Andrea Fraser

Andrea Fraser, Projection 2008, Foto: mumok, (c) Andrea Fraser

Date: Sat, Feb 04 2012 - Sun, Jun 03 2012,

Andrea Fraser
Projection

Datum: 04.02. bis 03.06.
Ort: mumok

Andrea Fraser
Projection, 2008
Zwei Kanal High Definition Videoprojektion
50 min

Die amerikanische Künstlerin Andrea Fraser zählt zu den wichtigsten VertreterInnen der institutionskritischen Kunst seit den 1990er Jahren. In ihren Arbeiten analysiert sie die Funktionen von Kunst und Kunstbetrieb aus soziologischer, psychoanalytischer und feministischer Perspektive. Bekannt wurde sie mit ihren "gallery talks", bei welchen sie sich in die Rolle einer Kunstvermittlerin begeben hat. Mit hoher schauspielerischer Kompetenz und formaler Präzision setzt sie sich dabei kritisch mit den Ausstellungsweisen, Hierarchien und der Ankaufspolitik in Kunstinstitutionen auseinander. In einer Reihe von sogenannten "Kunst-Services" konzentriert sie sich auf die Analyse von Betriebsabläufen und Mitarbeiterstrukturen in kulturellen Institutionen. Frasers Performances, Texte, Video- und Audioarbeiten legen auf zynisch-humorvolle und provokative Weise die verdeckten persönlichen und gesellschaftlichen Konflikte in der Produktion, Rezeption und Präsentation von Kunst, sowie die Bedeutung der Medien bei der Berichterstattung über diese offen.

Die zwei Kanal Videoinstallation Projection ist eine der aufwendigsten und zugleich konzentriertesten Arbeiten von Fraser, in der sich zentrale Aspekte ihres bisherigen Schaffens verschränken. Die beiden 50 Minuten langen Videos, die auf gegenüberliegende Wände des Ausstellungsraumes projiziert werden, basieren auf Aufzeichnungen intensiver psychoanalytischer Sitzungen der Künstlerin. Fraser übernimmt beide Rollen: auf der einen Seite spielt sie sich selbst, d.h. eine institutionskritische Künstlerin mitsamt ihren Fantasien, Selbstzweifeln und paradoxen Verstrickungen ins Kunstsystem; auf der anderen Seite erscheint sie als eine Psychoanalytikerin, die die Funktion der Kunst aus der Perspektive des gesellschaftlichen "Über-Ichs" in Frage stellt. So entwickelt sich ein dramatischer und vielschichtiger Dialog, in den die BesucherInnen, die zwischen den lebensgroßen Projektionen stehen, buchstäblich eingespannt werden. Der Rezipient nimmt so die Position des "Gegenübers" ein, dem Fraser das ganze Spektrum an inneren Konflikten angesichts eines ebenso leistungsorientierten wie idealistisch überfrachteteten Kunstsystems vorführt.


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