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SPINSTERHOOD

Eva Seiler

Außenansicht der MQ Art Box im MuseumsQuartier Wien mit Blick auf die Installation im Inneren und umgebende Grünflächen im Vordergrund.
© MuseumsQuartier, Foto: Klaus Pichler

bis 17.06.2026

Mit ihrer Installation SPINSTERHOOD untersucht Eva Seiler die Verflechtung von Maulbeerbaum, Seidenraupe, Spinnerin und Maschine als Netzwerk wechselseitiger Abhängigkeiten. In dieses Gefüge bringen menschliche wie nicht-menschliche Körper ihre jeweiligen Fähigkeiten ein. Gleichzeitig werden sie selbst durch die industriellen Produktionsprozesse geprägt. Seiler thematisiert so den Produktionszwang der Industrialisierung und stellt eine Parallele zu unserer heutigen Gesellschaft her, in der Produktivität und Optimierung zentrale Interessen sind. Letztere zeigen sich auch in der Geschichte der Seidenraupenproduktion: Selektive Züchtung veränderte gezielt die Körperform der Seidenraupe; parallel dazu prägten Maschinen und lange Arbeitszeiten den menschlichen Körper.

SPINSTERHOOD zitiert architektonisch anmutende Elemente und räumliche Setzungen, die an Dachböden, Webstühle oder Laboratorien erinnern. Diese verweisen auf Produktionsorte, an denen biologische, menschliche und maschinelle Körper zusammenwirken. So wird die Seidenraupe hier zum Sinnbild von Arbeitsbedingungen, Kontrolle und Transformation. Entgegen der verbreiteten Annahme, die Seidenraupenzucht sei ausschließlich im asiatischen Raum verbreitet, deutet SPINSTERHOOD zudem auf einen lokalen Kontext: Wien war über Jahrhunderte ein Ort der Seidenproduktion, Maulbeerbäume prägten das Stadtbild. Das Gebiet des heutigen siebten Wiener Gemeindebezirks, in dem sich das MuseumsQuartier befindet, galt im 18. Jahrhundert als Zentrum der Wiener Seidenfabrikation. Straßennamen wie Seidengasse erinnern noch heute an diese nahezu vergessene Vergangenheit.

Über seinen Titel verweist SPINSTERHOOD darauf, dass die Seidenproduktion häufig von unverheirateten Frauen (engl. spinsters) geleistet wurde. Im Titel findet sich aber auch das Wort sisterhood, ein Begriff, der eng mit Solidarität und Selbstermächtigung verbunden ist. Ähnlich wie die Seidenraupe mit ihrer wandlungsfähigen Gestalt den menschlichen Körpernormen nicht entspricht, entzog sich die „Spinster“, freiwillig oder unfreiwillig, den gesellschaftlichen Konventionen von Ehe und Reproduktion. Seiler entwirft mit SPINSTERHOOD eine Erzählung, in der Transformation als widerständige Praxis verstanden werden kann.

In Kooperation mit der Klima Biennale Wien

Detailansicht einer filigranen Skulptur mit Bambuselementen, Federn und Draht, ausgestellt hinter Glas im MQ Art Box
© MuseumsQuartier, Foto: Klaus Pichler
Schrägansicht der MQ Art Box mit sichtbarer Ausstellung im Inneren, bestehend aus Holzstrukturen und hängenden Elementen.
© MuseumsQuartier, Foto: Klaus Pichler
Innenansicht der Ausstellung mit langen Holzbalken, perforierten Metallflächen und einer skulpturalen Konstruktion in einem gläsernen Pavillon.
© MuseumsQuartier, Foto: Klaus Pichler
Detailaufnahme einer wellenförmig gespannten, perforierten Metallfläche, die zwischen dunklen Metallstützen befestigt ist.
© MuseumsQuartier, Foto: Klaus Pichler
Detailansicht eines Bildes mit einem Insektenmotiv, präsentiert auf einer flachen Oberfläche innerhalb der Installation.
© MuseumsQuartier, Foto: Klaus Pichler

MQ Art Box

Grauer 3D-Arealsplan des Museumsquartier Wien mit rot markiertem Bereich an der Stelle der MQ Art Box
© MuseumsQuartier Wien