Ein architektonischer Rundgang durch das Areal
Betritt man das MuseumsQuartier durch den Haupteingang des Fischer-von-Erlach-Traktes, befindet man sich im MQ Haupthof, einem der größten geschlossenen Plätze der Stadt. Geradeaus steht man vor der ehemaligen Winterreithalle im klassizistischen Stil - die nunmehrige Veranstaltungshallen „Halle E+G" mit der dahinter liegenden neuen KUNSTHALLE wien. Seitlich erheben sich die beiden leicht schräg gestellten Neubauten, links das LEOPOLD MUSEUM und rechts das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK). Die Bauten stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander und beziehen sich ebenso auf die städtebauliche Situation der Innenstadt und des dahinter liegenden 7. Bezirks, wie auf die inhaltlichen Unterschiede der Institutionen, die sie beherbergen.
Der helle Bau des LEOPOLD MUSEUM nimmt als einziges Gebäude im Areal die orthogonale Ordnung der ehemaligen Hofmuseen auf und führt damit die Achse des ehemals geplanten Kaiserforums fort. Das rechts gelegene Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien spiegelt hingegen die blockartige Bebauungsstruktur des 7. Wiener Gemeindebezirks wider. Im Hof selbst herrscht das räumliche Quadrat der ehemaligen Hofstallungen vor, das in einem leichten Winkel von dieser Achse abweicht.
Links und rechts von der ehemaligen Winterreithalle führen jeweils große Freitreppen zu den Eingängen der beiden Museen, LEOPOLD MUSEUM und MUMOK, hinauf. Von dort geht es über Treppen und Brücken auf das Dach des Ovaltraktes und weiter in den angrenzenden 7. Bezirk. Der Eingang in das gemeinsame Foyer der Halle E+G sowie in die KUNSTHALLE wien befindet sich auf der rechten Schmalseite der ehemaligen Reithalle. Damit werden die Gebäude wie auch schon in historischen Zeiten vom Seiteneingang her betreten.
Farblich setzt sich die weiße Kalksteinpflasterung des Hofes an der Fassade des LEOPOLD MUSEUM fort. Sie symbolisiert die konsolidierte Geschichtlichkeit der Sammlung Leopold. Der steinerne blockhafte Kubus übernimmt die Rolle des feingliedrig Kultivierten und reicht 24 Meter über und in drei Untergeschoßen 13 Meter unter die Erde. Um das innere Atrium reihen sich fast radförmig die Ausstellungssäle, die in den oberen Etagen sehr lichtdurchflutet sind.
In deutlichem Kontrast dazu steht die Fassade des MUMOK mit ihrem anthrazitfarbenen Basalt Der schlanke Steinkörper scheint mit seinem sphärisch gekrümmten Dach eben aus der Tiefe aufgetaucht zu sein. Die Kanten des Gebäudes sind abgerundet, sodass im Gegensatz zur preziösen Kantigkeit des LEOPOLD MUSEUM der Eindruck entsteht, dass sich hier ein Körper erst formt. Es verfügt über zwei Unter- und drei Obergeschoße, die im Inneren von einem durchgehenden, 41 Meter hohen Raum verbunden werden. Die Eingangsniveaus beider Museen befinden sich in einer Höhe von vier Metern, was den steil ansteigenden Geländesprung hinauf zum 7. Bezirk mildern und relativieren soll.
Die KUNSTHALLE wien dagegen ist außen zur Gänze mit roten Ziegeln verkleidet. Der Baukörper ist ganz im Gegensatz zu den vorderen Gebäuden mit seinen musealen Sammlungen zur Gänze aus Ziegeln und erinnert an eine Werkhalle. Damit wird auf den Inhalt, Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst, Bezug genommen. Von außen zeigt sich die KUNSTHALLE wien als liegender Kantblock, an beiden Enden glatt abgeschnitten. Als eigenständiger Baukörper liegt sie dicht angerückt längsseits der Reithalle und überlappt mit ihrem Ziegeldach deren Dachsaum. Die KUNSTHALLE wien hat nur Lichtschlitze an den Stirnseiten, sonst keinerlei Öffnungen für Tageslicht, was einem expliziten Wunsch der KUNSTHALLEN-Leitung entspricht: Kunstlicht als konsequentes Konzept zur Wahrnehmung der Kunst.
Geeint werden die verschiedenen Bauten durch den Kontext des Areals, wie etwa die gemeinsamen Innenhöfe mit ihren zahlreichen Schanigärten.
Setzt man den Rundgang vom Haupteingang aus entlang des Fischer-von-Erlach Trakts nach links Richtung Mariahilfer Straße fort, gelangt man in den Fürstenhof mit den drei Kinderinstitutionen des MuseumsQuartier: dem ZOOM Kindermuseum, dem DSCHUNGEL WIEN Theaterhaus für junges Publikum und der wienXtra-kinderinfo. Früher waren hier Wagenremisen sowie eine Pferdeschwemme untergebracht. Geht man weiter in den „Klosterhof", passiert man eine der vier künstlerische gestalteten Themenpassagen am Areal, die „KABINETT comic Passage" mit einem Deckengemälde von Stéphane Blanquet. Über den Klosterhof erreicht man schließlich eine der größten Shoppingmeilen Österreichs: die Mariahilfer Straße.
Folgt man vom Haupteingang aus dem Fischer-von-Erlach Trakt, der größtenteils das sogenannte „quartier21" beherbergt, in die andere Richtung gelangt man durch die der Klangkunst gewidmeten Themenpassage „TONSPUR_passage" in den Staatsratshof. Früher waren hier Sattlerwerkstätten, Wagenremisen sowie Leder- und Heukammern untergebracht. Heute befinden sich hier das Architekturzentrum Wien, das designforum Wien sowie die Modeboutique Combinat. Wendet man sich nach links kommt man durch einen Durchgang in den Sattlerhof. Hier ließ Kaiserin Sisi im 19. Jahrhundert eine oktogonale Zirkus-Reithalle errichten, in der heute die Bibliothek des Architekturzentrums untergebracht ist.
Zurück zum Fischer-von-Erlach Trakt, in dem sich zu Kaisers Zeiten ebenerdig die Pferdestallungen befanden. Heute sind hier auf der einen Seite die beiden Veranstaltungshallen „Ovalhalle" und „Arena21", die extern für verschiedenste Anlässe (Firmenfeiern, Messen etc.) gemietet werden können sowie der Ausstellungsraum des quartier21, der „freiraum quartier21 INTERNATIONAL". Auf der anderen Seite sind im Erdgeschoß die Buchhandlung Walther König, das Restaurant Kantine, sowie die zum quartier21 gehörende „Electric Avenue" untergebracht. In den oberen Stockwerken der barocken Fassaden, ehemals die Wohnräume der Hofangestellten, befinden sich heute die Büroräumlichkeiten der MuseumsQuartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft, Kulturbüros des quartier21 sowie private Wohnungen.