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Ramesch Daha

WIEN 1933 – 1935

Die Kunsthalle Wien Vitrine ist von der Künstlerin Ramesch Daha gestaltet und zeigt Zeitungsartikel und Tagebucheinträge der Februarkämpfe in Wien 1934.
Ausstellungsansicht Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna, Ramesch Daha, WIEN 1933 – 1935, 2026, Kunsthalle Wien Vitrine 2026, Courtesy der Künstlerin, © Kunsthalle Wien, Foto: Markus Wörgötter

bis 25.04.2027

Für die Vitrine der Kunsthalle Wien im MuseumsQuartier wird jährlich ein öffentliches Kunstwerk in Auftrag gegeben, das jederzeit, bei Tag und bei Nacht, besichtigt werden kann. „WIEN 1933 – 1935“ (2026) ist eine neue Arbeit von Ramesch Daha (geb. 1971, Teheran, Iran), die diesen Raum in einen 62 Meter langen Leuchtkasten verwandelt.

Hinter Vitrinenkästen befinden sich blaue Plakate mit weißer Schrift, die alte Zeitungsartikel zeigen.
Ausstellungsansicht Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna: Ramesch Daha, WIEN 1933 – 1935, 2026, Kunsthalle Wien Vitrine 2026, Courtesy der Künstlerin, © Kunsthalle Wien, Foto: Markus Wörgötter

In einer Serie von 45 Zeichnungen setzt Daha sich mit der Geschichte der Wiener Februarkämpfe auseinander. Die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Fraktionen des Republikanischen Schutzbundes, dem verbotenen paramilitärischen Arm der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs, und der autoritären rechtsgerichteten Regierung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuss stellten einen entscheidenden Moment in der politischen Geschichte Österreichs dar und schwächten den Widerstand gegen den anschließenden Aufstieg des Nationalsozialismus.

Daha untersucht in ihrer Praxis marginalisierte und übersehene Geschichtsnarrative, wobei sie sich häufig auf Archivmaterial wie Karten, offizielle Dokumente und persönliche Zeug:innenaussagen beruft. In dieser Arbeit verwendet sie Tagebucheinträge von Fritz Habeck, einem 17 Jahre alten Bewohner des Karl-Marx-Hofs – einem der Zentren der Februarkämpfe – und dem zukünftigen Kanzler Bruno Kreisky sowie Zeitungsartikel, Karten und offizielle Aufzeichnungen aus den Jahren 1933 bis 1935. Daha hat jedes Dokument von Hand auf Papier nachgezeichnet – eine physische Geste, mit der sie der Geschichte begegnet und sich bewusst mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Die Zeichnungen wurden dann eingescannt, koloriert und auf Transparentfolie übertragen, um die Bilder für den Leuchtkasten zu erstellen.

Vitrine der Kunsthalle Wien bei Nacht mit Leuchtkästen gestaltet von Ramesch Daha.
Ausstellungsansicht Lebt und arbeitet in Wien: Contemporary Art from Vienna, Ramesch Daha, WIEN 1933 – 1935, 2026, Kunsthalle Wien Vitrine 2026, Courtesy der Künstlerin, © Kunsthalle Wien, Foto: Markus Wörgötter

Die Arbeit fordert konventionelle Geschichtsnarrative heraus, indem sie das hervorhebt, was üblicherweise ausgeklammert oder vergessen wird, und die menschliche Geschichte hinter den abstrakten Daten in den Vordergrund rückt. Durch diesen Ansatz werden Ereignisse sowohl als historische Tatsachen als auch als gelebte Erfahrung sichtbar gemacht, womit Daha ihre Auseinandersetzung mit Erinnerung, Dokumentation und der Übersetzung von Archivmaterial in zeitgenössische Kunst fortsetzt.

Das Werk war Teil der Gruppenausstellung „Lebt und arbeitet in Wien“. Es wird über den Ausstellungszeitraum hinaus präsentiert und kann kostenlos besichtigt werden. Die Kunsthalle Wien Vitrine befindet sich an der Südwestwand des Kunsthalle-Gebäudes im MuseumsQuartier.

Kunsthalle Wien

Grauer 3D-Arealsplan des Museumsquartier Wien mit rot markiertem Bereich an der Stelle der Kunsthalle Wien
© MuseumsQuartier Wien