Insider Wien: Susanne Bisovsky
Sie schwebt fern von Modefotografie, Massenproduktion und Mainstream. Sie setzt auf Handwerk und Tradition, Vergangenes und Vergessenes. Susanne Bisovsky ist Designerin und Künstlerin. Sie lebt in Wien. Ihre aktuelle Prêt-à-porter-Kollektion heißt „Mitgift“.
Welcher Ort verkörpert für Sie das traditionelle Wien?
Die BAST, eine 1946 gegründete Wiener Genossenschaft und der größte Vertrieb von österreichischem Gemüse. Es ist sehr aufschlussreich, Bauern und Händler beim Ver- und Ersteigern zu erleben.
Welche Wiener Designer muss man heutzutage kennen?
Die Wiener Kreativszene ist voll von Modepäpsten, Modezaren, Stylegurus, Topdesignern, designenden Schauspielerinnen, Künstlerinnen oder sogar Museumsdirektorinnen. Ich persönlich empfehle Rudolf Scheer & Söhne. Networker haben keine Ahnung, was da in den Katakomben des ehem. K. u. K.-Hofschuhmachers und -Hoflieferanten alles schlummert.
Welches Erlebnis in Wien hat Ihnen zuletzt ein “Wow” entlockt?
Der Klangteppich von tausenden Plastikbechern, die beim Wien-Marathon von den Heerscharen der Laufenden zertreten werden (Anm.: Der Marathon findet heuer am 15. April statt).
In welches Wiener Lokal gehen Sie immer wieder gerne?
Ins Café Weidinger. Im Gastgarten mit einzeln versteckten Kunstblumen Frankfurter mit Senf und frisch geriebenem Kren essen und im Keller auf der Kegelbahn dasselbe noch mal. Als Draufgabe ein Salzstangerl mit Camembert. Vorher das Salz runterreiben! Unschlagbar. Dann Landwein. Denn die Kegelreyß des Weidinger ist wie ein Lebewesen.
Wien bei Nacht – wo und wie erleben Sie es?
Wenn mich mein Fahrer in der Stretchlimo nächtens durch die Vorstädte chauffiert. Hinauf auf den Leopoldsberg und Vindobona beim Schlafen zuhören. Alles Nötige dabei – das ist die schönste Bar der Stadt.
An welchen Ort sollen wir eines Ihrer Outfits ausführen?
Zum Fuchsenfeld Greißler auf eine Wurstsemmel.
Wo in Wien haben Sie erst selbst kürzlich ein neues Kleidungsstück gekauft?
Bei Humana einen ganz speziellen Manteau d´Hubert. Gescoutet für ein französisches Modehaus. Ich für meinen Teil kaufe kaum, denn ich habe noch genug in meinem Mitgiftschrank.
Freunde besuchen Sie in Wien – welches Hotel empfehlen Sie ihnen?
Generell keine „designten“ Hotels. Karge Ausstattung, verwegene Speisen, verschlafenes Service, wo immer man das in Wien noch finden kann. Zum Beispiel im Gästehaus des Deutschen Ordens.
Ein Sommertag in Wien – wie verbringen Sie ihn?
Meist im Schatten eines Baumes oder an der Marina Kuchelau. Am liebsten mit einer Portion Eiscreme.
Erstveröffentlichung im Onlinemagazin insiderei.com.