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Ana Schnabl

Buchcover mit grün-weißem Hintergrund und dem Titel "ANA SCHNABL GRÜN WIE ICH DICH LIEBE GRÜN" in roter und schwarzer Schrift.
Grün wie ich dich liebe Grün © Ana Schnabl
Buchcover mit schwarz-weißem Foto eines Mannes und einer Frau an einer Backsteinmauer, Titel "MEISTERWERK" in großen roten Buchstaben, Autor "Ana Schnabl" und Verlagsname "Folio Verlag".
Meisterwerk © Ana Schnabl

Key Facts

Nationalität
Slowenien
Bereich
Literatur
Wohnort
Kamnik
Empfehlende Institution

BMEIA

Zeitraum
Mai – Juni 2022
Links

www.folioverlag.com/Ana-Schnabl

Ana Schnabl (1985) ist eine preisgekrönte Autorin aus Slowenien. Ihr Erzählband „Razvezani“ („Entwirrt“) wurde 2017 auf der jährlichen Buchmesse in Ljubljana mit dem Preis für das beste literarische Debüt ausgezeichnet. Dasselbe Buch stand außerdem auf der Shortlist für den Novo-mesto-Kurzgeschichtenpreis sowie für den Mira PEN Preis. Der Erzählband wurde ins Serbische (Partizanska knjiga, 2018) und ins Deutsche (Folio Verlag, 2020) übersetzt. Die serbische Übersetzung erhielt in Kroatien den Edo Budiša Preis. Ihr zweites Buch, der Roman „Mojstrovina“ („Meisterwerk“), erschien 2020. Er wurde ins Serbische (Partizanska knjiga, 2022), Deutsche (Folio Verlag, 2022) und Englische (Istros Books, 2021) übersetzt. Im Januar 2021 schloss sie ihren zweiten Roman „Plima“ („Die Flut“) ab. Das Buch erschien im Februar 2022. Kürzlich beendete sie zudem ihre erste literarische Übersetzung, nämlich Daisy Johnsons Roman „Sisters“.

Derzeit arbeitet sie an einer Sammlung von Novellen. Sie lebt mit zwei Hunden, einer Katze und einem Menschen in Kamnik.

Projektinfo

Chiaroscuro, Novelle

Eines meiner liebsten barocken Gemälde ist „David mit dem Kopf des Goliath“ von Caravaggio, insbesondere die Version, die im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt ist. Caravaggios David ist nicht nur für den sorgfältigen Einsatz der Chiaroscuro-Technik bekannt, sondern auch dafür, dass der Gesichtsausdruck des Jungen keinen triumphierenden Sieg ausdrückt – am treffendsten lässt er sich als der Ausdruck eines Menschen beschreiben, der gerade etwas Unheimliches erlebt hat. Genau dieser Ausdruck wird sich langsam im Gesicht der Protagonistin der Novelle „Chiaroscuro“ festsetzen, die ich während meines Aufenthalts im Q21 schreiben (bzw. beenden) möchte.

In „Chiaroscuro“ kommt Clara, eine Kunstlehrerin an einer weiterführenden Schule Ende dreißig, mit dem Zug nach Wien. Zuvor hat sie eine Reihe komplizierter Tests durchlaufen, die entscheiden sollen, ob sie an der seltenen und unheilbaren Creutzfeldt-Jakob-Krankheit leidet – einer degenerativen Gehirnerkrankung, die zu schwerer Demenz, unwillkürlichen Bewegungen, Blindheit und Koma führt. Clara leidet bereits unter schlechter Sehkraft, Gedächtnisverlust, Muskelzuckungen sowie Ausbrüchen von Aggression oder Euphorie. Eigentlich hätte sie auf ihre Ergebnisse in Quarantäne warten sollen – eigentlich. Doch sie ignoriert diese Empfehlung, um vielleicht ein letztes Mal in ihrem Leben Caravaggios Werke im Kunsthistorischen Museum zu sehen. In der Galerie trifft sie auf eine Frau in ihren Zwanzigern, die auf magische, kaum glaubhafte Weise ihrem jüngeren Ich ähnelt. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen ihnen: Die junge Frau hat den Traum verwirklicht, Malerei zu studieren – etwas, das Clara ebenfalls einst wollte, sich aber nicht dazu durchringen konnte, ein Leben abseits der ausgetretenen Pfade zu wählen, ein Leben möglicher finanzieller und damit existenzieller Unsicherheit. Die beiden Frauen freunden sich an und verbringen mindestens eine Woche miteinander. Sie besuchen Galerien, Museen, Cafés und Nachtclubs. Sie diskutieren über Kunst, Liebe und Beziehungen, nehmen Drogen, trinken Alkohol, rauchen, tanzen und treffen Männer und schlafen mit ihnen. Doch jeden Tag kehren sie – zu einer festen Uhrzeit, genau um 15 Uhr – an denselben Ort zurück, an dem sie sich erstmals begegnet sind: die Bank vor dem berühmten Caravaggio-Gemälde. Claras Wahrnehmung der Beziehung und der Ereignisse wirkt zunehmend wie eine Vision, wie eine Einbildung, überlagert von ihrer fortschreitenden Demenz. So wissen am siebten Tag weder sie noch die Lesenden, ob irgendetwas davon – abgesehen von der sie anstarrenden Leinwand – wirklich wahr ist. Real.

Der Aufenthalt im Q21 mitten in Wiens Museen- und Galerienlandschaft würde es mir ermöglichen, tief in das kulturelle Gefüge der Stadt einzutauchen und meinem unzuverlässigen Narrativ – oder genauer gesagt meiner unzuverlässigen Erzählerin Clara – ein Maß an Plausibilität zu verleihen.