Overground Resistance
Brennende Wälder, tauende Permafrostböden, das Abschmelzen von Polareis und Gletschern, Dürren in ehemals fruchtbaren Regionen, das massenhafte Aussterben von Arten – während die Auswirkungen des Klimanotstands allerorts sichtbar werden, handelt staatliche Politik nicht entsprechend der Dringlichkeit der Klimakrise.
So wird an einem Tag der Klimanotstand ausgerufen, während am nächsten Tag fossile Energieträger gefördert, Autobahnen und Flughäfen und Gaspipelines gebaut, und Flächen großräumig versiegelt werden. Weltweite Klimagerechtigkeitsbewegungen versuchen daher, den notwendigen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. Die Ausstellung „Overground Resistance“, kuratiert von Oliver Ressler, zeigt Arbeiten von Künstler*innen, die ihre Arbeiten im Dialog mit der Klimagerechtigkeitsbewegung entwickeln, und sich als Teil dieser Bewegungen begreifen.
25 Jahre der Klimaverhandlungen haben im Rahmen der Vereinten Nationen keine Reduktion der globalen CO2-Emissionen bewirkt. Soziale Bewegungen erhöhen daher den Druck auf Regierungen, das Ende der auf fossilen Brennstoffen basierenden Ökonomie und die Umstellung auf eine CO2-neutrale Gesellschaft einzuläuten.
Verkehr, Nahrungsproduktion, Wohnen sowie Arbeiten müssen neu organisiert werden und der gesellschaftliche Fokus von Wachstum und Profit hin zu Ressourcenschonung, Erhaltung der Lebensgrundlagen, Klimagerechtigkeit und globale Umverteilung verschoben werden, z.B. durch die radikale Besteuerung klimaschädlicher Fortbewegungsmittel und ressourcenverbrauchender Produktionen.
Während historischer Widerstand zumeist „underground“ von Partisan*innen oder außerparlamentarischen Gruppen organisiert wurde, findet Klimaaktivismus im Gegensatz dazu im großen Rahmen „overground“ statt – auch wenn dabei oft die Grenzen dessen, was als legal definiert wird, überschritten werden. Die globale Bandbreite und die Sichtbarkeit der Bewegung zeigen das globale Ausmaß der Bedrohung sowie die beispiellose gesellschaftliche Breite der kollektiven Entschlossenheit, ihr entgegenzuwirken.
So haben z.B. die Besetzungen der Braunkohleabbaustätten in Deutschland zentral dazu beigetragen, dass die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kohle beschlossen hat (auch wenn der spätere Ausstiegstermin 2038 es nach übereinstimmender Einschätzung der Klimawissenschaft verunmöglichen wird, dass Deutschland seine vertraglichen Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen erfüllt). Ohne den jahrelangen Druck indigener Aktivist*innen hätte US-Präsident Joe Biden die Genehmigung für die Keystone XL Teersande-Ölpipeline wohl nie widerrufen.
Millionen von Menschen, die den völligen planetaren Klimakollaps verhindern und die Erde auch für die kommenden Generationen als Lebensraum erhalten möchten, werden in der Klimagerechtigkeitsbewegung aktiv. Das gilt auch für zahlreiche Künstler*innen.
"Overground Resistance" ist eine Erweiterung des vom FWF finanzierten Forschungsprojekts „Barricading the Ice Sheets“ von Oliver Ressler, das die Klimakrise, die Klimagerechtigkeitsbewegung und ihr Verhältnis zur Kunst untersucht. „Barricading the Ice Sheets“ wird im Rahmen von Einzelausstellungen in der Camera Austria, Graz (04.09. – 21.11.2021); dem Museum of Contemporary Art, Zagreb (30.11.2021 – 30.01.2022) umgesetzt. Die Ausstellung wird in einer neuen Konfiguration 2022 im NeMe Arts Centre in Limassol, Zypern fortgeführt.
Künstler:innen:
Tiago de Aragão (BRA), Lauren Bon and the Metabolic Studio (USA), Noel Douglas (GBR), Francisco Huichaqueo (Mapuche Nation/CHL), Gilbert Kills Pretty Enemy III (Hunkpapa Lakota of the Standing Rock Sioux Tribe/USA), Kathy Jetn̄il-Kijiner & Aka Niviâna (MHL/GRL), Laboratory of Insurrectionary Imagination (FRA), The Natural History Museum (USA), Oliver Ressler (AUT), Rachel Schragis (USA), Seday (FRA), Jonas Staal (NLD), Tools for Action (HUN/NLD)
Kuratiert von Oliver Ressler
Organisiert in Kooperation mit dem
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
MQ Freiraum