Tatjana Bijelić
Key Facts
Tatjana Bijelić ist Schriftstellerin, Herausgeberin, Übersetzerin und Professorin am Institut für Englische Sprache und Literatur der Universität Banja Luka, Bosnien und Herzegowina, wo sie anglophone Literaturen lehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf moderner und zeitgenössischer Literatur, Migrations- und transnationalem Schreiben, postjugoslawischer Literatur, Frauenliteratur, kreativem Schreiben und Ökokritik.
Sie erwarb 2001 als Chevening-Stipendiatin einen MA in Modern and Contemporary Poetry and Culture in English an der Oxford Brookes University und promovierte 2007 in anglo-amerikanischer Literatur an der Universität Banja Luka. Sie erhielt renommierte internationale Forschungsstipendien, darunter ein Fulbright Visiting Scholarship an der Columbia University (2014/15) sowie ein Weiser Fellowship an der University of Michigan (2019), wo sie zu diasporischen Narrativen und zeitgenössischer Lyrik forschte. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher wissenschaftlicher Artikel und Publikationen.
Zu Bijelićs literarischen Werken zählen drei preisgekrönte Gedichtbände: Rub bez ruba (2006), Dva puta iz Oksforda (2009) und Karta više za pikarski trans (2015), letzterer ausgezeichnet mit dem Fra Grgo Martić Award sowie dem Risto Ratković Award für den besten Gedichtband der Jahre 2015 bzw. 2016. Ihre Gedichte wurden ins Englische, Deutsche, Ungarische, Slowenische, Mazedonische und Dänische übersetzt und in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Ihr Roman Dlake na jeziku (2024) sowie der Versroman Rihtanje rebra (2025) standen auf den Shortlists bedeutender regionaler Literaturpreise.
Projektinfo
Während ihres Aufenthalts im MQ Wien wird Tatjana Bijelić an einem Roman arbeiten, der erzählerisches Schreiben mit kritischer Reflexion verbindet. Das Projekt untersucht Verdrängung sowohl als materielle als auch als psychologische Bedingung und zeichnet nach, wie transgenerationelles matrilineares Erbe Identitäten über Grenzen hinweg und in sich wandelnden geografischen Räumen formt. Im Zentrum der Erzählung stehen Frauen, deren Leben von turbulenten sozio-politischen Umständen und Prozessen persönlicher Neuerfindung geprägt ist.
Der Text untersucht die fortdauernde Präsenz weiblicher Vorfahrinnen als geisterhafte und zugleich prägende Kräfte, deren ungelöste Geschichten die gegenwärtige Erfahrung durchdringen. Das Erzählen selbst wird zu einer Methode der Verwandlung, die über die Prosa hinaus in einen Dialog mit anderen künstlerischen Medien tritt. Besonderes Augenmerk gilt den symbolischen und affektiven Dimensionen von Kleidung und untersucht, wie Kleidungsstücke, Kostüme und Akte der Verkleidung Identität vermitteln und kulturelle Erinnerung tragen.
Durch die Verflechtung von Fiktion und theoretischer Reflexion versucht das Projekt, eine Poetik des Reisens und des Erbes zu formulieren, in der Erzählung zu einem Ort der Aushandlung von Kontinuität und Wandel wird.