Freigang
Aldo Giannotti
Der Titel Freigang bezieht sich nicht nur auf die Bewegungsfreiheit, die der Korridor erstmals für die MQ Art Box eröffnet. Er spielt auch mit dem Namen des dahinterliegenden Ausstellungsraums und wirft so die Frage auf: Wenn ein Ort als „freier Raum“ bezeichnet wird, wie frei ist er dann wirklich?
Mit Freigang schafft Aldo Giannotti mit scheinbar minimalen Mitteln eine große Wirkung: Erstmals ermöglicht ein Korridor, dass Besucher:innen durch die MQ Art Box hindurchgehen können. Die Installation setzt damit statt auf Betrachtung auf aktive Handlung und Partizipation – das Durchschreiten des Korridors wird zum künstlerischen Werk selbst. Diese temporäre Neukonfiguration der MQ Art Box entspricht der generellen künstlerischen Praxis Giannottis. Seit vielen Jahren erforscht er mit Zeichnungen und performativen Installationen, wie Regeln und Konventionen unser Verhalten in öffentlichen Räumen und Institutionen prägen. Statt sie direkt infrage zu stellen, verschiebt er sie leicht. Mit diesen subtilen und oft humorvollen Eingriffen hinterfragt der Künstler Vorstellungen darüber, wie Räume genutzt werden, wer Zugang zu ihnen hat und wer lediglich beobachten soll.
Auf den Innenwänden des Korridors finden sich Giannottis Zeichnungen zu Themen wie Zugänglichkeit, Teilhabe, Freiheit und institutionellen Konventionen – nicht als Illustrationen, sondern als alternative Vorschläge, als erweiterte Erfahrung während des Durchschreitens.
Der Weg führt die Besucher:innen durch den Freigang-Korridor in Richtung des MQ Freiraum. In der dort präsentierten aktuellen Ausstellung „Vision und Widerstand. Wie das MuseumsQuartier Wien veränderte“ finden sich weitere pointierte Zeichnungen Giannottis in Form von Handlungsanweisungen.
Kuratorin: Astrid Peterle
Ausstellungsmanagement: Andreas Kurz
Aldo Giannotti, geboren 1977 in Genua, ist bildender Künstler und lebt und arbeitet seit 2000 in Wien. Die Zeichnung steht im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens und dient ihm als Medium, um sozioarchitektonische, soziopolitische und soziokulturelle Themen zu erforschen und zu vermitteln. Aldo Giannotti studierte an der Accademia di Belle Arti in Carrara, am Wimbledon College of Arts in London und an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Institutionen ausgestellt und realisiert, darunter Albertina Wien, Kunsthalle Wien, Bank Austria Kunstforum Wien, Kunsthaus Graz, Museum der Moderne Salzburg, Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb und MAMbo Museo d’Arte Moderna di Bologna.