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24.03.2025

A Conversation with Hisko Hulsing

Skelett mit Kapuze und Mantel springt mit Flammen hinter sich über Dächer einer Stadt bei Sonnenuntergang.
© Hisko Hulsing

Stefan Stratil von ASIFA Austria (Association Internationale du Film d’Animation) im Gespräch mit dem MQ Artist-in-Residence Hisko Hulsing (NL). Am 24. März 2025 um 15 Uhr wird der MQ Artist-in-Residence Hisko Hulsing beim Under_the_Radar Festival im Raum D/MQ eine Masterclass halten und seine Installation „Resurrection“ im Animationskunst-Showroom ASIFAKEIL eröffnen.

Hisko, wie bist du vom Animator dazu gekommen, große Serien für Amazon, Netflix und HBO zu inszenieren?

Als ich 25 war, habe ich wie die meisten Animatoren und Künstler angefangen: Ich arbeitete von meinem Schlafzimmer aus und machte Filme und Gemälde. Was ich an Animation liebe, ist, dass man so viele Kunstformen miteinander verbinden kann. Man beschäftigt sich mit Musik, mit Ton … Alle meine Hintergrundbilder male ich mit Ölfarbe auf Leinwand. Ich zeichne, denke über Kostüme nach, über Licht – es ist ein sehr, sehr breites Feld. Wenn man seine eigenen Filme macht, ist man mit all diesen unterschiedlichen Facetten der Animation beschäftigt, die jeweils für sich genommen eigene Kunstformen sind.

Ich habe einen Kurzfilm mit dem Titel „Junkyard“ gemacht, an dem ich sechs Jahre gearbeitet habe. Obwohl er nur 18 Minuten lang ist, wollte ich unbedingt so etwas wie einen perfekten Kurzfilm schaffen. Als er 2012 herauskam, gewann er 25 Preise und zog die Aufmerksamkeit von Disney, DreamWorks, Pixar und Blue Sky auf sich, die mich einluden, meine Arbeiten zu zeigen. Durch diesen Kurzfilm wurde ich von Produzenten und Regisseuren in Hollywood für größere Projekte wahrgenommen.

Nach „Junkyard“ machte ich ein weiteres niederländisches Projekt mit dem Titel „Last Hijack“. Als der Film auf den Berliner Filmfestspielen, der Berlinale, Premiere hatte, wusste ich, dass er wahrscheinlich Aufmerksamkeit bekommen würde. Deshalb stellte ich „Junkyard“, der damals bereits zwei Jahre alt war, ins Internet, und glücklicherweise ging er viral. Offenbar hatte ihn jemand vom Hollywood Reporter gesehen und schrieb, dass „Last Hijack“ „eindrucksvolle Animationen von Hisko Hulsing/Junkyard“ enthalte.

Noch während der Berlinale erhielt ich eine E-Mail von Brett Morgen, einem Oscar-nominierten Regisseur, der in Hollywood Dokumentarfilme macht. Er hatte „Junkyard“ gerade wegen dieses Artikels im Hollywood Reporter gesehen und fragte mich, ob ich Interesse hätte, mit ihm an einem Film über Kurt Cobain von Nirvana für Universal Pictures und HBO zusammenzuarbeiten. Dort begann im Grunde meine internationale Karriere, denn ich übernahm die Animation für diesen Film mit dem Titel „Montage of Heck“, der sehr erfolgreich wurde. Er erhielt acht Emmy-Nominierungen, lief weltweit in Kinos, wurde von Universal Pictures vertrieben und von HBO ausgestrahlt.

So funktioniert es. Es ist wie ein Schneeball, der immer mehr Schnee aufnimmt, während er den Hügel hinunterrollt.

Stadtpanorama unter bewölktem Himmel mit Lichtstrahlen und einer Gruppe von Menschen, die in der Luft schweben.
© Hisko Hulsing

Aber was war es genau, das bei Disney oder anderen Studios Interesse an deinen Filmen geweckt hat? War es ein bestimmter Stil, war es die Effizienz oder passte es einfach gut in ihre Programme?

Ja, das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass „Junkyard“ im Gegensatz zu den meisten künstlerischen Animationsfilmen eine ziemlich klassische Erzählstruktur hat. Und der andere Unterschied ist, dass ich alle Hintergründe mit Ölfarbe male. Sie haben eine sehr klassische, fast „Bambi“-artige Anmutung, die bei Studios wie Disney eine gewisse Nostalgie ausgelöst hat, weil sie solche Filme heute nicht mehr machen. Brett Morgen fand, dass „Junkyard“ dieselbe dunkle und rohe Energie wie Kurt Cobain hatte, deshalb mochte er diese ähnliche Rauheit. Die harte Geschichte voller Emotionen und Gewalt macht „Junkyard“ anders als die meisten animierten Kurzfilme. Der Film ist filmisch und sehr realistisch, weil ich eine Form des Rotoskopierens verwendet habe, und gleichzeitig sehr traumhaft. Ich denke, genau diese Kombination eignete sich auch sehr gut für „Undone“, die Serie, die ich für Amazon gemacht habe.

„Montage of Heck“, der Film über Kurt Cobain, wurde für acht Emmy Awards nominiert, aber auch für einen Annie Award. Die Produzenten, die für Michael Eisner arbeiteten – den ehemaligen Chef von Disney –, waren mit „BoJack Horseman“ nominiert. Während der Preisverleihung sahen sie einen kurzen Ausschnitt meiner Animation aus „Montage of Heck“.

Ein paar Wochen später hielt ich einen Vortrag in Berkeley, und sie kamen extra aus Los Angeles nach Berkeley, um mit mir zu frühstücken und mir „Undone“ vorzustellen. Ihr Pitch klang nach einem guten und vieldeutigen Drehbuch, in dem nicht klar war, ob die Hauptfigur durch die Zeit reist oder schizophren ist. Es war genau die Art von Film, die ich machen wollte, aber ich war unsicher, ob ich das schaffen könnte. Ich sagte ihnen, dass ich bei „Montage of Heck“ fast zehn Minuten Animation in nur vier Monaten produzieren musste – das hätte mich beinahe umgebracht. Ich arbeitete 15 Stunden am Tag, zeichnete, malte und leitete 25 Leute ohne Produzenten; das Ganze war ein einziges Chaos. Nach diesem Film wollte ich eigentlich mit Animation aufhören, weil es einfach zu viel war.

Aber sie waren sehr überzeugt von mir und luden mich nach Los Angeles ein. Dort hatte ich ein fünfstündiges Gespräch mit den Autorinnen und Showrunnern Kate Purdy und Raphael Bob-Waksberg, und es hat sofort gepasst. Sie entschieden, dass ich die Serie inszenieren sollte. Sie sagten mir, ich müsse mir um die Produktion keine Sorgen machen, sie würden alles um mich herum organisieren. Außerdem hatten sie kein Problem damit, dass ich den Großteil der Arbeit in Amsterdam erledigte.

So kamen wir mit „Submarine“, einem Studio in Amsterdam, zusammen, das 100 Leute für die Arbeit an „Undone“ einstellte. Wir machten die Live-Action-Aufnahmen mit den Schauspielerinnen und Schauspielern für das Rotoskopieren. Wir hatten großartige Darsteller wie Bob Odenkirk aus „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ sowie Rosa Salazar. Ich musste siebenmal zwischen Los Angeles und Amsterdam hin- und herfliegen, um die Schauspielerinnen und Schauspieler am Set jeweils 13 Stunden am Tag zu inszenieren. Danach ging ich in mein Apartment und erledigte alle Briefings für die Animationen, die in Amsterdam und in Texas produziert wurden. Ich arbeitete also wieder 15 Stunden täglich, wie schon bei „Montage of Heck“. Aber wenn alles gut organisiert ist, ist harte Arbeit kein Problem.

Zurück in Amsterdam schulte ich ein Team von zehn Malerinnen und Malern, die in meinem Stil mit Ölfarbe malen mussten. Ich hatte keine Zeit mehr zu zeichnen, außer für die Thumbnails, und den Rest der Zeit redete und redete und redete ich – genau wie jetzt.

Als „Undone“ herauskam, wurde die Serie laut Rotten Tomatoes zur am besten besprochenen Animationsserie des Jahres 2019, weil wir eine Wertung von 100 % hatten. Wir bekamen ausschließlich positive Kritiken, unter anderem von der „New York Times“ und dem „Time Magazine“, und landeten in vielen Top-Ten-Listen. Auf diese Weise wurden Netflix und Warner Bros. auf mich aufmerksam und engagierten mich für eine Episode von „The Sandman“, einer Realserie mit einer animierten Bonusfolge, die ich inszenieren sollte. Beide Produktionen waren sehr erfolgreich, und wir bekamen auch eine zweite Staffel von „Undone“.

Als wir fertig waren, hatte ich tatsächlich ziemlich viel Geld verdient, und ich war überzeugt, dass nach dem Erfolg von „Undone“ und „The Sandman“ viele Studios mit mir arbeiten wollten – aber das stellte sich als Irrtum heraus.

Mir wurde klar, dass das, was ich mache, eine Art Nische ist. Animation für Erwachsene zu machen, ist nicht üblich. Wäre ich mit einem Kinderfilm erfolgreich gewesen, wäre alles viel einfacher gewesen. Es gibt einfach nicht viel Animation für Erwachsene. Im Fernsehen, auf Netflix oder Amazon und auch im Kino findet man davon kaum etwas.

Rotoskopie ermöglicht es dir sowohl, effizient zu arbeiten, als auch den realistischen Grad herzustellen, den du als Kontrast zu den sehr fantastischen Animationsszenen brauchst.

Es gab viele Diskussionen mit den Autorinnen und Autoren in Los Angeles darüber, ob wir einen stilistischen Unterschied zwischen Rückblenden, Träumen, Realität oder Psychosen machen sollten. Ich sagte ihnen jedoch, dass alles gleich aussehen müsse, damit das Publikum nie genau weiß, ob das, was geschieht, real ist oder nicht. Weil alles zuerst von Schauspielerinnen und Schauspielern gespielt wird, wirkt es sehr real. Man bekommt all die subtilen Nuancen dieser wirklich großartigen Darstellerinnen und Darsteller, die man in normaler Animation nicht hat. Wenn dann etwas wirklich Verrücktes passiert, funktioniert es gewissermaßen umgekehrt. In „Undone“ könnte man denken, dass eine Szene, in der jemand einfach nur zu Mittag isst, in der realen Welt spielt, und plötzlich explodiert alles und es stellt sich heraus, dass es nicht real ist – oder zumindest mehrdeutig bleibt. Das ist eine Möglichkeit, das Publikum über die Natur der Realität zu verunsichern. Und genau das kann nur in diesem rotoskopierten Stil funktionieren, weil alles real aussieht und sich gleichzeitig unwirklich anfühlt.

In der gesamten ersten Episode passiert eigentlich noch nichts wirklich Seltsames. Die Geschichte wird erst aufgebaut. In der zweiten Episode wird dann vollkommen klar, warum wir Rotoskopie und Animation verwenden, denn plötzlich geschehen sehr merkwürdige Dinge und die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen.

Früher mochte ich Rotoskopie überhaupt nicht. Dass ich mich darauf eingelassen habe, war ein ziemlich ungewöhnlicher Schritt, aber das Drehbuch verlangte es geradezu. Was wir von den Schauspielerinnen und Schauspielern bekamen, kann man mit normaler Animation niemals erreichen. Die meisten Animationen sind überzeichnet, nicht so subtil. Rosa Salazar, die Alma spielt, macht kleine Bewegungen mit den Augen, die man sich nicht ausdenken kann. Das ist einfach ihre Persönlichkeit, ihre ganze Art, sich zu bewegen. Wenn eine Animatorin oder ein Animator ein Drehbuch interpretiert, übernimmt diese Person das Schauspiel. Aber Animatorinnen und Animatoren haben, würde ich sagen, eine andere Sensibilität als echte Schauspielerinnen und Schauspieler.

Bei wirklich großartigen Darstellerinnen und Darstellern weiß man nie genau, ob sie gerade spielen oder nicht. Als ich Rosa zum ersten Mal traf, umarmte sie mich und begann zu weinen. Ich war überwältigt und geschmeichelt. Und am nächsten Tag drehten wir eine Szene, und sie weinte in jeder Einstellung exakt im selben Moment. Da dachte ich: Okay, sie kann das einfach. Stell dir vor, sie wäre deine Freundin …

Als Animatorinnen, Animatoren oder Malerinnen und Maler haben wir unsere Staffelei, unsere Instrumente, unsere Farben, unsere Werkzeuge oder den Computer. Die Werkzeuge von Schauspielerinnen und Schauspielern sind ihr Körper, ihr Geist und ihre Seele. Und wenn sie wirklich gut sind, haben sie darüber die volle Kontrolle. Deshalb mag ich an „Undone“ besonders, dass die Serie so hervorragend gespielt und von Kate, Raphael und ihrem Team so gut geschrieben ist. Dadurch funktioniert sie auf einer ganz anderen Ebene.

Skelettfiguren steigen aus einem Krater auf eine brennende Stadt mit zerstörten Gebäuden herab.
© Hisko Hulsing

Wird dein neues Projekt „Resurrection“ einen ähnlichen Stil haben oder wird es etwas völlig anderes sein?

Es ist völlig anders. Ich habe vor acht Jahren mit diesem Film begonnen. Inspiriert wurde er von der Musik von Dmitri Schostakowitsch und von den Ereignissen, die damals in der Ukraine und in Russland passierten. Russland hatte die Krim übernommen, und die Menschen in Europa waren zu dieser Zeit nicht besonders besorgt darüber. Ich las jedoch viel über Russland. Die Art und Weise, wie Putin über ein großes Russland sprach, erschien mir gefährlich. Ich sah, dass sich dort eine Art faschistische Bewegung entwickelte und dass schreckliche Dinge bevorstanden. Ich erinnerte mich an eine Schlacht im Jugoslawienkrieg, bei der eine jahrhundertealte Auseinandersetzung aus dem Jahr 1300 erneut gerächt wurde. Das ist verdammt verrückt. Es ist, als würde man all diese alten Dinge wieder aus der Erde hervorholen. Deshalb heißt der Film „Resurrection“ – die Auferstehung der Dämonen aus der Vergangenheit.

Ich begann, ein Animatic zu erstellen, das sich stark von allem unterschied, was ich zuvor gemacht hatte, denn normalerweise schreibe ich ein Drehbuch, eine Geschichte, und erst danach entstehen Storyboards und so weiter. In diesem Fall wollte ich mich jedoch vollständig von der Musik inspirieren lassen. Der Film funktioniert eher wie ein Traum oder ein Albtraum als wie eine klassische Erzählung. Er hat keine lineare Geschichte.

Dann begann ich, diese riesigen Gemälde anzufertigen. Normalerweise werden die Figuren vom Hintergrund getrennt. Aber ich wollte alles malen und erst später herausfinden, wie ich es in Animation übersetzen würde. Es ist eigentlich eine ziemlich verrückte Vorgehensweise. Aber ich wollte, dass alles gemalt aussieht, und gleichzeitig wollte ich, dass es eine faszinierende Reihe echter Gemälde wird.

Und wie viele Gemälde hast du bereits?

30 von 50. Ich musste die Arbeit an diesem Film wegen „Undone“ und „The Sandman: Der Traum der tausend Katzen“ unterbrechen. Vor zwei Jahren habe ich wieder angefangen. Ich fand einen Produzenten namens Richard Valk. Er wollte diesen Film unbedingt produzieren, weil ihn das Animatic völlig überwältigt hatte. Auch Nicolas Schmerkin von Autour du Minuit, dem Studio in Frankreich, hatte mich über die Jahre immer wieder kontaktiert.

Ich war etwas besorgt, weil dieser Film aufgrund der Massenszenen und der hohen Ansprüche definitiv teuer werden wird. Vier Minuten Film kosten fast eine halbe Million Euro. Das ist wirklich verrückt. Aber wir sind fast am Ziel. Wir haben fast das gesamte Geld zusammen.

Die Methode, die wir verwenden, ist folgende: Ich male all diese Bilder. Dann werden alle Skelette in Paris in 3D animiert. Vor sechs Jahren nutzten wir Projection Mapping, um die 3D-Skelette so aussehen zu lassen, als wären sie gemalt. Jetzt verwenden wir Stable Diffusion, ein KI-Programm, um die Skelette zu stilisieren. Wir haben Stable Diffusion mit all meinen Gemälden gefüttert und damit trainiert.

Die Animation wird vollständig von Animatorinnen und Animatoren mit Blender, der 3D-Animationssoftware, erstellt. Danach verwenden wir alle Informationen aus der 3D-Animation – die Kryptomaps, Tiefenkarten und Linien-Renderings –, um Stable Diffusion zu steuern und den Eindruck zu erzeugen, dass alles von mir gemalt wurde. Wir haben einen sehr erfolgreichen Test gemacht. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass diese Methode funktioniert, und ich bin sicher, dass das Ergebnis unglaublich schön wird.

Nun, du könntest die letzten 20 Gemälde ja von der KI erstellen lassen.

Auf keinen Fall. Nein. Und genau das ist der Punkt: Man kann Gemälde generieren, aber was ich bisher gesehen habe, sieht schrecklich aus. Wir verwenden die KI nur dazu, die 3D-Animation so aussehen zu lassen, als hätte ich sie gemalt. Aber der Hintergrund ist eine ganz andere Geschichte.

Das Gute an dieser verrückten und komplexen Methode ist, dass ich viele Gemälde haben werde, die ich zum Beispiel im MuseumsQuartier ausstellen kann. Es ist also eine Art Multimedia-Projekt mit echten Ölgemälden – nicht nur Hintergründen. Und möglicherweise auch mit Live-Aufführungen mit Orchester.

Ich kann deine Freude daran verstehen, ein analoges Ergebnis in Form von Gemälden zu haben – etwas, das man anfassen und zeigen kann.

Ja. Ja, denn bei all meinen eigenen Filmen habe ich die gemalten Hintergründe selbst angefertigt. Aber das eigentliche Motiv des Gemäldes fehlt, weil das Motiv normalerweise nicht gemalt ist, sondern animiert wird. In meinem Atelier habe ich etwa 300 Gemälde. Viele davon sind eigenständige Werke, andere nicht. Aber das Entscheidende ist, dass sie in einen Film passen.

Bei diesem Film ist es anders. Jedes Gemälde ist ein eigenständiges Kunstwerk. Ich versuche, mich davon zu lösen, nur als Animationsregisseur bekannt zu sein. Ich möchte auch als bildender Künstler, als Maler wahrgenommen werden. Und vielleicht hilft mir die Artist-in-Residence-Position im MuseumsQuartier dabei, in diesem Bereich mehr Anerkennung zu bekommen.

Wir werden versuchen, deine Arbeit zu bewerben und sie der Welt zu zeigen.

Das wäre großartig. Menschen werden oft in Schubladen gesteckt und manchmal braucht es Anstrengung, um daraus auszubrechen.

Was ich an deinem Fall besonders schätze, ist, dass sich ein künstlerischer Ansatz mit einem sogenannten kommerziellen Ergebnis verbindet. Das ist etwas Besonderes.

Ich glaube, ich hatte einfach sehr viel Glück. Das passiert nicht oft, besonders nicht in Hollywood, wo es nicht viele Produzenten gibt, die solche Risiken eingehen. In Europa sind mehr Menschen bereit, solche Risiken einzugehen, aber ich glaube, sie tun nicht genug dafür, dass ein Publikum kommt und sich diese Arbeiten ansieht.

Was ich am amerikanischen Ansatz mag, ist, dass sie solche Projekte auch bewerben, wenn sie sie machen. Als wir „Undone“ produzierten, gab es riesige Werbetafeln und die gesamte IMDb-Seite drehte sich um „Undone“. Wenn man das nicht macht, werden die Leute es nicht anschauen.

Da gibt es diese Haltung, dass sie wirklich Geld verdienen wollen – und manchmal, wenn man Glück hat, wollen sie gleichzeitig etwas Künstlerisches schaffen. Wenn beides zusammenkommt, hat man großes Glück. Das passiert nicht oft.

Aber momentan arbeite ich an zwei weiteren Projekten. Eines davon ist geheim, deshalb kann ich nicht darüber sprechen. Aber es ist für ein wirklich großes Studio. Es richtet sich ebenfalls an Erwachsene oder junge Erwachsene. Es ist sehr surreal. Und sie wollen, dass ich Regie führe und es in meinem Stil umsetze.

Außerdem zeichne ich Storyboards für einen amerikanischen Spielfilm. Einen sehr surrealen Film. Wirklich großartig. Also sehr viel Arbeit und kaum Einkommen.

Das kommt mir bekannt vor.

Das ist Animation. Ich arbeite so hart. Normalerweise arbeite ich sechs oder sieben Tage die Woche.

Vielleicht kannst du zum Abschluss noch etwas Positives sagen.

Das Schlusswort also. Nun, es ist das, was ich schon vorher gesagt habe. Animation zu machen, bereichert mein Leben enorm. Nicht nur, weil ich an so vielen verschiedenen Dingen arbeiten kann: Animation, Film, Malerei, Zeichnung, Musik. Ich habe sogar Orchesterpartituren für zwei meiner Filme komponiert.

Wir haben noch gar nicht über den Soundtrack gesprochen, der für dich sehr wichtig ist. Aber wenn wir jetzt anfangen …

Nein, nein, nein. Ich wollte nur sagen, dass es ein sehr breit gefächertes Berufsfeld ist. Und noch etwas, das ich wirklich mag … Okay, ich kann etwas sagen, das vielleicht nach hinten losgeht. Aber ich bin nicht der größte Animationsfan der Welt.

Was ich an Animation wirklich liebe, sind die Menschen. Ich mag die Animationswelt sehr. So wie du und ich – wir haben uns in China kennengelernt. Wir haben so viel Glück, dass Filme uns um die ganze Welt bringen. Wir haben die ganze Nacht über brasilianische Musik gesprochen. Ein Niederländer und ein Österreicher sitzen also in einem chinesischen Restaurant in Xiamen und diskutieren über brasilianische Musik. Das ist irgendwie seltsam und interessant.

Ja, das ist schön. Wenn man etwas mag, wird man sehr wählerisch. Man entwickelt hohe Erwartungen. Und ich glaube, das ist gut. Man muss nicht alles an Animation mögen.

Nein, nein. Je mehr man sieht, desto mehr erkennt man Dinge, die irgendwie immer gleich sind. Und man langweilt sich davon. Als ich mit Animation angefangen habe, war ich wie ein Schwamm. Ich wollte alles sehen. Und heute denke ich: Den neuesten Disney-Film schaue ich mir auf keinen Fall an.

Ich habe auch einen Fuß in der kommerziellen Welt, weil ich Storyboards für mehr als 120 Werbefirmen gemacht habe, um Geld zu verdienen. Und ich mag diese Welt überhaupt nicht. Dann gibt es noch die Kunstwelt. Viele Menschen dort können sehr gut reden und bluffen, aber das ist nicht meine Welt. Die Filmwelt ist voller Egos.

Was ich an der Animationswelt mag, ist, dass Animationsregisseurinnen und -regisseure oft sehr vielseitig interessiert sind. Ich kenne Animationsregisseure, die viel über Oper oder klassische Musik oder Jazz oder Bossa Nova wissen. Und sie sind oft … wie sagt man? Bescheiden.

Die meisten Animationsregisseurinnen, Animatoren und Animatorinnen sind sehr bescheiden, weil man sich nicht einfach in die Rolle eines Animators hineinbluffen kann. Man muss die Arbeit wirklich abliefern. Man kann es nicht vortäuschen. Es ist unglaublich harte Arbeit.

Vielleicht hat es dir geholfen, nicht zu bescheiden zu sein, um mit Animationsserien erfolgreich zu werden.

Ja, ich glaube schon. Und wenn man 300 Menschen dirigiert, bleibt nicht viel Zeit, unsicher oder bescheiden zu sein, weil Menschen von einem abhängig sind. Man muss klar sein und ihnen sagen, was sie tun sollen. Das kann die eigene Persönlichkeit verändern – und nicht immer nur positiv, denke ich.

Das ist interessant. Aber man muss ohnehin ein guter Kommunikator sein.

Ja, man muss gut kommunizieren können. Vielleicht sollte ich bescheidener sein, aber in gewisser Weise ist das nicht hilfreich. Besonders in den Vereinigten Staaten, in Los Angeles, geht es stark darum, wie Menschen sich selbst verkaufen. Schauen wir uns Trump an. Trump ist das schlimmste Beispiel dafür: wie großartig alles ist, was er macht. Aber es ist ein Teil ihrer Kultur, ein bisschen wie ein Gebrauchtwagenverkäufer aufzutreten.

Gestern zum Beispiel hat er versucht, vor dem Weißen Haus Teslas zu verkaufen. Man muss das gesehen haben, es ist verdammt verrückt. Jetzt wissen wir, dass er ein Gebrauchtwagenverkäufer ist.

Tesla geht wegen Elon Musk bergab, deshalb versucht er, Teslas vor dem Weißen Haus zu verkaufen. Es ist wirklich verrückt. Ich bin froh, gerade Europäer zu sein.

Mann mit Strohhut und schwarzem Hemd steht vor grauem Hintergrund mit den Händen in den Hosentaschen.
Hisko Hulsing © Maikel Thijssen

Stefan Stratil von ASIFA Austria, Association Internationale du Film d’Animation, im Gespräch mit dem MQ Artist-in-Residence Hisko Hulsing (NL).

Am 24. März 2025 um 15:00 Uhr wird der MQ Artist-in-Residence Hisko Hulsing beim Under_the_Radar Festival im Raum D/MQ eine Masterclass halten und seine Installation „Resurrection“ im Animationskunst-Showroom ASIFAKEIL eröffnen.