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Time To Listen

MQ Artist-in-Residence Helena Wikström

Makroaufnahme einer spiralförmigen, rosenähnlichen Struktur mit textilen oder organischen Oberflächen, in sepiafarbenem Ton.
© MuseumsQuartier Wien, Foto: Helena Wikström

bis 03.06.2026

Tonspurpassage  /  MQ Passagen

2 Papiermachéskulpturen (40 x 20 cm),
Zweige, mit Blattgold-Imitation bemalt (verschiedene Größen),
animierter Videoloop, handgezeichnet (2023, 5 sec., ohne Ton)

In seiner Autobiographie Ich bekenne, ich habe gelebt schreibt Pablo Neruda: „Das Beste, was ich in meinem Leben gesammelt habe, waren meine Muscheln. Ihre wunderbare Gestalt hat mich höchst bezaubert: die mondweiße Reinheit eines seltenen Porzellans verbunden mit der großen Vielfalt an Formen, angepasst, bizarr, funktional.“ Dazu sollte man festhalten, dass auch Sigmund Freud gerne Muscheln sammelte, und das Carl G. Jung in einem seiner Vorträge sagte, dass alle unsere Liebesobjekte „unser Ich aus seiner bequemen Schale zu ziehen pflegen“.
Viele von uns haben als Kinder gelernt, dass man das Meer rauschen hört, wenn man eine Muschel gegen das Ohr drückt. Genau dort, zwischen zwei Muscheln, der Ohr- und der Meeresmuschel passiert also was. Eine Verdichtung – ein Aufeinandertreffen – eine Erwartung erwacht. Die Fähigkeit, die Erinnerung an einen Klang – eine Welle – in sich zu tragen. In Wahrheit ist das, was man in der Muschel hört, ein Außengeräusch, das in der Muschelwölbung nachhallt.
Das menschliche Innenohr ist anatomisch wegen der Ähnlichkeit nach dem griechischen Wort für Schnecke Cochlea benannt. Die Cochlea selbst ist erbsengroß, mit Wasser gefüllt und fungiert als Schallwandler. Ihre Hauptfunktion besteht darin, mechanische Bewegungen (Schwingungen) in elektrische Nervensignale umzuwandeln, die das Gehirn dann interpretiert. Wir sind es, die die Muschel mit Klang füllen – lausche genau, dann wirst du es hören!

Helena Wikström, geboren 1964, lebt und arbeitet in Umeå im Norden Schwedens. Sie arbeitet hauptsächlich mit Installationen, die Film, Fotografie, Klang und Skulptur miteinander verbinden, oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen, Musiker:innen sowie Filmemacher:innen. Im April 2026 nimmt sie am Artists-in-Residence Programm des MQ Teil.

Tonspurpassage

MQ Passagen

Grauer 3D-Arealsplan des Museumsquartier Wien mit rot markiertem Bereich an der Stelle der Tonspurpassage.
© MuseumsQuartier Wien