WOMEN AGAINST WAR
16 Geschichten von Frauen aus Russland erzählen von Mut, Widerstand und Repression. Sie berichten von Frauen, die sich gegen Krieg und staatliche Gewalt stellen und dafür politische Verfolgung, Haft und Unterdrückung in Kauf nehmen mussten und müssen.
Seit dem groß angelegten Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 leisten tausende Frauen in Russland Widerstand gegen den Krieg und das autoritäre Regime von Wladimir Putin. In Städten und ländlichen Regionen, in Dörfern ebenso wie in Metropolen, engagieren sich Frauen unterschiedlichster Generationen, von Schülerinnen bis zu Seniorinnen, gegen Krieg, Gewalt und Repression.
Sie beteiligen sich an Straßenprotesten, organisieren subversive Aktionen zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen, verteilen Antikriegsflugblätter und selbstgedruckte Partisan:innenzeitungen, verweigern die Mobilmachung oder unterstützen ukrainische Geflüchtete und Vertriebene aus den besetzten Gebieten. Dieses Engagement bringt sie in akute Gefahr.
Der russische Staat reagiert mit massiver Repression. Hausdurchsuchungen, konstruierte Strafverfahren, Verhaftungen, körperliche Gewalt und Folter sind Teil einer systematischen Einschüchterung. Seit Beginn des Krieges ist die Zahl der aus politischen Gründen inhaftierten Frauen drastisch gestiegen.
Im Jahr 2024 erreichte der Anteil von Frauen unter den politischen Gefangenen mit 27 Prozent den höchsten Stand der letzten 14 Jahre. Seit Februar 2022 wurden mehr als 20.000 Menschen wegen Antikriegsäußerungen oder Antikriegsaktivismus inhaftiert. Laut der Menschenrechtsorganisation Memorial befinden sich derzeit mehr als 4.000 Menschen aus politischen Gründen in Haft oder Untersuchungshaft. Diese Zahl gilt als konservative Schätzung, die tatsächliche Anzahl dürfte deutlich höher liegen. Mehr als 70 Frauen sind offiziell als politische Gefangene anerkannt. Menschenrechtsexpert:innen gehen jedoch davon aus, dass mehrere hundert Frauen betroffen sind, möglicherweise bis zu 1.000.
Die hier versammelten 16 Geschichten machen diese Realität sichtbar. Sie geben jenen Frauen eine Stimme, die trotz massiver Repression für Frieden, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung eintreten.
Dies ist die zweite Ausgabe der Ausstellung „Women Against War“ (Frauen gegen den Krieg). Die erste Ausstellung fand 2023 in Paris im öffentlichen Raum statt. Die Porträts wurden von feministischen Künstler:innen aus Russland und Belarus geschaffen. Viele dieser Künstler:innen sind aufgrund ihrer Antikriegshaltung oder ihres Aktivismus ebenfalls politischer Unterdrückung ausgesetzt. Einige von ihnen müssen anonym bleiben, da die Teilnahme an einer solchen Ausstellung ein ernsthaftes Risiko für ihre Sicherheit darstellt.
Kuratiert von Feminist Anti-War Resistance. Realisiert mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS).
Disclaimer: Die Texte spiegeln ausschließlich die Meinungen der am Projekt beteiligten Künstler:innen und Kurator:innen wider.
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