„Die Arbeit unter freiem Himmel ist immer unvorhersehbar“

Am Wochenende geht das TONSPUR_live_open_air_2014  über die Bühne. Im Zuge des MQ Summer Of Sounds wird dabei der Innenhof rund um das Wasserbecken von der kanadischen Soundkünstlerin Anna Friz beschallt. Wir haben ihr im Vorfeld ein paar Fragen gestellt.

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Was ist das Tonspur_ live_open_air, und was kann ich mir als Besucher davon erwarten?

Das Tonspur_ live_open_air ist eine Präsentation von Multi-Channel-Sound draußen, auf einer offenen, öffentlichen Fläche. Die Tonspur hat ja ohnehin schon eine permanente Installation in der Tonspur Passage im MuseumsQuartier. An diesem Wochenende wird das Ganze aber in den Hof verlegt, rund um das Wasserbecken. Aber nicht auf eine Bühne, sondern integriert in das Geschehen im MQ.

Welche Rolle nimmst du dabei ein?

Das Thema ist heuer „A Gathering of Canadian Sounds“, Gastkurator ist Darren Copeland von New Adventures in Sound Art in Toronto. Im Zuge dessen wurde auch ich eingeladen. Ich werde live auftreten, mit einer Kombination aus Sounds, die vorher aufgenommen wurden, und solchen, die ich vor Ort generieren werde. Das Stück heißt „breakwater“ und es werden verschiedenste Teile vorkommen: Manche wurden unter Wasser im Baltischen Meer aufgenommen, andere an einem Strand in Polen, meiner Badewanne oder aus dem Radio. Dazu kommen „radiophonic instruments“ wie Walkie-Talkies, Transmitter und Theremin, die live dazu gespielt werden. Meine Idee dahinter war ursprünglich, dass sich Sounds von unter und über der Wasseroberfläche aufeinander zubewegen und sich dort treffen. Nachdem ich realisiert habe, dass sich die Installation rund um einen Pool bewegen wird, habe ich gezielt Elemente aufgenommen, die das reflektieren.

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Was ist das Besondere daran, im öffentlichen Raum zu arbeiten?

Unter freiem Himmel zu arbeiten ist immer unvorhersehbar. Der Sound hängt vom Wetter ab, insbesondere vom Wind. Darüber hinaus auch von der Architektur des Platzes, anderen Events in der Nähe, der Anzahl an Menschen, ob sie stehen und zuhören oder sich nur vorbeibewegen. Wenn meine Installationen in einer „stabileren“ Atmosphäre stattfinden, arbeite ich technisch normalerweise gerne mit einer gewissen Instabilität, indem ich bestimmte Transmitter einsetze. Am Wochenende wird die Technik allerdings sehr kontrolliert sein, dafür die Umgebung überhaupt nicht. Die Improvisiererin in mir freut sich sehr darauf. Es verlangt von mir, mich genau in den Moment reinzufühlen.

Die Improvisiererin in mir freut sich sehr darauf.

Kannst du uns ein bisschen über dich selbst erzählen?

Ich bin eine Soundkünstlerin aus Kanada. Momentan befinde ich mich in einer „nomadischen Phase“, aber irgendwann werde ich wahrscheinlich nach Montreal zurückkehren. Ich habe während der guten alten Zeit des Analogradios angefangen, dort Independent-Shows mit sehr komischen Sounds zu machen. Wahrscheinlich konzentriert sich meine Arbeit deshalb weiter auf die „Materialität“ von Sound. Ich arbeite auf viele Arten mit Sound, aber das Zentrum ist weiter Radio und die Kunst der Transmission. Letzteres nicht nur in Bezug auf Radiowellen, sondern auch im sozialen Sinne.

Ich arbeite auf viele Arten mit Sound, aber das Zentrum ist weiter Radio und die Kunst der Transmission.

Du hast schon vorher Projekte in Österreich umgesetzt, oder?

Das erste mal war ich 1999 in Österreich, im Zuge einer Kooperation zwischen Vancouver und dem ORF Kunstradio in Wien. Ich habe seitdem eine ganze Menge an Soundstücken für das Kunstradio gemacht und auch an größeren Projekten gearbeitet, zum Beispiel für die Ars Electronica. Ich habe auch im Echoraum und im rhiz in Wien gespielt, auch einmal in Linz. Über die Jahre hinweg habe ich einige großartige und nette Komponisten und Menschen in Österreich kennengelernt, die mich immer wieder zurückkommen lassen. Die und die ganzen wunderbaren Dinge, die hier in den Museen herumliegen.

Das TONSPUR_live_open_air_2014 findet Samstag, 16.08. und Sonntag 17.08. zwischen 11 und 17 Uhr am Wasserbecken im Museumsquartier Wien statt. Der Eintritt ist frei.

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