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Warum lachst du nicht? 14 Geschichten über häusliche Gewalt

Robert Fleischanderl

Fünf auf Betonständern stehende, vertikale Plakate mit Fotos und Texten auf einem gepflasterten Platz vor historischen Gebäuden.
© Robert Fleischanderl

23.10. - 10.12.2024

MQ Vorplatz

Der österreichische Künstler Robert Fleischanderl realisiert auf dem MQ Vorplatz und entlang des Burgrings ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum.

In „Warum lachst du nicht? 14 Geschichten über häusliche Gewalt“ setzt sich Fleischanderl eindringlich mit dieser sensiblen und brandaktuellen Thematik auseinander. Anhand von realen Betroffenenschicksalen werden verschiedene Aspekte häuslicher Gewalt aufgezeigt. Dabei werden fotografische Arbeiten gemeinsam mit Textelementen präsentiert.

Das Projekt wurde von Michaela Egger, damalige Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrum Niederösterreich, initiiert und in Kooperation mit dem Bundesverband der Gewaltschutzzentren Österreichs und dem MQ realisiert. Die Ausstellung wird anlässlich der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ gezeigt.

Jede dritte Frau* in Österreich hat laut Statistik Austria bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erleben müssen. 26 Femizide und 41 Mordversuche gab es 2023 in Österreich. 15.115 Betretungs- und Annäherungsverbote wurden verhängt. – Statistik Austria, Pressemitteilung, 12 943-241/22

Für „Warum lachst du nicht?“ erlaubten 14 Klientinnen Robert Fleischanderl Einblick in die Akten ihrer Gewalterfahrungen und Zutritt zu ihren Wohnungen. Für Fleischanderl stellten sich zwangsläufig einige elementare Fragen: Wie kann Kunst über Gewalt erzählen? Wie können die Würde, der Schutz und die Anonymität der Betroffenen gewahrt bleiben? Was kann Fotografie darstellen? Was kann eine Leerstelle alles erzählen? Wie kann ein Kunstprojekt eine soziale Agenda verfolgen? Wie politisch und aktivistisch muss Kunst sein?

Zwei große Plakate lehnen an einem verzierten Metallzaun vor einem historischen Gebäude, eines mit Text und eines mit einem Foto von weißen Wänden und einem Fensterrahmen.
© Robert Fleischanderl

Foto-Text-Paare erzählen dokumentarisch die unterschiedlichen Aspekte häuslicher Gewalt an Frauen und Kindern. Die Wohnungen, in denen die Gewaltverbrechen geschahen, stehen hierbei im Mittelpunkt der Fotografien. Sie sind oft Tatorte, doch als solche - bis auf eine Ausnahme - nicht mehr zu erkennen, da alle Spuren der Verbrechen beseitigt wurden. Beinahe unspektakulär und gewöhnlich erscheinen die Fotos daher auf den ersten Blick. Die Texte, die jedem Foto begleitend gegenüberstehen und in denen Fleischanderl die Betroffenen selbst zu Wort kommen lässt, laden die Bilder jedoch stark auf, machen die Dynamik der Gewaltbeziehungen im Sprachbild auf beklemmende Weise sichtbar. Neben Zitaten der Opfer aus den Akten der Gerichtsverfahren werden auch medizinische Befunde sowie Polizeiprotokolle gezeigt, stets unter Wahrung der Anonymität der Betroffenen. Ergänzt werden die Gewaltgeschichten um Glossartexte zu Begriffen struktureller Gewalt. Dieses Fotokunstprojekt soll die Geschichten aller Betroffenen würdigen, ihre Stimmen hör- und sichtbar machen. Es soll mehr Bewusstsein für das gesellschaftlich hochbrisante Thema häusliche Gewalt schaffen und durch den künstlerischen Zugang eine niederschwellige und differenzierte Auseinandersetzung ermöglichen. Besonderer Dank gilt den Klientinnen des Gewaltschutzzentrums, die sich bereiterklärt haben, bei diesem Projekt mitzumachen.

Installation auf dem MQ Vorplatz, am Heldenplatz und am Burgring.

Mehrere aufrecht stehende Informationstafeln mit Bildern und Texten auf einem gepflasterten Platz zwischen zwei Steinbänken und historischen Gebäuden im Hintergrund.
© Robert Fleischanderl
Mehrere große Plakate stehen in einer Reihe an einem Gehweg vor einem hohen schmiedeeisernen Zaun mit Laternen, im Hintergrund Bäume mit herbstlichem Laub.
© Robert Fleischanderl
Zwei Personen gehen an einer Straße an einer Reihe von großen weißen Tafeln vorbei, die an einem Zaun lehnen, umgeben von Bäumen mit herbstlichem Laub.
© Robert Fleischanderl
Mehrere große Tafeln mit Bildern und Texten lehnen an einem schmiedeeisernen Zaun entlang eines Bürgersteigs, eine Person steht am rechten Bildrand.
© Robert Fleischanderl
Mehrere auf dem Boden stehende große Plakate entlang eines schmiedeeisernen Zauns, zwei Personen betrachten die Ausstellung.
© Robert Fleischanderl
Mehrere aufgestellte Informationstafeln mit Text und Bildern stehen auf einem gepflasterten Platz vor einem historischen Gebäude mit großen Fenstern.
© Robert Fleischanderl

Robert Fleischanderl wurde 1967 in Tirol geboren. Die Projekte des Künstlers und Fotografen bewegen sich oft an der Schnittstelle zwischen Kunst und gesellschaftspolitischen Themen wie kulturelle Identität, Altern, Holocaust und Erbkrankheit. Seine Arbeiten wurden international publiziert und erhielten einige Auszeichnungen, etwa das Österreichische Staatsstipendium für Künstlerische Fotografie.

MQ Vorplatz

Grayscale architectural site map of the MuseumsQuartier Wien. The map includes various labeled structures and surrounding roads.
© MuseumsQuartier Wien