Camilo Cogua Rodriguez
Key Facts
Camilo Cogua-Rodríguez’ künstlerische Arbeit erforscht die Möglichkeiten erweiterter Animation und interdisziplinären Schaffens. Durch seine Praxis untersucht er die Grenzen von Materie, Raum und Körper und sucht nach ästhetischer Hybridisierung sowie den gemeinsamen zeitlichen Dimensionen von traditioneller Animation, Volumen und Skulptur. Sein Ansatz versteht Animation als ein physisches und wahrnehmungsbezogenes Labor, um Abwesenheit und somatische Erfahrung hervorzurufen. Er ist Autor von Werken wie „Salou, Sábado septiembre 17“ (2025), „Quisiera que el café me supiera distinto“ (2023), dem experimentellen Kurzfilm „Nocturno en Chapinero“ (2023) sowie dem VR-Werk „La ausencia“ (2022), die an Veranstaltungsorten in Nordamerika, Europa und Lateinamerika gezeigt wurden. Er promovierte in Kunst an der Universitat Politècnica de València, schreibt über das bewegte Bild in Kolumbien und wirkte an „Animation: A World History“ mit. Er ist Professor an der Pontificia Universidad Javeriana und Vorstandsmitglied der ASIFA Colombia.
Projektinfo
Abwesenheit und Distanz schreiben sich in die Zeit ein und dienen als Katalysator, um die Grenzen zwischen volumetrischer Animation, Skulptur und Licht zu erforschen. Dieses Projekt untersucht die Zeitlichkeit des Lebens durch einen intimen Kontrast: die Wahrnehmung des Alterungsprozesses einer Mutter und der Kindheit einer Tochter. Inmitten physischer Distanz werden diese Realitäten durch bildschirmvermittelte Bilder gedehnt und abgeflacht, rekonfigurieren sich fortwährend, bis die Zeit die Kindheit unausweichlich in das Erwachsenenalter und das Alter in Endlichkeit verwandelt. Es handelt sich um ein praxisbasiertes Forschungsprojekt über die Gesten, mit denen ein Kind und ein Elternteil versuchen, Distanz zu überbrücken, um Nähe herzustellen.
Während der Residency beabsichtige ich, diese konzeptionelle Forschung in ein Labor für visuelle und technische Entwicklung zu übersetzen. Mein Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen dem unbewegten Bild und der Bewegung mithilfe transluzenter Materialien zu erforschen. Ich werde analoge Animationstechniken mit computergestützten digitalen Fertigungstechnologien kombinieren, um optische Apparaturen und volumetrische Objekte zu entwickeln, die mit dem Licht in Dialog treten. Ziel ist es, jene „unmöglichen Zeiten“ physisch zu materialisieren, die im Zwischenraum existieren – weder nah noch fern.
Dieser Residency stellt eine entscheidende Gelegenheit dar, meine tägliche Praxis aus ihrem gewohnten Kontext zu lösen. Die Disziplin der Studioarbeit und die Begegnung mit einer neuen urbanen Geografie werden als Katalysatoren für die visuelle Entwicklung meiner nächsten Animation wirken. Ich hoffe, dass der kulturelle Austausch mit der Residenzgemeinschaft und meine Streifzüge (dérives) durch die Stadt es mir ermöglichen, neue Texturen und Ideen zu entdecken und die Erfahrung geografischer Verlagerung in ein greifbares ästhetisches Substrat zu verwandeln.