“Ein Ort für Experimente” – EIKON Schaufenster

EIKON – Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst – versteht sich seit ihrer Gründung 1991 als eine Plattform, die sich durch die enge Zusammenarbeit zwischen Redaktion und KünstlerInnen auszeichnet. Vom griechischen „eikón“ abgeleitet, untersucht das Magazin fotografische (Ab-) Bilder (engl.: icon) konzeptueller Gedanken. Was dieser Name zudem Weiteres birgt, beschreibt Nela Eggenberger.

Was sind Deine Aufgaben als Chefredakteurin bei EIKON?
Natürlich das inhaltliche Zusammenstellen, Koordinieren und Kontrollieren der für das Heft vorgesehenen Beiträge. Als zweisprachiges Magazin bemühen wir uns immer, einen internationalen Mix aus Künstlern, Ausstellungen und Publikationen zu besprechen. Nicht nur inhaltlich richten wir uns international aus, auch unsere Autoren leben auf der ganzen Welt verstreut, ebenso, wie unser Übersetzer in Neuseeland und unser Lektor in Berlin lebt. So praktizieren wir die Internationalität eigentlich auch in unserem Arbeitsalltag, was einen ganz eigenen Spirit – in unserem recht überschaubaren Wiener Team – zur Folge hat.

Welcher Linie folgt EIKON bei der Künstlerauswahl?
Obwohl das Heft international ausgerichtet ist, findet die österreichische Szene stets Berücksichtigung. Es wird auch darauf Wert gelegt, vor allem junge Positionen oder Projekte von etablierten KünstlerInnen, die sich in eine neue Richtung weiterentwickeln, zu promoten. Bei der Fotografie ist es zudem sehr spannend, den schmalen Grat zwischen Fotografie und Fotokunst zu beobachten. Vieles, was früher nicht als Kunst verstanden wurde, findet sich heute in Ausstellungen, z.B. Dokumentarische Fotografie. Die Frage ist, ob man heute überhaupt noch zwischen diesen beiden „Disziplinen“ unterscheiden sollte. Diese Diskussion wäre auch einmal ein spannendes Thema für’s Heft.

EIKON fördert Künstler aber nicht nur im Heft…
Ja, wir haben abgesehen vom Heft einen Ausstellungsraum, das EIKON Schaufenster in der Electric Avenue des MuseumsQquartiers, das viermal pro Jahr bespielt wird. Wir haben eine eigene Editionslinie namens Edition EIKON, die vor allem junge Kunst zu leistbaren Preisen anbietet. In letzter Zeit engagieren wir uns auch im kuratorischen Bereich, z.B. mit der Ausstellung „FRAGILE“ in der BAWAG P.S.K. Contemporary letzten Winter oder einer Schau mit den beiden Künstlern Markus Oberndorfer und Gregor Sailer, die anlässlich des Europäischen Monats der Fotografie im Oktober in Berlin zu sehen sein wird.

Das Zusammenspiel von Fotografie mit Bildender Kunst liegt nahe, Fotografie und Literatur kennt man auch, aber Fotografie und Musik?
Diese Verknüpfung kenne ich, um ehrlich zu sein, auch zu wenig. Deshalb bin ich Georg Weckwerth für seinen offenen Umgang bei seiner Kabelschau – „Connecting Sound Etc.Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere“ dankbar, denn zum Thema „Kabel“ ist mir schon etwas eingefallen. So kam auch die gemeinsame Präsentation (im freiraum quartier21 INTERNATIONAL und im EIKON Schaufenster) von Jürgen Klauke zustande, der das Kabel wohl auch eher als eine Art Nabelschnur, Stromleiter oder Fäden einer Marionette versteht, und nicht als Träger von Musik.

Wie lässt sich Medienkunst aber in einem Printmedium darstellen?
Das ist schwierig. Wir denken derzeit darüber nach, den Inhalt des Hefts stärker mit dem Internet zu koppeln. In der kommenden EIKON-Ausgabe gibt es dazu einen erstmaligen Versuch. Ein Wunsch für die Zukunft ist, einen Videocorner auf unserer Website einzurichten. Derzeit ist das leider aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel noch Zukunftsmusik.

Ist das EIKON Schaufenster auch ein Refugium dafür?
Genau, hier werden häufiger Videos und Installationen als Fotografien gezeigt. Es ist ein Ort für Experimente, die eingeladenen KünstlerInnen haben viel Freiheit bei der Konzeption ihrer Ausstellung. Wir sehen uns auch nicht auf Medienkunst im klassischen, „strengen“ Sinne beschränkt. Man könnte vielleicht auch sagen, dass die Medienkunst für uns eine Erweiterung der Fotografie ist.

Ist die Kooperation mit der Galerie Raum mit Licht ebenfalls der Intention entsprungen, dem installativen Charakter von Medienkunst gerecht zu werden?
Nein, bei „UNFRAMED“, das am 9. September starten wird, geht es eigentlich darum, die Distanz zwischen Betrachter und Kunstwerk aufzuheben, um Arbeiten nicht nur visuell sondern auch haptisch erfahrbar zu machen. Wir werden die Kunst also buchstäblich aus dem Rahmen nehmen, und sie buchstäblich greifbar machen. Das ist auch irgendwie ein kleines Experiment.

(Wie) Beschäftigen sich analoge und digitale Fotografie miteinander?
Die analoge Fotografie wird weniger, auch in der Kunst. Einerseits deswegen, weil es eine Kostenfrage ist, andererseits sterben Fotopapiere aus. Und Scans müssen erst mühsam angefertigt werden. Interessant ist, wie KünstlerInnen diesen Wandel behandeln. Ira Lombardía, eine Künstlerin, die wir in unserer aktuellen Ausgabe vorstellen, berichtete mir von ihrem Versuch, staubfreie Scans ihrer analogen Fotos zu machen. Da es ihr nicht gelang, ging sie letztendlich dazu über, nur noch den Staub, der sich auf dem Gerät sammelte, zu scannen. Oder Anna Vogel, eine ebenfalls junge Künstlerin, die Collagen aus im Internet gefundenen Bildern zusammenstellt und diesen, durch verschiedene manuelle Eingriffe, das Barthes’sche „Es-ist-so-gewesen“ der (analogen) Fotografie nimmt: das zu Sehende ist nicht mehr klar erkennbar, der Referent „haftet“ in ihren Bildern nicht mehr.

Was unterscheidet zeitgenössische Fotografie von Medienkunst? Ist es eher das Bewegte, also Performative, Installative oder das Interdisziplinäre? Unter dem Begriff Medienkunst wird sofort Interdisziplinäres assoziiert, Fotografie hingegen erscheint als „reine“ Disziplin…
Medienkunst hat sich in vielen Fällen aus der Fotografie heraus entwickelt, darum wohl auch der besondere Stellenwert der Fotografie. Der Begriff wird, wie so viele, heute viel breiter gefasst. Wir als Zeitschrift haben diesbezüglich einen ebenfalls sehr offenen Umgang und zählen nicht nur die Neuen Medien wie Internet und Video etc. dazu, sondern z.B. auch die künstlerische Beschäftigung mit unterschiedlichen Medien. Erwin Wurm wäre etwa hierfür ein Beispiel, bei ihm ist von Performances über Zeichnung, Fotografie und Plastik alles dabei.

Schreibst du Fotografie mit „f“ oder „ph“?
Mit „f“. Nein, stimmt nicht ganz: In unserem Untertitel schreiben wir die Fotografie immer noch mit „ph“. Das ist aber geschichtlich bedingt.

EIKON

EIKON Schaufenster

Jürgen KLauke: Experimentelle Neurose

Connecting Sound Etc.
Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere

Ausstellung, kuratiert von Georg Weckwerth,  vom 05.06. bis 24.08., Di-So 13-19h

freiraum quartier21 INTERNATIONAL
Eintritt frei

 

Interview: Sylvia Wendrock

Foto: © Daniel Pufe

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