Der neue Flagship Store wird der Online Store sein.

Standard lud zum ersten Teil der zweiteiligen Podiumsdiskussion „Braucht Mode einen Ort?“ in den wohl kühlsten Ort Wiens des gestrigen Abends, die Arena21 im Museumsquartier. Die begeisterte Teilnahme war endend wollend. Besonders schade: die, die sich Tag ein Tag aus als Fashion-Pros betiteln, glänzten mit Abwesenheit.

Modejournalist Stephan Hilpold regte, als Moderator des Abends, zur Diskussion an.

Seine Podiumsgäste:

Michael Michalsky, Designer
Anne Petersen, Fashion Director Brigitte
Alain Moreaux, Country Sales Manager vente-privee.com
Stefan Siegel, CEO Not just a Label

Hilpold sprach über die unglaublich wachsenden e-commerce Zahlen weltweit. Moreaux erklärte, dass selbst ein Online Unternehmen eines auf jeden Fall befolgen sollte, wenn es um die Beantwortung der Frage „Was sind die drei wichtigsten Dinge?“ geht:

„1. Location, 2. Location und 3. Location!“,

und deshalb das Unternehmen seinen Standort in Paris für entscheidend hält, obwohl ihre Kunden ausschließlich vor dem Computer – hauptsächlich zwischen zehn Uhr Abends und drei Uhr früh – zu finden sind.

Michalsky liebt Berlin als Stadt der Mode und ist völlig unbeeindruckt, dass zeitgleich zur Haute Couture Woche in Paris die Berlin Fashion Week stattfindet, da es in diesen Bereichen überhaupt keine Schnittpunkte gäbe und Haute Couture ja nur mehr eine Olympiade von Handwerkern der letzten alteingesessenen Modehäuser sei. Den Kunden, der lieber online shoppt, versteht er zum Teil, da die High-Fashion Streets in allen Städten, ob Barcelona, Berlin, London oder New York mit den genormten Erscheinungsbildern der Auslagen, die zentral gesteuert werden, und zur gleichen Zeit identische Kleidungsstücke präsentieren „dem Kunden langsam aber sicher natürlich aufstößt“ und der gar keine Lust mehr auf das haptische Einkaufserlebnis mehr hat.

Während Siegel den Standpunkt vertritt, dass Mode überall entstehen kann und entsteht, sieht Petersen das Internet als selbstverständliches Medium und ist überzeugt, dass die Zielgruppe bei Brigitte.de längst nicht mehr bei den ‚Early Adopters’ zu suchen ist und betonte, dass die Vogue nur einen Bruchteil an Usern hätte. Sie verglich unsere derzeitige Modekonsumentensituation mit Bulimie, da die Kunden völlig ungehemmt am Wochenende einkaufen „um zu Hause dann alles wieder auszukotzen“.

Bei Stefan Siegel war neben der Tatsache, dass er überzeugt ist, das perfekte und einzige Konzept mit „Not Just A Label“ für Jungdesigner gefunden zu haben, eines ganz klar: Er hasst Blogger und findet „90% der Blogs sind unter aller Sau“.

Die Standpunkte sind glasklar, eine richtige Diskussion aus Fleisch und Blut entstand leider nicht. Was mich persönlich traf war nicht Siegels Ablehnung zu Bloggern, aber folgendes Statement, das ich gestern Abend nicht zum ersten Mal hörte: im Schnitt landet ein Kleidungsstück nach vier maligem Tragen im Müll. Ist das Euer ernst?