Programm / Tracing Artistic Presence
Where Boundaries Blur
Mira Gáberová, Marei Loellmann und Mario Mu
Die Arbeiten der MQ Artists-in-Residence Mira Gáberová, Marei Loellmann und Mario Mu setzen sich mit intimen Begegnungen, verkörperter Erinnerung und den vielschichtigen Strukturen ihrer Umgebung auseinander. Übergangsräume fungieren in ihrer künstlerischen Praxis als Situationen, in denen Grenzen durchlässig werden und geteilte Erfahrungen möglich sind.
Mira Gáberová (geboren 1979 in Lučenec, Slowakei) lebt und arbeitet in Prag. In ihrer künstlerischen Praxis untersucht Mira Gáberová das Verhältnis von verkörperter Erfahrung und den Übergangszonen zwischen privatem und öffentlichem Raum. Der Theatervorhang fungiert dabei als zentrales Motiv wie auch als prägnante Metapher für diese Schwellenzustände. In einer über mehrere Jahre entwickelten Serie von Video-Performances tritt er immer wieder in Erscheinung. In diesem konzeptionellen Rahmen wird der Vorhang sowohl zur visuellen als auch zur physischen Grenze. An dieser Schwelle setzt sich die Künstlerin mit ihrer Körperlichkeit, deren Intimität und deren öffentlicher Wahrnehmung auseinander.
Mario Mu (geboren 1987 in Kroatien) lebt und arbeitet in Berlin. Mario Mus künstlerische Praxis basiert auf virtuellen Umgebungen und deren Morphologien. Er versteht Raum als Plattform, die von soziopolitischen Kräften geprägt wird, die unsere Erfahrung von Verkörperung, Nähe und Zugehörigkeit beeinflussen. Diese Umgebungen fungieren sowohl als Ausgangspunkt als auch als Medium für seine Videos, Installationen, Drucke und kollaborativen Projekte. In früheren Arbeiten bezog Mu neben digitalen Medien auch sozial definierte Situationen und Umgebungen ein und griff dabei auf Strategien aus dem Theater und aus Live-Rollenspielen (LARPs) zurück. In jüngeren Arbeiten konzentriert er sich zunehmend darauf, wie Bilder die Grenzen zwischen Immersion und Distanz konstruieren und auflösen können. Mu eröffnet so Möglichkeiten, neue Formen von Gemeinschaft, Intimität und kollektiver Zugehörigkeit zu imaginieren und zu erproben.
Marei Loellmann lebt und arbeitet in Berlin. Im Zentrum der künstlerischen Praxis von Marei Loellmann steht die Auseinandersetzung mit Material, Körper, Zeit und gesellschaftlichen Produktionsbedingungen. Ihre Arbeiten entstehen oftmals direkt vor Ort und basieren auf natürlichen Materialien wie Erde, Flusssedimenten und Asche, die sie spezifisch geprägten Landschaften entnimmt. Das in der Ausstellung gezeigte Werk untersucht Vulkanasche als ein Material des Übergangs: Aus Prozessen radikaler Transformation und Zerstörung hervorgegangen, verweist es zugleich auf das, was war, ist und erst noch entstehen wird. Die großformatige Textilarbeit besteht aus Spanngurten, die mit grün leuchtenden Nummerncodes bestickt und aus Garn umwickelten schwarzen Strängen zu einer Landschaft verwoben sind. Darüber liegt ein mit Asche bearbeitetes Baumwolltextil. Die Asche stammt vom Tajogaite-Vulkan auf La Palma, der bei seinem Ausbruch 2021 ganze Gebäude, Straßen und Agrarflächen unter sich begrub; zugleich schuf die Eruption die Grundlage für neues Leben. Loellmann stellt diesem zyklischen Verständnis von Natur die durch Nummerncodes repräsentierte industrialisierte und kapitalisierte Welt gegenüber. Durch die textile Struktur stellt sie einen Bezug zum menschlichen Körper her, der sowohl biologisch als auch kulturell in diese Prozesse verstrickt ist.
Kuratiert von Viktor Čech und Elisabeth Hajek
In Kooperation mit tranzit.org/ERSTE Stiftung
MQ Pop Up Schauraum
MQ Schauräume