Die Architektur: eine gebaute Vision
Das heutige MuseumsQuartier hat eine bewegte Geschichte. Zwischen dem Beginn des Baus der kaiserlichen Hofstallungen Anfang des 18. Jahrhunderts, der späteren Nutzung als Messe- und Ausstellungsgelände und der Eröffnung des MuseumsQuartier Wien im Jahr 2001 liegen fast 300 Jahre. Die Baugeschichte ist gekennzeichnet von Unterbrechungen und Erweiterungen. Die auf den ersten Blick homogen wirkenden Altbauten entstammen verschiedensten Bauphasen - nicht erst der Umbau zum MuseumsQuartier hat dem Komplex neue Gebäude beschert, auch wenn die zuletzt errichteten Neubauten das Erscheinungsbild des MQ zur Zeit sicher am augenfälligsten prägen. Das österreichische Architekturbüro Ortner & Ortner, das u.a. auch mit Projekten in Zürich, Dresden und Berlin für Aufsehen sorgte, realisierte mit dem MuseumsQuartier einen Raum, der die vorhandene historische Bausubstanz mit zeitgenössischer Architektur verbindet. Zudem ermöglichte Laurids Ortner mit seiner Planung auf allen Ebenen eine Verknüpfung zwischen Alt und Neu, Kunst und Naherholung, KünstlerInnen und Publikum.
Das MuseumsQuartier entstand in einem revitalisierten Ensemble barocker Hofstallungen mitten im Stadtzentrum von Wien. Gemeinsam mit der Hofburg, der Neuen Burg, dem Kunst- und Naturhistorischen Museum repräsentiert das Areal ein historisch einzigartiges Kraftfeld, das ursprünglich den Abschluss des geplanten „Kaiserforums" bilden sollte. Als größter Kulturbau in der Geschichte der Republik Österreich eröffnet das MuseumsQuartier mit seinen zahlreichen Portalen und Durchgängen, dem neu gestalteten Vorplatz und den Erholungszonen im Inneren eine städtebauliche Verbindungsachse, die die einzelnen Kulturräume der Stadt noch näher zusammenrücken lässt.
Das generell bestimmende Motiv für das MuseumsQuartier - nach außen wie auch nach innen - ist das Zusammenspiel von historischer und zeitgemäßer Architektur. Am auffälligsten sind dabei die großen Neubauten im MQ Haupthof: das LEOPOLD MUSEUM, das Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK) sowie die KUNSTHALLE wien hinter der ehemaligen Winterreithalle. Diese Bauten stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander und beziehen sich ebenso auf die städtebauliche Situation der Innenstadt und des dahinter liegenden 7. Bezirks, wie auf die inhaltlichen Unterschiede der Institutionen, die sie beherbergen. Eine genaue architektonische Beschreibung dazu findet sich in „Ein architektonischer Rundgang durch das Areal".
Für die Renovierung und Adaptierung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäudesubstanz zeichnete Architekt Manfred Wehdorn verantwortlich, insbesondere für den Fischer-von-Erlach-Trakt, in dem heute das quartier21 untergebracht ist. Die Einbauten in den barocken Altbestand entsprechen der Wiener Tradition der „Kleinen Architektur" und wurden von jungen österreichischen ArchitektInnen gestaltet.
In der Electric Avenue, dem Ovaltrakt und transeuropa steht daher die Betonung der historischen Teile des MuseumsQuartier im Vordergrund:
So variiert die mäandernde Straße der Electric Avenue (Architektonische Planung: PPAG Anna Popelka und Georg Poduschka) mit ihren Shops und Präsentationsräumen kantig den Rhythmus der Nischen und Fenster des barocken Bestandes. Auch die Glaswände, die die Durchgänge vom Vorplatz zum Hof begleiten, werden in den Rhythmus einbezogen. Wände und Decken sind homogen silberbeschichtet. Im Oberdeck befinden sich Büros. Im Ovaltrakt (Architektonische Planung: BEHF) entstanden durch die teilweise rhythmische Öffnung des Dachs nach Süden kleine begrünte Innenhöfe. Sie dienen als Pufferzone zwischen öffentlicher Passage, Wohn-, Büro- und Schlafräumen.
Im freiraum quartier21 INTERNATIONAL im transeuropa-Bereich (Architektonische Planung: awg_AllesWirdGut) fungiert ein frei im Raum stehender Möbeleinbau als Basisstation für den 400 m2 großen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Als verbindendes Element erstreckt sich das flexibel nutzbare Möbel wie ein Rückgrat durch die Gebäudespange. Durch die Ausbildung einer Galerieebene entstehen mehrere Räume. Optisch prägend ist die Schuppenhaut aus grauen Eternitplatten.
Einen bedeutenden Teil des architektonischen Gepräges des MQ bilden die barocken Bögen und Decken, die in der Gestaltung der gastronomischen Einrichtungen unterschiedlich in Szene gesetzt werden:
Die HALLE wurde im stilvollen, denkmalgeschützten Ambiente der ehemaligen Winterreithalle und der historischen Kaiserloge vom Architekten der Gruppe EOK - Gregor Eichinger, in ein modernes Café-Restaurant umgewandelt. Die elegante Einrichtung (Eichinger oder Knechtl) bildet einen modernen Kontrapunkt zum alten Stuck. Für die Gestaltung des Café Restaurants CORBACI zeichnen die französischen Architekten Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal verantwortlich. Das Muster der Deckenfliesen wurde in Zusammenarbeit mit den Architekten von der in Wien lebenden türkischen Künstlerin Asiye Kolbai-Kafalier speziell für diesen Raum entworfen und in Istanbul produziert. Das Glacis Beisl wiederum wurde vom Architekturbüro Arkan Zeytinoglu neu gestaltet und verbindet Beisltradition mit modernen Elementen. Dunkles Holz kombiniert mit absinthgrünen Resopaltischplatten und ein Gussterrazzo-Boden prägen den Gesamteindruck. Der Wintergarten und die Pergola fassen den Raum des Gastgartens und verbinden diesen mit dem Innenraum. Der Sonnenschutz als Außenhülle im Freibereich bildet durch die formale Auflösung seiner Oberfläche eine Schnittstelle zur Umgebung.