (Objekten, Zeitpunkt, Dauer, Zahl der Intervalle) werden Beobachtungen durchgeführt, in dem neben äußerlichen Personenmerkmalen, die jeweiligen Verhaltensweisen, Details zur Raumnutzung (Art und Intensität) aufgezeichnet werden.

Als erweiterte Methoden für die teilnehmende Beobachtung kommen die Fotodokumentation und die Befragung mit BesucherInnen (kurze „Flashinterviews“ und Fragebögen) zum Einsatz. Die Fotodokumentation kann zusätzlich durch Ausschnitte und Blickwinkel, Aufnahmen in entscheidenden Momenten, Mehrfachbelichtungen, längere Verschlusszeiten, fixe Kameras,... vertieft werden.
Der zentrale Vorteil der Fotodokumentation ist, eine sozialräumliche Situation "festzuhalten" und sie später auch unter anderen forschungsgeleitenden Blicken auszuwerten

3) Interviews mit SchlüsselakteurInnen und ExpertInnen (themenzentrierte Interviews)

Die qualitative Befragung von SchlüsselakteurInnen und ExpertInnen sind hilfreich, um räumliche Nutzungs- und Verhaltensmuster darzustellen und sie interpretativ in die lokalen (Be)Deutungsmuster einzubetten.
Bei den Interviews handelt es sich um relativ flexibel eingesetzte teilstandardisierte fokussierte Interviews, bei denen sich die ForscherInnen an einem Interview-Leitfaden orientieren, der jedoch viele Spielräume in den Frageformulierungen, Nachfragestrategien und in der Fragenabfolge ermöglicht. "Zu den Vorteilen fokussierter Interviews gehört [...] die Möglichkeit, eine sehr zurückhaltende, nicht-direktive Gesprächsführung mit dem Interesse an sehr spezifischen Informationen und der Möglichkeit zur gegenstandsbezogenen Explikation von Bedeutungen zu verbinden." (Hopf, Christel, Qualitative Interviews – ein Überblick, in: Flick, Uwe et al. (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1999, S. 355)

Bei den qualitativen Interviews findet zudem das Konzept der theoretischen Sättigung (Glaser/Strauss 1967) Anwendung, d. h. die pragmatische Anweisung, wonach die Datensammlung (und –auswertung) abgeschlossen ist, wenn keine neuen Aspekte mehr zur Theorie (im Hinblick auf die zentralen Fragestellungen) hinzukommen.


F) Interpretation und Analyse: Grounded theory

Die Methoden der Erhebung und Interpretation der Daten stammen aus der >Werkzeugkiste< der qualitativen Sozialforschung. Als Interpretations- und Analyseverfahren wird auf das Konzept der „Grounded Theory“ (Strauss/Glasser 1967) zurückgegriffen, in welcher Datensammlung, -analyse und Theoriebildung ineinander verschränkt sind. Das erhobene Datenmaterial (Texte, Interviews, Bilder, Audio- und Videosequenzen etc.) wird in einem zirkulären Forschungsprozess codiert, abstrahiert und zusammengefasst, sowie in Beziehung zueinander gesetzt, wodurch eine Kategorisierung der Daten (Kategoriensystem) erfolgt. Durch die Herausarbeitung von Regelmäßigkeiten und Mustern werden in einem nächsten Arbeitsschritt Theorieansätze entwickelt, die als Hypothesen in einem Rückkoppelungsschritt wieder an die empirische Realität herangetragen und entsprechend adaptiert werden.

David Lechner ist Mitarbeiter der Gesellschaft für Kulturpolitik Oberösterreich und arbeitet am Linzer Institut für qualitative Analysen (LIquA)

[1] Globalisierung ist keineswegs ein Prozess der Homogenisierung der ganzen Welt, sondern durch den deutlichen Bezug zum Regionalen und Lokalen und vor allem eine Prozess der Heterogenisierung und Fragmentierung. Altvater/Mahnkopf (1996) definieren die gewisse Widersprüchlichkeit von globalem Wettbewerb einerseits und lokaler Wettbewerbsfähigkeit andererseits als „eine Beziehung der Artikulation von globalen und lokalen Verhältnissen“. Dabei meint der Begriff „Artikulation“, dass ganz verschiedene bzw. konträre Tendenzen wirksam werden. Der Begriff, der sich hierfür eingebürgert hat ist die „Glokalisierung“

Dokumentation

in Arbeit

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