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Daniel Hill

Nackter Mann steht in einer verlassenen, mit Graffiti bedeckten Baustelle und bedeckt seine Genitalien mit den Händen
© Daniel Hill

01. - 30.06.2023

MQ Vorplatz

Das MuseumsQuartier ist stolz darauf, im Rahmen des internationalen Pride Months, der jedes Jahr im Juni stattfindet, zwei Arbeiten des in Wien lebenden US-amerikanischen Künstlers Daniel Hill prominent am Vorplatz des MQ zu präsentieren.

„Pride“, das englische Wort für Stolz, steht für die Selbstachtung und das Selbstbewusstsein der queeren Community und hebt hervor, dass alle Menschen auf sich stolz sein können, ganz gleich, welche Genderidentität und sexuelle Orientierung sie leben.

Person sitzt mit verschränkten Händen in einem braunen Sessel neben einem Tisch mit einer Vase und gelben Blumen vor weißer Wand mit kleinem Bild
Danielle Pamp with Self Portrait © Daniel Hill, Bildrecht Wien, 2023
Mann in schwarzem Kleid sitzt mit verschränkten Beinen auf einem Stuhl und hält eine Zigarette in der rechten Hand neben einem kleinen weißen Tisch mit einer Vase mit gelben Blumen und einem Glas.
Denice Bourbon with Cigarette © Daniel Hill, Bildrecht Wien, 2023
Person in schwarzer Lederkleidung sitzt auf einem mit rotem Stoff bedeckten Stuhl und hält eine Motorsäge mit gelben Blumen darin
Denice Palmieri with Chainsaw © Daniel Hill, Bildrecht Wien, 2023
Person in weißer Kleidung und Kopftuch sitzt mit einem Becher in der Hand vor einem rot bedeckten Tisch mit einer kleinen Vase und Karten
Pêdra Costa with Water Cup © Daniel Hill, Bildrecht Wien, 2023

Queer as a Daffodil, seit 2021

Daniel Hill hat vier queere Protagonist:innen der Kunst- und Kulturszene vor die Kamera gebeten, um mit ihnen Fragen von Identität und Politik, von Geschlecht und Sexualität in der zeitgenössischen queeren Kunst nachzugehen. Entstanden sind feinsinnig komponierte, klassisch anmutende Porträts, die die Dargestellten jeweils mit einer Narzisse zeigen. Die Inszenierung erarbeitet Hill gemeinsam mit seinen Modellen mit dem Ziel, ihren individuellen Charakter und Facetten ihres Queerseins in Gestik, Mimik und Setting einzufangen. In langen Gesprächen reflektiert Hill mit seinem Gegenüber, was es bedeutet, als Künstler:in queer zu sein, wie es die eigene Kunst prägt und beeinflusst. Auszüge aus den Dialogen sind den Porträts beigestellt.

Die Narzisse (engl. Daffodil) ist das verbindende Motiv der Aufnahmen und namensgebend für diese Serie. Die Blume steht für Selbstliebe und Wiedergeburt – Begriffe, die Daniel Hill mit seinem eigenen Coming-out verbindet. Das englische Wort „Daffodil“ wurde in populärkulturellen Kontexten auch als Schimpfwort für queere Menschen verwendet. Hill will es mit dieser Serie zurückerobern, umwerten und positiv besetzen.

My Very Flesh Shall Resist Every Stone, 2021

Auf der Rückseite des Displays ist, aufgeteilt auf sechs Stelen, eine Schwarz-Weiß-Fotografie zu sehen, auf der sich Daniel Hill in zurückgenommener, in sich gekehrter Haltung in einer verlassenen Baustelle inszeniert. Hill befragt in diesem Werk das Verhältnis des queeren Körpers zum urbanen Raum. Indem er den eigenen nackten Körper auf skulptural anmutende Weise in die brachiale, rudimentäre Architektur setzt, ihn geradezu der gebauten Umgebung aussetzt, betont er sowohl körperliche als auch gebaute Formen, Linien und Grenzen, die sich im Schwarz-Weiß des Bildes angleichen. Anti- und proqueere Slogans auf dem Körper des Künstlers greifen formal und inhaltlich die Graffiti an den Mauern und Säulen der Umgebung auf. Die raue, beklemmende Umgebung steht im Kontrast zu dem verletzlichen menschlichen Körper. Dieses Setting steht sinnbildlich für gesellschaftliche Anfeindungen, denen queere Menschen im Alltag noch immer ausgesetzt sind.

Statement von Daniel Hill

Was bedeutet es, queer zu sein? Als ein Mensch, der sich nie einer bestimmten Gruppe zugehörig gefühlt hat, der in all den Jahren im Verborgenen immer spürte, dass er anders ist, fiel es mir dennoch lange schwer, mich mit dem Queersein zu identifizieren. Ich habe mich auf diese künstlerische Reise begeben, um diese Identität gemeinsam mit zeitgenössischen queeren Künstler:innen zu erforschen, und ich habe festgestellt, dass Queersein so viel mehr ist als eine Identität. Es meint so viel mehr als eine Gruppe oder Gemeinschaft. Es ist vor allem individueller Ausdruck, aber auch Ablehnung gesellschaftlicher Normen, Widerstand gegen vorhersehbare Erwartungen, Akzeptanz anderer als das, was sie sind und als was sie gesehen werden wollen, und politischer Kampf gegen Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Kolonialismus. Queer ist so facettenreich, dass es selbst in der Kunstwelt nicht als ein bestimmtes Genre gelabelt werden kann. Queer zu sein bedeutet, eine Narzisse zu sein: als dein wahres Selbst wiedergeboren zu werden, dich selbst zu lieben und dabei einfach verdammt schön auszusehen.

Daniel Hill, 1980 in Florida geboren, ist in Kalifornien aufgewachsen. Seit 2012 lebt er in Wien.

Kuratiert von Verena Kaspar-Eisert.

MQ Vorplatz

Grayscale architectural site map of the MuseumsQuartier Wien. The map includes various labeled structures and surrounding roads.
© MuseumsQuartier Wien