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Japan Unlimited

Eine Kunstgalerie mit einer modernen Ausstellung; sie zeigt ein großes Foto, zwei Skulpturen und leuchtend rote Banner mit japanischen Schriftzügen, die eine dynamische und nachdenkliche Atmosphäre schaffen.
© MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin

26.09. - 24.11.2019

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Japan waren einige der bekanntesten und aktivsten Künstler*innen Japans zu sehen, die sich mit den Grenzen und Freiheiten politisch-sozialkritischer Kunst in Japan auseinandergesetzt haben.

Auf den Spuren von Tatemae („Maskerade“, die den Erwartungen der Öffentlichkeit entspricht) und Honne (die der Öffentlichkeit gegenüber verborgenen Gefühle) untersucht die Ausstellung, in welcher Form dieses die japanische Gesellschaft prägende Prinzip in der zeitgenössischen japanischen Kunst eine Rolle spielt. Tatemae und Honne regeln das Verhältnis zwischen Gemeinschaft und dem/der Einzelnen, definieren, wie über bestimmte Verhaltensregeln, Gesetze, Traditionen, Konventionen das Zusammenleben gestaltet ist, – wie das auf unterschiedliche Art und Weise in allen Gesellschaften der Fall ist. Parallel dazu spiegeln sich in Tatemae und Honne ästhetische Fragestellungen wider, die das Verhältnis von Form und Inhalt, Realität und Repräsentation, Kritik und Affirmation etc. reflektieren.

Die Ausstellung beschäftigt sich u. a. mit der Frage, welche poetischen Praxen, Subtexte und Metaphern gerade aus diesem Spannungsverhältnis gesellschaftlicher Konfliktvermeidung und Kritik entstehen. Tatemae reguliert nicht nur das, was unausgesprochen bleiben soll, sondern auch die Form des Indirekten oder wie etwas umschrieben oder umgangen werden kann. Welche Kontrollmechanismen entstehen dadurch, wie geht man damit um und welche Stellung kann Kritik bzw. gesellschaftskritische Kunst im öffentlichen Diskurs einnehmen. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten stellen indirekte Regelsysteme und damit verbundene Machtstrukturen offizieller Narrative neu zur Disposition. In welcher Form spielen bewusste Überschreitungen von Tatemae im gesellschaftspolitischen Kontext eine Rolle und stoßen künstlerische Praxen hier an ihre Möglichkeitsgrenzen?

Im Rahmen der Ausstellung waren sechs Artists-in-Residence aus Japan im Q21/MuseumsQuartier zu Gast, die für die Ausstellung zum Teil neue Arbeiten entwickeln und zu partizipativen Veranstaltungen einluden. Vertiefend begleiteten Diskussionen, Talks, Workshops, Performances und Aktionen die Ausstellung, insbesondere auch im Rahmen der viennacontemporary und der VIENNA ART WEEK.

Eine Kunstgalerie mit einer modernen Ausstellung; sie zeigt ein großes Foto, zwei Skulpturen und leuchtend rote Banner mit japanischen Schriftzügen, die eine dynamische und nachdenkliche Atmosphäre schaffen.
© MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Die Ausstellung mit roten Wänden umfasst japanische Schriftzüge, rote Fahnen, schwarz-weiße Schilder, zwei Bildschirme, auf denen Videos gezeigt werden, sowie eine Bank mit Kopfhörern. Atmosphäre: immersiv.
Yoshinori Niwa: Proposing to Hold Up Karl Marx to the Japanese Communist Party © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
In einem schummrig beleuchteten Museumsraum steht eine große schwarze Metallkiste. Auf der Vorderseite der Kiste ist weißer Text in deutscher Sprache zu sehen, und sie steht auf einem Podest.
Yoshinori Niwa: Withdrawing Adolf Hitler from a Private Space © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Fünf gläserne Vitrinen mit dunklen, abstrakten Objekten auf weißen Sockeln in einem Raum mit mehreren gerahmten Bildern an den Wänden.
Hana Usui: Elf Meter © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Großformatige Fotografie eines Gebäudekomplexes mit mehreren Ebenen und Treppen an einer weißen Wand in einer Ausstellung
Edgar Honetschläger: Warum ist es so schwer Leere zu akzeptieren?© MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Zwei unbekleidete Personen mit abgedeckten Gesichtern auf einem großformatigen Foto, das an einer weißen Wand hängt und von einem weißen Tuch teilweise bedeckt wird, daneben mehrere kleinere Bilder in einer Reihe.
Ryudai Takano: With Me © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Installationsansicht mit mehreren Holzrahmen, hängenden Stoffbahnen und einer Leiter in einem Ausstellungsraum
Midori Mitamura: Art and Breakfast Japan Unlimited © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Weiße Ausstellungswand mit zwei gerahmten Fotografien links und drei kleineren gerahmten Bildern rechts
Tomoko Yoneda / Sachiko Kazama © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Drei schwarz-weiße Linienzeichnungen mit kreisförmigen Landschaftsmotiven hängen nebeneinander an einer weißen Wand.
Sachiko Kazama: Picuresque (Hakodate, Kagoshima, Obihiro) © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
In einem schwach beleuchteten Raum ist ein Fernsehbildschirm zu sehen, auf dem eine ernste Person mit ausdruckslosem Gesicht zu erkennen ist. Darüber verleiht eine mit Stoff drapierte weiße Statue mit einem roten Kreis dem Ganzen eine geheimnisvolle Atmosphäre.
Naoko Yoshimoto: Melting Core / Tomoko Sawada: Mask © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Eine schwach beleuchtete Museumsausstellung zeigt an der Decke hängende Kunstwerke, eine Glasvitrine und eine Projektion eines historischen Gebäudes, wodurch eine besinnliche Atmosphäre entsteht.
© MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Eine dynamische, abstrakte Kunstinstallation aus geschwungenen, langgestreckten Metallstrukturen mit strukturierten Schwarz-Weiß-Mustern, die Schatten auf eine helle Wand werfen.
Shinpei Takeda: Antimonument © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe von Matrosen in Uniform, die in Reihen auf dem Deck eines Schiffes posieren. Im Hintergrund sind große Schiffsstrukturen zu sehen, was dem Bild eine historische, feierliche Atmosphäre verleiht.
Gianmaria Gava: Hirohito's New Clothes © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Eine Galerie mit zwei kleinen Bildschirmen, auf denen zu beiden Seiten eines herzförmigen Kissen-Displays Videos gezeigt werden. Die Umgebung ist modern und sanft beleuchtet.
BuBu de la Madeleine & Yoshiko Shimada: 1945 / Made in Occupied Japan © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Eine Kunstgalerie mit weitläufigen, schwarz-weißen Stoffinstallationen, die von der Decke herabhängen. Eine Person betrachtet die Exponate entlang einer geschwungenen Wand, was eine besinnliche Atmosphäre schafft.
© MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Auf zwei Bildschirmen sind Menschen zu sehen, die nach unten blicken, sowie eine zerstörte Stadtlandschaft. Darunter liegen Kopfhörer, was auf eine interaktive Ausstellung hindeutet.
Chim Pom: Ki-Ai 100 / Enduring the Unendurable Ki-Ai 100 © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Ein gelbes, ausgestopftes Nagetier mit roten Augen auf einem Felssockel, umgeben von Miniaturmodellen von Häusern und Trümmern, unter Museumsbeleuchtung.
Chim↑Pom: Super Rat © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
An einer Wand hängt ein Wandteppich, auf dem die Freiheitsstatue vor einem tiefblauen Hintergrund abgebildet ist. Die Statue ist mit ihrer charakteristischen Fackel und ihrer Tafel zu sehen.
Ryts Monet: Amaterasu Godess of Sun © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
Ein Flachbildschirm, auf dem ein Mann im Anzug zu sehen ist, der an einem Rednerpult spricht, im Hintergrund sind Flaggen zu sehen, und die Szene spielt in einer Kunstgalerie mit gerahmten Fotos an weißen Wänden.
Makoto Aida: The video of a man calling himself Japan's Prime Minister making a speech at an international assembly © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
In einem schwach beleuchteten Raum ist ein dicht beschriftetes schwarzes Textfeld mit der Aufschrift „Business as Habitual“ in weißen Buchstaben zu sehen, was einen kritischen oder nachdenklichen Unterton vermittelt.
Momoyo Torimitsu: Business as Habitual © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin
In einer Nische steht eine weiße, durchscheinende Schaufensterpuppe im Licht, geschmückt mit einer roten Blume auf der Brust. Rote Fäden fallen in einer Kaskade auf eine Leinwand am Boden herab und verleihen dem Ganzen eine düstere Atmosphäre.
Naoko Yoshimoto: Melting Core © MuseumsQuartier Wien, Foto: Pablo Chiereghin

Künstler:innen:

Makoto Aida (JPN), Chim↑Pom (JPN)*, Gianmaria Gava (ITA/AUT), Edgar Honetschläger (AUT), Sachiko Kazama (JPN), BuBu de la Madeleine (JPN) & Yoshiko Shimada (JPN), Midori Mitamura* (JPN), Ryts Monet (ITA/AUT), Yoshinori Niwa* (JPN), Jake Knight (GBR), Tomoko Sawada (JPN), Sputniko! (JPN/GBR), Ryudai Takano (JPN), Shinpei Takeda* (JPN), Momoyo Torimitsu (JPN), Hana Usui (JPN/AUT), Tomoko Yoneda (JPN), Naoko Yoshimoto (JPN)

*Artist-in-Residence des Q21/MQ

Kuratiert von Marcello Farabegoli

Schiftzug "Japan Unlimited" in schwarz auf einem weißen Leuchtscreen
© MuseumsQuartier Wien

Organisiert in Kooperation mit dem

Österreichischen Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres

MQ Freiraum

Grauer 3D-Arealsplan des Museumsquartier Wien mit rot markiertem Bereich an der Stelle des MQ Freiraum
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