Francesca Zangrillo
Key Facts
Francesca Zangrillo ist eine italienische interdisziplinäre Designerin, Kuratorin und Gründerin des unabhängigen Studios Dreizehn. Als Absolventin der Polimoda und des Istituto Marangoni verbrachte sie sechs Jahre damit, ihre Praxis innerhalb der kulturellen Landschaft Berlins zu entwickeln, bevor sie nach Florenz zurückkehrte. In den Bereichen Mode, zeitgenössische Kunst, räumliche Praxis und Performance untersucht sie das Kleidungsstück und die gebaute Umwelt als Orte kultureller Erinnerung, kollektiver Erfahrung und Transformation. Ihre Arbeit bringt die Präzision und das Erbe der italienischen Maßschneiderei mit dem gemeinschaftlichen Ethos, den experimentellen Methoden und der ritualistischen Energie von Underground-Subkulturen in einen Dialog.
Ihre berufliche Ausbildung umfasst experimentelle Bekleidungsarchitektur und anatomisches Prototyping, die sie durch ihre Tätigkeit beim Modelabel Leon Emanuel Blanck in Berlin weiter verfeinerte. Anschließend schloss sie sich Atelier Ralf Schmerberg als Creative Producer an, wo sie an der Entwicklung und Koordination von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, multimedialen Installationen und interdisziplinären Kulturprojekten mitwirkte.
Ein prägender Abschnitt ihrer Praxis entwickelte sich bei MaHalla, einem Kulturzentrum in Berlin, das in einem ehemaligen industriellen Kraftwerk untergebracht ist. Dort war sie maßgeblich an der technischen und räumlichen Umsetzung sensorischer Umgebungen beteiligt und wirkte an der Transformation industrieller Architektur in einen Ort für kollektive Erfahrung, Performance und kulturelle Begegnung mit. Diese Erfahrung erwies sich als grundlegend für die Entwicklung ihres räumlichen und kuratorischen Denkens und begründete ein anhaltendes Interesse an der Beziehung zwischen Architektur, Atmosphäre, Körper und Ritual. Anstatt Raum als passiven Container zu betrachten, begreift sie ihn als aktives Medium, das in der Lage ist, Wahrnehmung, Verhalten und kollektive Bedeutung zu prägen.
Ihre interdisziplinäre Entwicklung erweiterte sich anschließend durch ihre Tätigkeit als Fashion Designerin und Performance Strategin für Thelonious Stokes. In dieser Funktion entwickelte sie immersive performative Umgebungen und choreografierte visuelle Erzählungen, die in einem konzeptionellen Debüt während der Paris Fashion Week gipfelten.
Heute lebt und arbeitet sie in Florenz und bewegt sich weiterhin zwischen Creative Direction, kuratorischer Praxis und kultureller Produktion. Zu ihrer aktuellen Arbeit gehören die Betreuung von Residenzprogrammen für Künstler:innen sowie die Entwicklung internationaler kultureller Initiativen, die den Austausch zwischen Künstler:innen, Designer:innen, Institutionen und aufstrebenden Akteur:innen fördern sollen.
Die Entstehung von Dreizehn stellt die Kulmination ihrer multidisziplinären Praxis dar und materialisiert sich als eine zarte und zugleich kraftvolle Kollision zwischen den hohen Ansprüchen italienischer Schneiderkunst und der rohen, ritualistischen Energie des Berliner Undergrounds. Über ein Modelabel hinaus agiert Dreizehn als experimentelles Forschungsstudio, das sich zirkulären Methoden, Zero-Waste-Schnitttechniken und der tiefgreifenden Metamorphose von Upcycling-Textilien verschrieben hat. Indem traditionelle Handwerkskunst in eine zeitgenössische räumliche Praxis überführt wird, konzeptualisiert Dreizehn das Kleidungsstück als lebendiges Archiv kollektiver Erfahrung, in dem strenge Ästhetik auf eine tiefe Hingabe an Erinnerung und Transformation trifft.
Projektinfo
Residency Projekt: DREIZEHN
Francesca Zangrillo nimmt an einer einmonatigen Künstlerinnenresidenz im MuseumsQuartier Wien teil und widmet diesen Zeitraum der konzentrierten Weiterentwicklung ihres unabhängigen Modelabels Dreizehn. Als alleinige kreative Kraft wird sie ihren Residenzraum in ein aktives Atelier verwandeln. Innerhalb dieser Umgebung wird der physische und meditative Akt des Nähens zu einer konzeptionellen Brücke, die die anspruchsvollen Disziplinen zeitgenössischer Kunst und avantgardistischen Modedesigns nahtlos miteinander verbindet.
Während der Residenz wird sie die Metamorphose von Textilien erforschen und sich dabei durch das Spannungsfeld zwischen der Präzision italienischer Maßschneiderei und der rohen Energie der Berliner Underground-Rave-Kultur bewegen. Ein zentraler Schwerpunkt ihrer täglichen Praxis wird die aufwendige Ausführung von Handstickereien sein, die als tief persönliche Hommage an traditionelles Handwerk verstanden wird. Diese intensive Phase des alleinigen Schaffens wird durch eine Präsentation auf dem Laufsteg während der Vienna Fashion Week am 16. September weiterentwickelt und vorgestellt. Indem sie das Studio als Ort intensiver materieller Forschung zu Upcycling, Erinnerung und Morphologie begreift, stellt sie sicher, dass die von der charakteristischen roten Naht von Dreizehn geprägten Kleidungsstücke zu lebendigen, sich fortwährend entwickelnden Archiven gemeinsamer menschlicher Erfahrung erhoben werden.