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Clirimtare Januzaj

Frau und Kind gehen nachts an einem Gebäude mit großen geschlossenen Fenstern und teilweise lesbarem Text vorbei.
© YIHR-KS
Eine Reihe von gerahmten Fotografien hängt an einer weißen Wand in einem Ausstellungsraum.
© YIHR-KS
Weißes Schild mit zweisprachigem Text in Albanisch und Englisch über Hoffnung und Überleben nach Krieg und Massaker.
© Irfon Ramadani
Zwei Seiten eines Buchs mit Text über die Bedeutung von Bergen für Bewohner und Zitat von Christopher Tilley.
© Clirimtare Januzaj

Key Facts

Nationalität
Kosovo
Bereich
Kunsttheorie
Wohnort
Prishtina
Empfehlende Institution

BMWKMS

Zeitraum
November - Dezember 2025
Links

clirimtaree

Clirimtare Januzaj ist eine Kulturanthropologin mit Sitz in Prishtina, Kosovo. Sie hat einen Abschluss in Ethnologie und Kulturanthropologie von der Universität Prishtina „Hasan Prishtina“, Fakultät für Philosophie. Ihre Arbeit konzentriert sich auf den Erhalt des kulturellen Erbes, mündliche Geschichtsschreibung, kollektives Gedächtnis, Menschenrechte und die Erforschung von Gräueltaten – insbesondere im Kontext des Nachkriegskosovos. Im Laufe der Jahre hat sie als Forscherin zu verschiedenen Initiativen beigetragen, die sich der Dokumentation der Folgen von Krieg und politischer Gewalt im Kosovo widmen. Ihre Arbeit umfasste die Zusammenarbeit mit Überlebenden und Gemeinschaften, um persönliche Zeugnisse und historische Erzählungen zu bewahren. Besonders hervorzuheben ist ihre Mitarbeit in Institutionen wie dem „Children of War Museum“, und dem „Museum of the Krusha e Madhe Massacre“, wo sie eine zentrale Rolle bei der Sammlung und Dokumentation von Überlebendenberichten spielte und damit zu einem besseren Verständnis von Trauma, Erinnerung und Resilienz beitrug.

Ein zentraler Schwerpunkt ihrer anthropologischen Forschung ist die Dokumentation der Transhumanz (eine Form der Weidewirtschaft, die saisonale Wanderungen von Nutztieren zwischen festen Sommer- und Winterweiden) in den Bergregionen des Kosovo. Dieses Projekt, das auf einer ganzheitlichen, gemeinschaftsbasierten Methodik beruht, untersucht saisonale Mobilität, ortsgebundenes Wissen und nachhaltige Praktiken der Viehzucht. Diese Forschung hat internationale Anerkennung für ihren Beitrag zum Verständnis des immateriellen Kulturerbes und der ökologischen Anpassung in Hochlandregionen erhalten.

Derzeit arbeitet Clirimtare Januzaj als Projektkoordinatorin bei der „Youth Initiative for Human Rights – Kosovo (YIHR KS)“, einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die sich für Gerechtigkeit, Friedensförderung und Versöhnung einsetzt.

Über die akademische und institutionelle Arbeit hinaus engagiert sie sich leidenschaftlich für gemeinschaftsbasierte Kulturinitiativen, kreatives Storytelling und sozial engagierte Kunst. Sie hat an europäischen Jugendaustauschen und internationalen Foren teilgenommen sowie an Workshops zu Permakultur, ökologischer Nachhaltigkeit und kultureller Zusammenarbeit – darunter das „International Soup Festival“ in Rom. Ihr interdisziplinärer und intersektionaler Ansatz wird weiterhin durch gelebte Erfahrungen, Feldforschung und ihr Engagement für kritische Reflexion und transformative Gerechtigkeit geprägt.

Projektinfo

Clirimtare Januzaj ist Stipendiatin des Programms „Fokus International“, das in Kooperation mit dem Österreichischen Kulturministerium (BMWKMS) 2023 ins Leben gerufen wurde. Junge Kulturarbeiter:innen aus dem Kosovo (2023 – 2025) und Südafrika (2025 – 2027) werden nach Österreich eingeladen um bei ausgewählten Wiener Kunstinstitutionen zweimonatige Praktika zu absolvieren und dadurch Arbeitserfahrungen zu sammeln und die gastgebenden Institution gleichfalls durch ihre Mitarbeit zu bereichern.

Sie wird während ihrer Residency im MQ wird Clirimtare Januzaj das Team von KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien unterstützen. Im Mittelpunkt ihres Aufenthalts steht die Erforschung der Schnittstellen von öffentlicher Kunst, kollektivem Gedächtnis und gelebtem Raum aus einer anthropologischen Perspektive.

Ihre Arbeit beruht auf partizipativen Methoden und mündlicher Überlieferung. Dabei versteht sie lokale Gemeinschaften nicht als passive Beobachter, sondern als Mitgestalterinnen und Mitgestalter von Bedeutung und Erinnerung.
Besonders interessiert sie, wie der öffentliche Raum zu einem lebendigen Archiv – einer zeitgenössischen Agora werden kann, in dem kulturelle Erzählungen, Momente des Schweigens und alltägliche Gesten miteinander verwoben sind. Durch sozial engagierte Ansätze möchte sie Formen des Zuhörens, der Zugehörigkeit und der Resonanz anregen, die Menschen sowohl auf persönliche als auch auf gesellschaftlich-politische Weise mit dem Ort verbinden.