Die Herbststraße am Puls der Zeit

Die „Performance“ (12/13. April) ist zum jährlichen Pflichttermin für Modebewusste geworden. Auch mit der erfolgreichen Schmuckausstellung „3041mm Schmuck“ im Studio Kasulke (19/20 April) und mit den beiden Diplomfashionshows „Klamottenlauf“ im WUK (30. März) und Modeakt im Museum für Völkerkunde (14. April ) machten die AbsolventInnen der Herbststraße von sich reden. Viel Beachtung findet auch die jährliche Mithilfe zur großen Eröffnungsshow des Lifeballs. Erst kürzlich konnten, bei der Eröffnungsvernissage von „16 Keep_on“ im Project Space der Kunsthalle Wien (noch bis 17.Juni) zur Abwechslung mal die SchülerInnen die Ausstellungsobjekte der LehrerInnen unter die Lupe nehmen. Am 19. Juni lädt die Herbststraße zur Vernissage der „schau! Werk 12“ Ausstellung ins Ephesos Museum im Kunsthistorischen Museum. Das handwerkliche Können der SchülerInnen der Kunstschule Herbststraße im Bereich Holz, Metall, Keramik, Stoffdruck, Weberei sowie Gold und Silberstickerei kann dort von 20.6. – 30.9.2012 betrachtet werden. Das fulminante Showdown der Herbststraße-Präsentationen findet zur Eröffnung des „Summer of Fashion“ am 15. Juni im MQ statt, wenn die Kolleg-Studierenden ausgewählte Stücke der Abschlusskollektionen präsentieren.

Es scheint sich viel zu tun an der “Herbststraße“?

In den letzten zwei Jahren ist es bei uns immer wichtiger geworden, dass alle Ausbildungen in irgendeiner Weise durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen vertreten sind. Die Herbststraße hat ja zwei Bereiche, zum einen den der Mode sowie zum anderen den der Kunst. In meiner letzten Funktion als Kunstkoordinatorin war es mir vor drei Jahren ein besonderes Anliegen, das Bewußtsein dahingehend zu stärken, dass die Herbststraße neben einer Modeschule auch eine Kunstschule ist. Die Arbeiten der SchülerInnen werden einer kunstinteressierten Öffentlichkeit präsentiert, was in Kooperation mit renommierten Kunstorten möglich ist.

Erst kürzlich zeigten die SchülerInnen und StudentInnen der Herbststraße anlässlich der Performance´12 ihr kreatives Potenzial und Können…

Den Höhepunkt boten historische Kostüme, welche in der Meisterklasse/Schwerpunkt Bühnenkostüm entstanden. Bei dieser jährlich stattfindenden Präsentation ist es eines unserer primären Anliegen, dass SchülerInnen und Studierende ihre eigen entworfenen und realisierten Designs auch selbst vorführen – sofern sie das wollen. Nur dadurch erfahren sie auch den unmittelbaren Zuspruch von Seiten des anwesenden Publikums.

summer of fashion mqfashion Modeschau herbststrasse summer of fashion mqfashion Modeschau herbststrasse Welche Zusammenarbeit ist mit dem Museumsquartier anlässlich des „Summer of Fashion“ geplant?

In Zusammenarbeit mit Daniela Enzi (MQ), Zigi Müller und Maria Oberfrank (creative headz), wurde ein Konzept entwickelt, welches ausgewählte Stücke der Abschlusskollektionen unserer Kolleg-Studierenden für die Eröffnung des „Summer of Fashion“ im MQ vorsieht. Dies bedeutet, dass diesjährige Abschlusskollektionen, die im WUK und im Völkerkundemuseum erstmals im Rahmen der Abschlusspräsentation der beiden Kolleg-Klassen präsentiert und einer Jury vorgeführt wurden. Die besten 100 Stücke werden am 15. Juni im Museumsquartier zur Eröffnung zu sehen sein.

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Was tut die Herbststraße“, um am Puls der Zeit zu bleiben?

Um schulisch bzw. inhaltlich aktuellen wirtschaftlichen Erfordernissen bzw. technischen Neuerungen entsprechen zu können, ist es ein großer Vorteil, auf LehrerInnen und Fachkräfte zählen zu können, die durch zahlreiche Projekte kontinuierlichen Kontakt zur Wirtschaft haben, sowie andererseits eine eigene selbständige, künstlerische Tätigkeit verfolgen. Auch ich versuche ein bis zwei freiberufliche Projekte im Jahr durchzuführen, um eben am Puls der Zeit zu bleiben. Der Praxisbezug in Projekten ist eigentlich das Um und Auf. Wir versuchen daher immer wieder jenen die Möglichkeit zu bieten, bei besonderen Projekten – außerhalb des schulischen Geschehens – mitarbeiten zu können: keine Simulation, sondern Bewährung im realen Kontext von Events. Der so gewonnene Praxisbezug stellt eine unbezahlbare Erweiterung des Wissens zum vermittelten Lehrstoff und Inhalten eines Semesters dar.

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Viele Freischaffende haben das Gefühl in Österreich an ihre Grenzen zu stoßen und gehen ins Ausland …

Die österreichische Mentalität ist bekannter Weise eine gemütliche. Es braucht immer etwas länger, bis sich Neues, Besonderes hierzulande durchsetzt, aber dann verteidigt man es hartnäckig. Man denke beispielsweise nur an Helmut Lang, der seinen besonderen Erfolg und sozusagen die „heimische“ Anerkennung doch erst durch seine Tätigkeit außerhalb Österreichs erzielte. Die kreativen Modebetreibenden und Modemacher, die durchaus prädestiniert dafür sind, Großartiges in die Modebranche einzubringen, sind ja da. Ich glaube, es braucht ein Umdenken in der österreichischen Gesellschaft, nämlich dahingehend, dass Mode wieder den entsprechenden Stellenwert bekommen muss, so wie sie es beispielsweise Ende des 19. oder Anfang bzw. Mitte des 20. Jahrhunderts hierzulande gehabt hat.

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Mit der Auflösung des Bakkalaureatsstudiums in Hetzendorf bleibt die Modeklasse der Angewandten als einzige universitäre Ausbildung im Bereich Mode übrig. Jetzt gibt es immer mehr Stimmen, die einen zweiten universitären Lehrgang fordern.

Einfach zu sagen, „wir fordern einen zusätzlichen universitären Lehrgang“, ist schwierig. Ich finde es sehr schade, dass die Klasse in Hetzendorf nicht mehr weitergeführt werden darf. Berechtigt ist aber auch die Frage: Was macht die Linzer Universität in Wien? Ich erachte es als sehr wichtig, zu hinterfragen, welchen Schwerpunkt eine Ausbildung verfolgt und mit welchen Kompetenzen AbsolventInnen ins Berufsleben bzw. die freie Wirtschaft entlassen werden. Wenn einzelne Studienrichtungen keine Konkurrenz zueinander darstellen und sich inhaltlich klar positionieren, so wie verschiedene textilspezifische Ausbildungen derzeit an der Universität für angewandte Kunst und der Akademie der bildenden Künste, ja dann sind weitere universitäre Studienrichtungen in Wien natürlich zu befürworten. Ich vertrete die Meinung: Je höher qualifiziert wir kreative, junge Leute in die Wirtschaft schicken können, umso bessere Voraussetzungen sind für einen erfolgreichen Berufseinstieg gegeben und umso größer ist die Bereicherung der heimischen Kreativwirtschaft. Die bisweilen zu hörende Rede von einer Übersättigung des Marktes mit Textil- und ModeabgängerInnen ist Unsinn. Fachleute wissen, dass diese Behauptung, vor allem im Zusammenhang mit dem akademischen Bereich absolut nicht zutrifft. Um dem Interesse und der Nachfrage junger Kreativer gerecht zu werden sowie den künftigen Herausforderungen und Anforderungen der Wirtschaft entsprechen zu können, müsste man meiner Meinung nach in Wien durchaus weitere textil-spezifische Ausbildungen auf Hochschulniveau in der österreichischen Bildungslandschaft implementieren.

 

MQ & Modekolleg Herbststrasse
Modeschau der Abschlussklasse
 im Rahmen von MQ Summer of Fashion
15. Juni
Beginn: 19.30 Uhr im MQ Haupthof

Text: Vera Kravanja lebt als freie Modejournalistin in Wien. Startbild © Lutnyk

Cover-Foto: © Lutnyk
Foto 2: Performance 12 © Lutnyk
Foto 3: Modekollegtiv, Diplommodenschau Kolleg A im WUK, © Benedikt Simon Hageneder
Foto 4: Modeakt, Diplommodenschau & Vernissage Kolleg B im Völkerkundemuseum, © Hoffrichter
Foto 5: “magic pearls” by Anja Schober in der Ausstellung 3041 mm Schmuck © Lutnyk
Foto 6: 16 Keep_on in der Kunsthalle Wien project space © Lutnyk
Foto 7: “Ghosts – Mädchen in Rüstungen”, schau! Werk 12, Ephesos Museum